Es ist Tag drei meines Entzugs. Es geht mir schlecht. Mein Körper rebelliert. Es kaum zu ertragen. Der Kopf schmerzt. Das Hämmern gleicht einer mittelalterlichen Waffenschmiede. Meine Hände zittern und ständig steht mir kalter Schweiß auf der Stirn.
Mein Magen krampft sich in regelmäßigen Abständen zusammen. Meine Gedärme kriechen umeinander wie ein Haufen Regenwürmer.
Und wenn ich im Supermarkt stehe, trifft es mich besonders schlimm. Dann kann ich nur noch denken:
„ZUCKER!!! GEBT MIR ZUCKER!!!“
und kann kaum noch gerade laufen, so sehr zieht es mich in die Süßwarenabteilung. Ich möchte vor den Erdnuss-Schokolade-Karamell-Riegeln zusammenbrechen und weinen.

Bilder schießen durch meinen Kopf. Ich würde mir aus den Regalen die Sachen reißen, wie eine Wilde die Verpackungen mit den Zähnen aufbeißen und mir die NegerSchokoSchaumküsse in den Mund stecken. Einen großen, komplett. Dann kämen die Schokoladen mit Krokant dran. Hektisch würde ich mir eine ganze Schachtel Toffifee einverleiben.
Dann würde ich schnell hinter die Fleischtheke kotzen, nur um mich gleich darauf an dem ganzen Gummizeug zu vergreifen.

Schlimm, was ein Gehirn einem antut.

Warum mache ich das? Warum mute ich mir so einen Entzug zu? Einen kalten Entzug? Etwa weil Fastenzeit ist? Oder weil meine Körpermaße das letzte Mal solche Ausmaße angenommen haben, als ich im neunten Monat schwanger war und über zwanzig Kilo zugenommen hatte und ich mich wieder etwas schwerfällig fühle?
Nein. Nein. Nein.
Es ist nichts religiöses und ein bisschen spack zu sein, das ist nun auch kein Weltuntergang.
Aber diese Fettschürze am Bauch, die sich beim Vornüberbeugen plötzlich der Bewegungsrichtung entgegenstellt, die finde ich vollkommen unangebracht.
Ich möchte mich vorbeugen und nicht so ein seltsames Gebilde zwischen Hüftknochen und Oberschenkel eingeklemmt fühlen.
Und mit ein paar Kilo weniger entleert sich vielleicht auch etwas von dem eingelagerten Speck für schlechte Zeiten.

Jetzt gilt es einfach abzuwägen. Was ist schlimmer? Eine Wampe oder der Entzug?
Im Moment ist es noch die Wampe. Aber möglicherweise, wenn mein Zuckersuchtzentrum sich noch einmal zur vollen Größe aufbläst, wenn ich gerade an den Veilchenpastillen vorbeikomme, ist mir dann auf einmal die Wampe Wumpe.

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Dann lasse ich den Zucker so in mich hineinrieseln wie in dieses formschöne Vorratsglas,  dass, mir sehr ähnlich, auch über keinerlei Taille verfügt.