Da ist es doch schon eine Woche her, dass ich etwas anderes geschrieben habe als „Entschuldigen Sie sein Fehlen vom…“ oder „Wahr schreibt man mit einem H!!!“.
Ich finde das skandalös. Denn die ganze Zeit über formuliert es sich in meinem Kopf einen Wolf und nichts davon kommt in die Tasten.
Warum ist das so? Diese Frage stelle ich mir nicht erst seit heute oder gestern.
Zu viel zu tun?
Also, im Vergleich zu anderen Zeiten in meinem Leben kann ich das so nicht behaupten. Ich reiße mir momentan nicht unbedingt ein Bein aus. Gut, ich gehe jeden Tag zu Frau Lotti, denn sie hat es nötig. Und hin und wieder koche ich etwas.
Wobei das Kochen mir keine Freude macht. Ja, ich habe es gelernt. Und die Lehrjahre waren keine schönen Jahre. Da wollte ich öfter gern tot sein. Aber kochen kann ich. Nur macht es nach sovielen Jahren des Kinderbekochens einfach keinen Spaß mehr. Und auch dieses tägliche „Was sollen wir essen?“ geht mir auf die Nerven.
Was sollen wir denn essen? Nix! Hier wird eh schon soviel Klopapier gegessen, dazu ein Glas Duschgel und zum Nachtisch Haarwaschmittel. Da muss man nicht noch ein vier Gänge Menü aus dem Hut zaubern.
Nur, manchmal möchte ich auch etwas Warmes essen. Wobei meine Vorstellungen von leckerem Essen (Gemüse, Eintöpfe, Pasta…) nicht mit denen der männlichen Belegschaft (Fleisch, Fleisch, Wurst, Fleisch…) übereinstimmt. Und ich bin mittlerweile der Meinung. wer kocht, der entscheidet über den Menüplan.

So sitze ich dann in trauter Zweisamkeit mit dem Gutfrisierten vor dem Teller mit Bohneneintopf, finde, es handelt sich um ein köstliches Winteressen und die Burschen bestellen sich eine Pizza.
Bin ich beleidigt?
Ja.
Natürlich bin ich beleidigt. Keine Frage. Es fängt damit an, dass ich mir Gedanken mache, keiner einen vernünftigen Wunsch äußert (Fleischgegröhle ist nicht vernünftig), ich einkaufen gehe, mich in die Küche stelle und koche und dann gleichzeitg, wie ich es in den Lehrjahren beigebracht bekam, sofort alles immer wieder auf- und wegräume, so dass niemals nie und nimmer nicht ein Chaos in der Küche entsteht. Ich decke sogar den Tisch und rufe zum Essen. Und dann?
„Wir haben uns ne Pizza bestellt…“ hallt es durch die Hütte.
Und ich könnte mich spontan noch bevor ich etwas drin habe umgehend sofort auf den Teppich entleeren.

Und dann bin ich motorisch im Moment nicht ganz auf der Höhe.
Wenn ich koche, dann koche ich gern auch einmal hinter dem Topf.

Kochen hinter der Herdplatte

 

Wobei die Herrschaften bei diesem Essen durchaus geneigt waren, einen Teller Bolognese à la Lavendel zu sich zu nehmen.
Das schwungvolle Umrühren fordert hier seinen Tribut. Oder wo rohe Motorik sinnlos waltet.
Ich könnte behaupten, es liegt am Kochlöffel. Der ist zu aufgeregt.

Kochen auf den Kacheln

Hier gab es ein Süppchen, das ich mit einem formvollendeten Dreh an die Wand performte.
Diese Kacheln sind ja wunderschön, das Sonnengelb erfreut mein Herz jeden Tag auf ein Neues.
Aber sie sind hochglänzend. Und man sieht alles. Wasssertropfen. Spritzer. Suppe. Früher wohnte ich in einem Haus, da waren die Küchenkacheln graubraunmatschig marmoriert und mit Relief. Und matt. Da konntest du draufkotzen, das war absolut unauffällig.
Diese hellen Goldstücke erfordern ein ausgefeiltes Reinigungsprogramm. Nach jedem Kochen. Und es gibt nur einen Menschen, der die Reinigung so beherrscht, dass nicht anschließend die Kachelwand aussieht, als hätte sich ein Ölwurm daran gerieben.
Wer wohl? Genau.

