*** Kann Spuren von Ekligkeiten enthalten***

Ich rieche Fisch. Überall rieche ich Fisch.
Das macht mich fertig. Als ich vorhin im Supermakt stand, wollte ich mir freiwillig Duschgel durch die Nase sniefen, damit dieser Fischgeruch endlich verschwindet.
Es ist widerwärtig.

Seinen Ursprung hat das Problem am Mittwochabend genommen. Ich aß einen feinen Lachs, gegart im Ofen, mit Zwiebeln, Tomate und Knoblauch, dazu Pellkartoffeln und einen Dipp aus Quark, Schmand und Joghurt. Es war wirklich ausgesprochen lecker. Aber schon kurz nach dem Essen setzte ein Drücken im Oberbauch ein, welches mich im Laufe der folgenden Stunden zunehmend irritierte. Nichts desto trotz schlief ich ein. Jedoch eine Stunde später, vielleicht auch zwei, so genau kann ich das nicht mehr eruieren, schoss ich aus dem Schlaf und griff mir den vorsorglich schon neben dem Bett postierten Eimer. Diesen füllte ich mit dem kompletten Abendessen, welches eine zartrosa Farbe aufwies und, anders als schon manch andere Entleerung, bei der die Ursprungssubstanzen sehr deutlich erkennbar waren, wie es häufig bei Mais der Fall ist, eindeutig darauf schließen ließ, dass ich sehr gut gekaut hatte.
Durch den Schwung des Aufschwulkens schoss mir alles nicht nur den Hals hinauf und durch den Mund hinaus, nein, auch die Nase wurde beteiligt. Und hier liegt nun der Fisch begraben.
Seit meine Nasenschleimhäute mit dem angedauten Abendessen in Kontakt kamen, verharren sie in der Schockstarre und weigern sich beharrlich, etwas anderes als Fisch zu registrieren.

Ich habe die Nase durchgespült, obwohl ich solche Handlungen abgrundtief hasse. Ich habe mir Duftstoffe direkt darunter gerieben, ich habe alles mögliche versucht. Die Nase bleibt dabei, es riecht nach Fisch.

Als ich dann im Geschäft auch noch an der Fischtheke vorbei kam, die traditionell nach Fisch riecht, war mir danach, mich erneut in Pastellfarben zu entleeren. Da außer einigen einsamen Salzstangen diesbezüglich keine farblichen Schönheiten zu erwarten waren, die Menge auch unbeeindruckend gewesen wäre, ließ ich dieses Ansinnen meines Körpers fallen und rannte schnell weiter in Richtung weiterer Salzstangen und Bretzeln. Davon erwarb ich einige und sah zu, dass ich wieder nach Hause kam, denn ich hatte deutlich das Gefühl, dass auch die Körpertemperatur erneut in die Höhe zu steigen gedachte.
Und neununddreißig ist in meinem Alter kein Spaziergang gewesen, vielleicht konnte sich der Geruch auch nur dadurch so in meiner Nase einbrennen.

Jetzt beschäftige ich mich wieder mit der Imagination von arktischen Landschaften. Das ewige Eis ist eine sehr gute Sache, da riecht es sicher nach nichts, denn da ist nichts und niemand, der Geruch abgibt, es sei denn ein stinkender Eisbär kommt da längs.
Also, eine einsame, elend weite Fläche gefrorenen Wassers, eine leichte Brise bei minus zwanzig Grad und sonst nichts.
Das stelle ich mir vor. Bedauerlich, wenn mein Hirn mich foppt und immer wieder einmal ein fliegendes Fischfilet durchs Bild schickt.
Nun ja.

Wenigstens möchte ich nicht mehr sterben.