In einem Anfall von Miesmuffeligkeit ärgere ich mich gerade über alles, was mir unter die Augen kommt.
Ich ärgere mich über die versifften Teller im Obergeschoss, ich ärgere mich über die Angewohnheit, für jeden Trockenvorgang ein neues Handtuch ins Badezimmer zu hängen, wodurch ich ununterbrochen Handtücher wasche und kaum noch ins Bad passe, weil bei vier Personen, die es benutzen, mindestens elf große Handtücher darin hängen. Und das Bad ist klein. Bei zwölf Handtüchern wird wegen Überfüllung geschlossen.
Ich ärgere mich, dass ich vergessen habe, die Mango zu essen. Und jetzt ist sie gammelig.
Ich ärgere mich, dass auf dem Herd der Nudeltopf steht und, als ich mir die restlichen darin befindlichen Nudeln warm machen will, einfach gar keine Nudeln mehr da sind. Aber der Topf schmutzig stehen bleibt.
Ich ärgere mich über den Matsch im Wald, weil die Gummistiefel nicht mehr dicht sind und ich mit nassen Füßen herumlaufen musste.
Ich ärgere mich darüber, dass ich mich die ganze Zeit ärgere. Und dann werde ich traurig, weil das alles so ist. Und ich bin nicht nur muffelig sondern auch deprimiert. Und wenn ich bei dreizehn Grad den Wind heulen höre und der Regen in fetten Tropfen auf die Fenster schlägt, wird auch nichts besser.

Dann habe ich mich noch verstrickt und das Hörbuch, das ich höre, ist gerade zuende und es gibt, und darüber ärgere ich mich eigentlich am allermeisten, schon wieder so eine verpiepte Fortsetzung.
Ja sind die Leute heutzutage zu blöd, eine Geschichte schnell, präzise und in einem Stück durchzuerzählen?
Muss es denn immer diese Cliffhanger-Scheiße sein?
Vier CDs, da sollte es doch möglich sein, eine Geschichte zum Ende zu bringen.
Ich kaue doch nicht Kaugummi, spucke es aus, rolle es mit dem Nudelholz platt, lasse es über Nacht liegen und kaue am nächsten Morgen weiter.
Irgendwann muss auch mal gut sein.

Vielleicht bin ich aber auch nur nicht so gut drauf wegen des Buches, das ich gelesen habe.
„Das Lächeln meiner Mutter“ von Delphine de Vigan. Dieses Buch hat mich zutiefst berührt. Es kommt nicht oft vor. Eigentlich kommt es nie vor, dass ich bei einem Buch weinen muss. Aber dieses Buch hat es geschafft, mich in Tränen zu stürzen. Die Geschichte, die sie erzählt, ist die Geschichte ihrer Familie. Ihre Großeltern, ihre Mutter mit ihren vielen Geschwistern, ihre eigene Schwester.
Sie beschreibt das Leben ihrer Familie, um sich ihrer Mutter zu nähern. Und oft war mir diese Erzählung so nahe am Herzen, dass ich zum Schluss in Tränen aufgelöst war, weil ich Worte las, die aus meiner Seele zu stammen schienen.

Um nicht völlig abzudrehen lese ich gleich einfach ein Supermanheftchen.
Wobei auch das wieder tückisch ist, denn da lauert der Gedanke, dass ich alle meine Supermanheftchen damals geschenkt bekam von meinem Bruderonkel, der im vergangenen Sommer starb. Und das ist immer noch ganz dünnes Eis.

Ich hole mir besser ein Asterixheft. Asterix bei den Briten. Da bin ich auf der sicheren Seite. Und wenn der Gutfrisierte heute abend seine gestreifte Pyjamahose zum karierten Hemd trägt, fühle ich mich einfach Gutemiene.
Spätestens wenn ich sage: „Gute Nacht, Schlaffix.“.