Ich frage mich wirklich, warum ich mich bei Festtagen immer so bescheiden fühle.
Bescheiden nicht im Sinne von „Viel braucht es nicht, mich zufrieden zu stellen“.
Bescheiden im Sinne von „Beschissen, beschissen, beschissen“ mit grauer Wolke, die einen Hang zum Abregnen genau über meiner Seele hat.

Morgen ist das wieder soweit und ich fange schon heute an mit dem Bescheiden.

Morgen habe ich Geburtstag. Und ich bin zwiegespalten. Einerseits hätte ich gern ein echtes Tänzchen, aber allein die Vorstellung, es könnte wirklich eines kommen, lässt mich detailierte Fluchtpläne ausarbeiten.
Und nach den Erlebnissen der letzten Jahre, wo die männlichen Mitglieder dieser Herde meinen Geburtstag verdrängt, vergessen, übersehen oder auch für nicht ganz so wichtig erachtet haben, ließen meine Erwartungen sinken. Der Mariannengraben ist eine Pfütze gegen die Tiefe der Erwartungen.

Und gestern kam dann der Gutfrisierte und meinte, er wüsste einfach gar nicht, was er mir schenken sollte. Ja, er hat die letzten Male keine Treffer gelandet und jetzt traut er sich nicht mehr, eigenständig etwas zu fabrizieren.
Die rote Ledertasche hängt am Schrank und staubt zu. Die gab es letztes Jahr und sie war sehr teuer. Aber sie ist total ungeeignet. Für Handtasche zu groß, für Reisetasche zu klein. Keine Fächer drin und einen Henkel und einen Riemen im Doppelpack. Die Tasche und ich, wir passen nicht zusammen. Das tut mir sehr leid und ich habe versucht, mich mit ihr anzufreunden, es geht aber einfach nicht.

Der Mantel, ja, der war sehr hübsch. Den gab es vor ein paar Jahren. Und ich passe jetzt nicht mehr hinein. Der war nämlich schon auf Figur gekauft. Meine Figur eskaliert. Die des Mantels tut das nicht, die bleibt. Außerdem war das ein Mantel für schicke Momente im Leben. Wann habe ich denn schicke Momente? Im Wald? Wenn ich dem Hund die Scheiße vom Arsch puhle? Ich bitte um Entschuldigung für die rüde Ausdrucksweise, aber so ist es doch.

Oder wenn ich auf einen Elternabend gehe? Zum Einkaufen?

Der Ebookreader war nett. Und nett ist bekanntlich dicke befreundet mit verkackt.
Und ich freute mich auch nicht in ausreichendem Maße sondern schaute ziemlich entgeistert, denn damit hatte ich nicht gerechnet. Warum auch? Ich bin bekennende Blätterliebhaberin.

Nun, dieses Vorgeplänkel führt dazu, dass ich vermutlich morgen nichts auspacken werden. Und das macht mir jetzt ein bisschen miese Gefühle. Obwohl ich mir doch schon so einen feinen Geburtstagskuchen gebacken habe. Und einen schönen Nudelsalat vorbereitet habe. Mit getrockneten Tomaten und Oliven. Morgen kommt noch Basilikum und kleine Tomaten dazu, Knoblauch ist auch dabei.
Und die obligatorische Süßwarenübertreibung in Form von Massen an Gummibärchen ist ebenfalls unter Dach und Fach.

Und weil ich gerade einen innerlichen Seelenstriptease hinlege und mich bemitleide, dass es nur so eine Pracht ist, formuliere ich hier an dieser Stelle, was ich mir wünsche. Vermutlich hoffe ich, dass dieser Blog mal gelesen wird von demjenigen, der mir diesen Wunsch erfüllen wollen sollen würde.

Ich wünsche mir einen Ring. Es kann ein Dichtungsring für eine Trinkflasche sein, einer aus Blech oder ein selbst gefilzter, ein Ring aus Plastik, Metall oder Wolle. Es ist mir egal.
Und dazu wünsche ich mir ein Gefühl.
Das Gefühl, noch gewollt zu sein.

Autsch.