Es war schon spät am Abend. Ich hatte mit dem Wolkenköpfchen im Bett herumgelungert und dabei in die Ferne gesehen. „Boyhood“ lief. Ist ja für einige Oskars nominiert. Und ich muss gestehen, ich weiß nicht ganz, warum. Sicher, kann man machen und ist eine erstaunliche Leistung, über die Jahre immer wieder alle zum Drehen zusammenzutrommeln.
Aber ich fand es trotzdem ein kleines bisschen Langweilig. Aber vielleicht bin ich auch einfach ein Banause.
Verglichen mit dem, was der Film über mehr als ein Jahrzehnt zeigte, kann ich innerhalb der hiesigen Familie mit komprimiertem Unterhaltungswert in zehn Minuten aufwarten.
Auch das Wolkenköpfchen war nicht über die Maßen begeistert. Sie schlief einfach im letzten Drittel des Films ein. Und war nicht besonders erfreut, dann noch einmal aufgeweckt zu werden, um Zähne zu putzen und sich in das eigene Bett zu trollen. „Wolkenköpfchen, hör mal, die Zeiten sind vorbei, in denen Du in meinem Bett schlafen durftest. Der Platz reicht nicht mehr. Husch, hoch!“
Miesepetriges Gemurmel war die Folge, aber sie ging doch nach oben. Ich ging mit. Denn ich wollte auch meine Zähnchen bürsten. Das tue ich mit Ausdauer. Aber nur, weil ich tickende Zeitbomben im Mund habe und hoffe, deren Hochgehen durch ausgiebige Zahnreinigung zu verhindern.
Leider war das Badezimmer verschlossen. Und hinter der Tür hörte man Geraschel, Gekicher, Gedöns. Und dann den Föhn.

Die Kölner Heinzelmännchen bei der Badreinigung? Wohl kaum.
Nein, es handelte sich um eine adlige Zusammenkunft. Der Fürst und sein neues Burg-Frollein hatten sich wohl eine kleine Duschparty gegönnt und waren um halb zwölf in der Nacht noch nicht fertig. Was soll ich sagen? Um die Uhrzeit hat die Nachtabsenkung das Wasser schon hübsch abkühlen lassen, weswegen das Burg-Frollein auch ein kleines bisschen bibberig war, als es aus dem Bad geschossen kam.

Ich hatte etwas ungehalten an die Tür geklopft und doch höflich aber bestimmt die Zahnbürsten für die Familienmitglieder eingefordert.
Und zehn Minuten später hatten sie sich wohl auch genug warmgeföhnt, verließen das Bad und verschwanden ohne weitere Kommentare im Schlafgemach des Fürsten.
Nun lässt sich dazu mehreres vermerken.

Punkt eins:
Es ist ja erfreulich, dass das Burg-Frollein, im Gegensatz zum Modderlieschen, das vor mehr als zwei Jahren am Start war, der Körperpflege zugetan ist, aber muss das denn so spät sein? Und können die nicht lieber ins Schwimmbad gehen? Wir sind hier zu Vielen und haben ein Bad mit genau zwei Quadratmetern, da kann man nicht zu Stoßzeiten das Bad blockieren.
Das führt zu Punkt zwei.

Punkt zwei:
Das Bad hat zwei Quadratmeter, die Dusche ist speziell in Zwergengröße eingebaut. Wie machen die das? Zu zweit in dem kleinen Bad?
Nein, sofort streiche ich die Frage aus meinem Kopf. Diese Bilder will ich nicht. Weg. Hopp, haut ab. Raus da!!!

Punkt drei:
Der Klodeckel stand auf und in der Schüssel lagen lange, sehr lange, schwarze, sehr schwarze Haare vom Haupte des Burg-Frolleins.
Es ist verboten, lange Haare im Klo zu entorgen. Wer einmal die Folgen langer Haare im Klo miterleben musste, der weiß, lange Haare sind das Ende jeden Durchflusses. Also, verboten.

Punkt vier:
Die Tiefe meiner Erschütterung lässt sich nur erahnen, wird aber klarer, wenn man weiß, dass ich mir am Montag morgen eine neue kaufte und meinen Namen mit Edding darauf vermerkte. Sowie einen Vermerk, was bei Zuwiderhandlung geschieht mit dem Zuwiderhandelnden.
Die langen schwarzen Haare waren nämlich auch in meiner Bürste. In meiner.
B. Ü. R. S. T. E.
Meine Bürste für meine Haare und meinen Kopf.

Punkt fünf:
Ob wohl meine Zahnbürste noch meine Zahnbürste ist?

Punkt sechs:
Darf man Menschen mit einer in Gebrauch befindlichen Klobürste verdreschen, auch wenn sie adliger Herkunft sind?

Punkt sieben:
Wieviele Handtücher braucht ein Mensch? Wieviele Handtücher brauchen zwei Menschen? Wieviele Handtücher braucht eine Familie?
Sollten wir uns nicht alle lieber trockenföhnen?

Punkt acht:
Die Stadtwerke haben eine Nachforderung für die Wasserkosten geschickt. Warum denn nur?

Es wird Zeit, dass sie aus dem Nest kommen. Auf der Kante hocken, das tut er schon, der Fürst. Allein das Geld reicht noch nicht.
Wäre ich doch nur reich. Dann hätte er schon längst eine eigene Heimstatt, an der er den ganzen Tag duschen kann. Und die Nacht. So lange, bis ihn die Nachbarn erschlagen oder er hungern muss, weil er so viel Geld für Wasser braucht.

Punkt neun:
Zum ersten Mal in meinem Leben freue ich mich, dass wir keine Badewanne haben. Eine Badewanne wäre unbezahlbar.

Und im Allgemeinen gilt:

Finger weg von meinen Badezimmerutensilien.
Sonst gibt es was.