Ich bin mit einem gutfrisierten Nixversteher verheiratet.
Bedauerlich.

Heute früh erwachte ich mit einem zarten Gefühl von Hass in mir. Das lag daran, dass ich fünf Schlafunterbrechungen hatte, was ich eigentlich nur aus den Zeiten kenne, als die Kinder nächtliche Nahrungsaufnahme benötigten um zu gedeihen.
Diese Unterbrechungen kamen durch das unerquickliche Geräusche zustande, welches aus der Betthälfte rechts neben mir direkt in mein Ohr geblasen wurde. Einige Tritte und unwirsche Ausrufe später hörte es für kurze Zeit auf, nur um gleich danach mit der doppelten Stärke an Laut weiterzugehen.
Irgendwann war ich des Aufwachens müde und stand einfach auf.
Ich zog mich an, stochte ein Feuer im Kamin an und schaute aus dem Fenster auf die verschneite Straße. Dicke Flocken fielen herunter und malten eine Winterlandschaft. Ganz angetan von diesem winterllichen Gefühl konnte ich den zarten Hass aus meinem Herzen bannen und war ruhig und ausgeglichen.
Der Gutfrisierte stand einige Zeit danach ebenfalls auf. Grummelig zog er seine Kleidung an und gleich auch seine Mütze, die ich ihm gestrickt habe. Er machte sich bereit für den morgendlichen Gang mit dem Hund und in mir entstand der kühne Gedanke, man könne doch gemeinsam durch den Schnee laufen, ein paar Flocken fangen, dem Hund zuschauen, wie er sich den Schnee durch die Nase zieht, sich mit kleinen Schneebällen necken und die kalten Nasen aneinander reiben.
Ob all dieser netten Bilder in meinem Kopf, die so nötig sind in den Durststrecken der Ehe, sprach ich gleich darauf: „Darf ich mitkommen zum Spaziergang?“
In meinen Augen leuchteten Vorfreude und Zärtlichkeit.
Schon in Mantel und festes Schuhwerk gekleidet, schaute der Gutfrisierte mich an.
„Was soll das jetzt? Dann muss ich doch nicht gehen.“

Nichts verstanden. Aber gar nichts.
„Ich dachte, wir könnten gemeinsam laufen…“
„Wozu soll das gut sein? Dann kann ich doch hierbleiben, wenn Du gehen willst…“
„Ich dachte, zusammen…“
„Wie Du willst.“
„Magst Du denn, dass ich mitkomme?“

Die Frage aller Fragen. Magst Du es? Möchtest Du? Hast Du Interesse daran, dass ich meine Zeit mit Dir teile? Wäre es schön für Dich, gemeinsam durch den Winterwald zu gehen?
Und all die Fragen, die dahinter liegen, die eine Frau an dieser Stelle, wenn auch ungestellt mit echten Worten, fühlt, empfindet, spürt.
Bin ich Dir wichtig? Teilst Du Deine Zeit mit mir? Liebst Du mich?

„Ist mir egal.“

Nichts verstanden. Und hätte ich Hoden, sie würden nun schmerzen von diesem Tritt in den emotionalen Schritt.
Egal ist es. Egal.

Muss ich denn den großen Vorschlaghammer auspacken und alles immer erklären? Kann denn keine nonverbale Botschaft ankommen?
Kann man allen Ernstes so gar nichts verstehen?

Meine Fresse.
Wie gut, dass ich weiß, dass es ihm echt egal ist und er nichts versteht, sonst müsste ich ihm statt dämlicher Gedankenlosigkeit Boshaftigkeit vorwerfen.

Dabei wäre ein gemeinsamer Spaziergang die Möglichkeit gewesen, die Sprachlosigkeit mit etwas anderem zu füllen.

Darum an dieser Stelle:
††«∑å«∑∑‚†† und andere erheiternde Flüche.