Ja, der Baum steht schief. Als käme er nicht aus dem Wald sondern aus Pisa. Wobei sich die Frage stellt, ob es in Pisa nicht auch den einen oder anderen Wald gibt.
Er steht schief, weil ich ihn hingestellt habe. Und ich komme mit dem Baumständer nicht zurecht. Da gebe ich mein Defizit gern zu. Ich habe das Teil nicht unter Kontrolle. Ich kann es auch nicht wieder öffnen, darum kann ich an der schiefen Grundlage nichts ändern.
Bei meinem Hinweis, der Baum sei schief und bräuchte etwas Korrektur in der Haltung, wurde ich auf später vertröstet. Später, so sagte ich, später sei der Baum aber behangen mit diesem und jenem. Dann würden wir den Baum eben mit diesem und jenem richten. Diese Aussage verleitete mich zu dem Spruch: „Dann machste es aber erst, wenn die Kerzen an sind!!!“
Damit fängt der Tag gleich richtig gut an.
Die Schwingungen sind friedfertig und heilig.
Als ich dann die Treppe hinaufwankte, um mir den Atem mit Pfefferminz zu erfrischen, da sonst das Christkind rückwärts aus der Tür fällt wegen des Schlages mit der Mundkeule, überfiel mich Weihnachtsmusik.

Das Wolkenköpfchen lag in seinem Bett, in der Hand das internetfähige Dingens und hörte Weihnachtslieder auf Youtube. Es gestand mir, schrecklich gern eine CD mit Weihnachtsliedern haben zu wollen.
Zusätzlich zu meinem eigenen Atem verursachte mir das eine Verstärkung meiner weihnachtlichen Morgenübelkeit.
Die Lieder, die sie hörte, gefielen mir nicht so recht, ihr aber auch nicht. Ich sollte ihr behilflich sein, bei der Auswahl eines guten Youtubefilms. Leider hatte ich meine Lesebrille nicht an. So sah ich auf der Oberfläche nur bunte Flecken und tippte irgendetwas an.
Ein Medley von Weihnachtsliedern, gesungen vom großartigen Heino.
Da stockte selbst der kleinen Weihnachtselfe der Atem. „Hui, mach das weg!“ brüllte sie. Gänzlich verloren ist die Musiksache also noch nicht bei ihr.

Jetzt gibt es ein weihnachtliches Frühstück, bevor es weiter geht. Und da schauen wir mal, wer alles auftaucht. Es ist nämlich so, dass sich in den familieninternen Geschichten einige befinden, die von versäumten Weihnachten auf Grund von erhöhtem Alkoholkonsum erzählen.
Der Gutfrisierte zum Beispiel hatte in jungen Jahren einen vorweihnachtsabendlichen Exzess mit Whiskey, dem billigen Whiskey, das führte dazu, dass er den Weihnachtstag im Bett liegend verbringend musste. Erst abends kroch er wohl aus seiner Liegestätte, um sich sofort wieder auf eine weitere wilde Festivität zu begeben. Aber das weiß ich nur aus schwiegermütterlichen Erzählungen.
Gestern Abend ist aber keiner durch lallende Sprache oder unsicheren Gang aufgefallen, darum bin ich zuversichtlich, dass keiner sich mit Schnappes weggeblasen hat.

Wie auch immer, dieser Tag wird vorbeigehen, er wird sicher nicht so schlimm werden, wie ich es mir ausgemalt habe, oder er wird noch viel schlimmer, denn im Hintergrund dreut immer ein Unheil, weil Weihnachten das so an sich hat.

Habt Spaß, habt Geschenke, habt Euch lieb.
Frohes Fescht, Allerseits.