Und während ich das Essen zubereite, schon weiß, dass die Pubertisten-Penner davon nichts haben wollen, weil es ihnen zu gesund ist, schaue ich aus dem Fenster und sehe die olle Nachbarskatze Geronimo in der Magnolie hocken.

Mahlzeit.

Ein Schelm, wer Mahlzeit dabei denkt.
Sie hockt da und wartet, dass ein unachtsames Vöglein sich an den Knödel klemmt. Dann fährt sie ihre Krallen aus und versucht, sich einen Knödelbesucher einzuverleiben.
Mistvieh. Jajaja, Natur. Jagdtrieb. Bla. Ist mir egal. Ich finde das frech. Mittlerweile kommt keine Meise mehr zum Knödel, die sind ja nicht doof. Nun hängen sie sinnlos herum. Nur die Katze ist auf der Lauer. Und wartet. Ob nicht doch ein Vogel von auswärts kommt, der nicht weiß, dass die Knödel belagert werde.

Eigentlich ist das alles auch keine Entschuldigung für mein Nichtschreiben. Ich vermute, ich hatte eine Schreibblockade (ich finde Schreibblokade sieht leckerer aus) wegen eines massiven Schocks.
Seit die Feiertage vorbei sind (nach dem Fest ist vor dem Fest, schon mal aufpassen ob sich eine Geschenkidee für…. wen auch immer andeutet, man kann nicht früh genug anfangen damit), kann ich schon nicht mehr entspannt in die Zeitung schauen. Ständig, und wenn ich ständig sage, dann ist das wirklich ständig täglich ununterbrochen, werden in den Lokalteilen die karnevalistischen Umtriebe mit Fotos hervorgehoben. Ich könnte mich jeden Morgen auf die Dielen entleeren, noch bevor etwas in mir drin ist. Ich versuche, meinen Augen die Verbindung zum Hirn zu untersagen, so dass ich den Scheiß zwar sehe, aber nicht wahrnehme. Dass es zwar auf der Netzhaut abgebildet wird, aber meine Hirnwindungen unversehrt lässt.
Es gelingt einigermaßen, ich habe ja Formen der Selbsthypnose erlernt. Auch in der Küche, durchaus.

Dann aber, als ich mit nichts Schlimmem rechnete, im Auto, an der Kreuzung, an der roten Ampel, da wurde ich Zeuge eines grauenvollen Vorkommens.

Lappenclown in freier Wildbahn

 

Ein Lappenclown. Und das hat mich traumatisiert. Abgesehen davon, dass der „Lappenhorst“ (O-Ton Killerdog neben mir) bei rot über die Ampel turnte. Und er rannte mit voller Geschwindigkeit auf mein Auto zu. Was für ein Albtraum. Ich verschloss das Auto sofort von innen und duckte mich hinter dem Lenkrad. Der Clown kam näher und näher, noch näher… ganz nah… und rannte vorbei. Im Rückspiegel verfolgte ich seinen Lauf. Verutlich rannte der in den Wald um Rehe zu jagen. Oder mit Wildschweinen zu ringen.
Ich habe so eine Angst vor denen. Ich meine nicht die Wildschweine.

Naja, diesen Schock konnte ich nur durch ausgeprägte Lesezeiten überwinden.
Ich schnappte mir ein Buch. Und noch eins. Und einen Comic. Und noch ein Buch. Da konnte ich nicht schreiben, weil ich ja lesen musste.
Jetzt wird es langsam besser mit dem Trauma.
Und außerdem muss ich in die Bücherei.

Es bedarf dringend eines Vorrats an Büchern, denn in nicht allzu weiter Ferne kommen auch alle anderen Lappenclowns aus ihren Löchern gekrochen. Und die Funkemariechen. Und all das andere Karnevalsgekröse.
Ich muss präventiv darauf vorbereitet sein.
Ich sollte auch Lebensmittelvorräte anlegen. Ein einziges Mal war ich an Weiberfastnacht im örtlichen Supermarkt. Zeitgleich mit Prinz Karneval. Es ließ sich nicht verhindern. Ich musste für meine Freundin und ihr frisches Baby Milchpulver kaufen. Sonst wäre ich nie dort hingegangen. Aber aufopferungsvolle Freundin, die ich bin, stürzte ich mich in den Horror. Ich entkam nur knapp einem Bützjen.

So. Und weil mein Leben eben so ist, konnte ich in den vergangenen sieben Tagen nicht schreiben.
Damit das erklärt wäre.