Mit fünfzehn Jahren hatte ich einen einzigen Wunsch.
Auf dem Wunschzettel für das liebe Christkind standen Bücher, ein Fahrrad, ein Schlafanzug, was ein fünfzehnjähriger spätgezündeter Teenager sich damals so wünschte.
Aber diese Wünsche waren eben nicht der eine Wunsch. Dieser Wunsch war ein stiller Wunsch. Ein geheimer Wunsch, tief im Herzen gehegt. Die Erfüllung erträumt. Ersehnt. Versteckt vor den Menschen, denn diesen Wunsch zu zeigen hätte die Wirkung eines Sprengsatzes gehabt, hätte Welten verschoben.
Oder aber er wäre einfach mit einem leisen Geräusch verraucht. Und hätte keine Spuren hinterlassen, wäre einen stillen kleinen Tod gestorben und mit ihm die Hoffnung.

Einmal Weihnachten feiern ohne einen einzigen Tropfen Alkohol.

Dreißig Jahre später ist ein anderes, ein neues Weihnachten, aber die Gefühle kehren zurück. Jedes Jahr kehren sie zurück und wüten in der Seele. In einem Jahr mehr, in einem anderen Jahr weniger.
Sie ziehen Erinnerungen an den Haaren herbei und lassen sie aufleben. Wie mit einem Scheinwerfer angeleuchtet, wie kleine Theaterstücke, wie Filme aus vergangener Zeit.