Ich möchte über mein Leben schreiben. Aus Gründen der Psychohygiene. Ich habe einmal gelesen, dass Schreiben der Seele hilft, schwierige Situationen zu meistern. Darum erhoffe ich mir sehr viel von dem folgenden Blogeintrag. Möge er meine zerrütteten Nerven beruhigen, mich in ein Gleichgewicht bringen und zu meiner Stabilität beitragen.

Fangen wir mit ganz grundlegenden Dingen an. Fangen wir an mit dem Klo. Vor zwei Tagen am Abend war die Toilette verstopft. Über den genaueren Tathergang hülle ich mich in Schweigen. Und auch die Reaktionen möchte ich unerwähnt lassen. Durchaus berichten möchte ich von der Tatsache, dass ich hier im Hause scheinbar der einzige Mensch bin, der ein verstopftes Rohr wieder durchgängig machen kann. Und ich dachte, für solche Sachen hätte man Männer im Haus. Derer gibt es hier drei, wenn man von einem Mann spricht, wenn Buschen die sechzehn Jahre vollgemacht haben. Statt also mein müdes Haupt schon früh in die Kissen sinken zu lassen, beschäftigte ich mich mit dem Abfluss.
Erweitern wir das zu verarbeitende Seelengewirr um das Internet. Es ist sehr instabil, das Internet. Und das schon seit dem ersten Tag des neuen Jahres. Ein Schelm, wer arges dabei denkt. Ich telefoniere leidenschaftlich gern mit den Jungs vom Support. Das sind junge, dynamische Herren, die ständig meine Leitung messen. Nicht die Abwasserleitung sondern die Kommunikationsleitung. Es werden vier oder sechs oder vier Komma acht Bitse durchgejagt, nichts desto trotz habe ich ungefähr vierzig Verbindungsabbrüche in der Stunde. Ich will niemanden langweilen, denn genau das ist es, langweilig. Aber. Aber ich habe den Splitter ausgetauscht, einen neuen Router gekauft, dies und das gemacht und langelangelange Kreise in der Warteschleife gedreht. Hat es geholfen? Nein. Mittlerweile kann ja jeder Depp so etwas installieren und verkabeln, darum möchte ich mir hier auch nicht zu fest auf die Schulter klopfen. Und es ensteht auch kein Gefühl von Stolz darüber, dass ich solche Dinge kann und auch tue. Eher bin ich massiv unwirsch, denn wenn man nach fast zwei Wochen immer noch herummacht, steigt der Ärger auf. Darum sagte ich dem Supportbürschlein von eben: „Ich finde das Scheiße.“
Er bekam einen Lachanfall und meinte, das könne er so gut verstehen, dass ich das finde und darum dürfe ich das auch sagen. Und solle mir noch einen neuen Splitter besorgen, denn er sei sich sicher, das wäre das Problem. Und dafür habe ich einen neuen Router.
Auf meine Frage, was denn sei, wenn der nächste Splitter keine Besserung der Gesamtsituation bringen würde, teilte er mit, ich solle wieder anrufen. Ich erklärte ihm, dann würde ich aber sicher noch einmal Scheiße sagen. Und er meinte, das solle ich dann aber lauter als bei ihm tun.

Und das ist ja nur ein kleiner Teil des heutigen Tages, dass ich den Router gekauft, installiert und wieder mit dem Support geschnackt habe.

Angefangen hat es damit, dass heute früh der Wecker klingelte und ich mein müdes Köpfchen nicht ganz wachgerüttelt bekam. Normalerweise mache ich direkt nach dem Weckerklingeln den Fakten-Check. Wer bin ich? Wo bin ich? Sind alle Körperteile noch da? Was muss ich heute alles machen?
Soweit kam ich nicht. Irgendwie bin ich spontan wieder eingeschlafen und in die Zeit von acht Minuten, bis der Wecker zum Glück die zweite Weckrunde einleutete, habe ich geträumt, ich wäre in der Schule und müsste eine Mathearbeit schreiben. Eigentlich konnte ich das Thema recht gut, bedauerlicherweise kamen mir die gestellten Aufgaben aber vor, als wären sie in chinesisch gehalten.
In acht Minuten sozusagen noch einmal die Schule komplett zu verkacken, das war hart. Darum bin ich dann auch sofort aus dem Bett gesprungen, als es wieder piepste.

Der nächste Tiefschlag erwartete mich am Auto. Überraschung. Es ist Winter. Da friert es manchmal. Auch auf einer Autoscheibe!
Und heute war der gestern gefallene Regen als Eispanzer auf der Scheibe. Das ist sehr unerfreulich beim Eiskratzen. Zumal, wenn die Scheibe so bescheuert groß ist, dass man gar nicht bis zur Mitte kommt. Man kann es auch anders sehen. Blöd, wenn man kurze Arme hat.

Es folgte eine morgendliche Diskussion über die Weltpolitik, nachdem die Sicht frei und die Fahrt aufgenommen war. Hier musste ich feststellen, dass Killerdog offensichtlich ein konservativer Kapitalist ist. Ich habe keine Ahnung, was da passiert ist. Die Inhalte des Gesprächs waren vielfältig, von Terror zu Flüchtlingen zu Feminismus zu Krieg mit Russland. Meine Haare streubten sich und irgendwann dachte ich, ach, dachte ich, was soll es denn. Mit siebzehn muss man vielleicht so beknackt sein.
Ich atmete einfach eine Runde und hoffe, irgendwer erklärt ihm die Welt. Muss ja nicht ich sein.

Wieder Zuhause, erwartete mich ein gewaltiger Berg zu faltender Wäsche. Hauptsächlich Handtücher. Und ich warf eine neue Maschine Wäsche an. Dann ging es in den Wald. Das Wetter war noch ganz erträglich.
Eine gute Stunde später stand ich in der Waschküche, sehr verwundert über die Waschmaschine. Sie tat nicht, was sie tun sollte. Sie tat einfach nichts.
Nun bin ich nicht nur Zuständig für Gas, Wasser, Scheiße und Elektrotechnik, ich kann auch Waschmaschinen. Nach einigem Hin und Her öffnete ich, letztlich mit ein bisschen Gewaltanwendung, denn der Verschluss wollte sich nicht drehen, unten das Dingsda. Unten rechts. Da sitzt dieses Flusendingsda. Da läuft dann erst einmal das ganze Wasser aus, das nicht abgepumpt wurde. Darum ist der Boden der Waschküche endlich wieder einmal sauber. Das letzte Mal wurde der nämlich bei der großen Flut im vergangenen Sommer gründlich durchgespült. Also, sauberer Boden. Und in dem Flusendingsda waren (Trommelwirbel, Fanfaren und Blasorchester!) Haarnadeln. Stücker zwei. Damit macht man einen Dutt. Wie ihn die Balletttänzer tragen. Tänzerinnen.
Und die hatten sich fein verklemmt. Rausgepokelt, noch eine Folie gefunden und etwas sehr Klebriges, was vielleicht ein Kaugummi gewesen sein möchte, aber eine ungute Verbindung mit einem Büschel Haare einging.
Kurzer Sinn der langen Rede: Ich habe die Waschmaschine repariert, sie läuft wieder.

Zwischendrin aber immer wieder Internetspielereien. Nicht, dass man denkt, ich hätte eines nach dem anderen erledigt.

Dann wollte ich noch ein weiteres Mal, es war immerhin schon zwei Uhr, mit dem Hund vor die Tür.
Aber was soll ich sagen. Just in dem Moment, als ich die Tür öffnete, schlug es einen Graupelschauer um meine Ohren. Mit Blitz und Donner. So wartete ich noch fünf Minuten und ging dann wagemutig in den Wald hinein. Schnee, Hagel, Wasser, alles war dabei. Der Hund hatte überhaupt keinen Bock auf den Spaziergang. Das war meine Rache für all die Spaziergänge, auf die ich keinen Bock hatte.
Übrigens wollte der Hund assistiertes Kacken. Aber ich ließ mich nicht erweichen. Scheinbar hatte die Töle einige Haare verschluckt und ihre Köttel daran aufgefädelt. Hundebesitzer wissen, was ich meine. Da hängt der Hund verzweifelt im Eck und drückt sich den Wolf, alleweile eine kleine Perlschnur hinten rauskommt.
Nein. Ich nicht. In der freien Wildbahn wäre auch niemand gekommen. Klappte ja letzten Endes auch so. Ohne Hilfe.

Und über all dem kam ich nicht zum gescheiten Frühstück. Ich aß nur einen kleinen, langen, dünnen Schokoladenriegel und die Reste aus der Tüte mit den Thai-Asia-Crackern. Diese Cracker sind auch eine interessante Sache. Irgend ein Lebensmittelchemiker hat sich da überlegt, wie wohl ein Sauerkraut essender Durchschnittsdeutscher sich thailändisches Essen vorstellt. Jeder Bewohner Thailands würde bei diesen Crackern müde lächeln und sich fragen, wieso es hier so dicke Briefmarken gibt.
Da stand scharf drauf. Und ich fand das nicht unscharf. Aber ein Thai gibt sowas vermutlich einem Baby, um es zu beruhigen.
Ich persönlich habe wegen dieser Art der Ernährung nun Sodbrennen. Hätte ich doch nur ein Müsli gegessen. Oder ein Brot. Aber nein, ich war so durchgeramscht im Kopf, da habe ich einfach nur noch „Maschinemaschineinternetmaschineinternetmaschine….“ herumpurzeln gehabt.

Ach pfui. Was für ein doofer Tag.
Eigentlich sollte ich auch duschen gehen, denn bei der Physiotherapie sollte man schon duftig frisch sein. Aber ich habe ein bisschen Angst davor, was das Badezimmer an Überraschungen für mich bereit hält. Außerdem muss ich ja noch den nächsten Splitter besorgen.

Und?
Geht es mir besser, jetzt, wo ich mir all das von der Seele geschrieben habe?
Nun, therapeutische Arbeit erledigt sichnicht in einer Stunde. Wir lassen das jetzt ein bisschen ruhen und schauen, dann, was sich entwickelt.
Obwohl, ein erstes Ergebnis ist eindeutig wahrnehmbar. Ich habe nicht mehr das drängende Bedürfnis, jemanden schlagen zu wollen. Also ja, doch, es scheint zu wirken.