Eigentlich wollte ich schon bei den Stadtwerken anrufen und fragen, warum, zum Teufel, ich jeden Monat Geld für die Straßenreinigung berappen muss, wenn sich die kleine Kehrmaschine hier so selten blicken lässt.
Und gerade, als ich ein weiteres Mal darüber nachdachte, kam sie um die Kurve gefahren und machte sich auf den Weg zum Weg vor unserem Haus.

Dort liegen in der letzten Zeit vermehrt Zigarettenkippen herum. Allem Zetern und Meckern zum Trotz liegen sie dort. Und allen Versprechungen und Ankündigungen zum Trotz verschwinden sie auch nicht einfach.
Selbst Argumentationen gegen das Rauchen, heraufbeschworene Bilder von appenen Beinen, Siechtum und Tod, bewirken nichts.

Schnell sprang ich in mein Auto, drehte es herum und parkte gegenüber. Damit die Kehrmaschine die Kippen mit lautem Getöse einsaugen oder wegdrehen, auf jeden Fall verschwinden lassen konnte. Tat sie auch.
Das Auto parkte sodann unter den großen Nadelbäumen, die so herrlich das Licht für die Küche schlucken.
Und alles schien gut.

Heutemorgen, in aller Frühe, wollte ich mich auf den Weg in ein Möbelgeschäft machen, um dort einen Federholzrahmen mit entsprechendem Missfallen zurückzugeben. Denn nach nur einem halben Jahr waren die Latten tendenziell so müde, man kann es nur als echten Durchhänger bezeichnen.
Und wie ich in das Auto stieg, fiel mein Blick auf die Windschutzscheibe. Ich war nicht erfreut. Der komplette untere Teil der Scheibe war verziert. Mit acht bis zehn riesigen Vogelkackhaufen.
Ich stieg aus und betrachtete den Rest des Autos. Aber nirgendwo sonst war ein Hauch von Vogelexkrement. Nur und aussschließlich im unteren Bereich der Frontscheibe.
Unter Vermeidung von Scheibenwischertätigkeit und wartend auf einen Regenguss fuhr ich in das anvisierte Möbelhaus, zickte dort mit einer Servicemitarbeiterin herum, die vielleicht besser in der Lagerarbeit ohne Kundenkontakt aufgehoben wäre und verließ mit einer Gutschrift in der Tasche den Laden. Einlösen werde ich ihn an einem Tag mit besserer Laune.

Immer noch wollte kein Tropfen Regen fallen. Ich fuhr nach Hause, erledigte noch dies und das, bevor ich ein bisschen arbeitete und dann in die Bücherei aufbrach. Noch immer blieb es knochentrocken.
Nach der Bücherei suchte ich den Lebensmittelhandel auf, um ein paar Sachen zu kaufen, die für morgen absolut unabdingbar sind. Denn morgen ist der letzte Tag der Festspielwochen, dann ist erst einmal wieder Geburtstagsruhe bis Oktober.
Die Tasche gefüllt mit Süßwaren, die mir vermutlich die Tränen in die Augen treiben werden, weil ich sie nicht essen werde obwohl ich es dringend zwingend tun möchte, einige Flaschen Limonade im Büggel und weitere Dinge, die in der Hauptsache aus wunderbarem Zucker, weißem Zucker, Zuckerzucker bestehen, machte ich mich auf den Heimweg und siehe da: Regen. Dicke Tropfen. Ich wartete, bis die Scheibe schön nass war und betägtigte dann triumphierend den Scheibenwischer.
Warum ich allerdings ein Gefühl des Triumphes in mir spürte, nun, das ist ein nicht nachvollziehbares Geheimnis.

Just der erste Wischerstreich verteilte eine Menge Kacke quer über die Scheibe. Der zweite kreutzte das Quere. Und schon war alles voll, verschmiert, verunreinigt. Verunratet. Und alles Wischwasser, aller Regen, alles Gewische nützte nichts.
Es war eine unsägliche Sauerei.

Da ich noch tanken musste, fuhr ich kurzerhand an eine Tankstelle und überlegte, das Auto in die Waschstraße einzustellen. Gesagt, getan, dunkelblaue Bürsten schrubbten wie blöde an meinem Auto herum und ich fand mich sehr schlau.

Warum ich mich schlau gefunden hatte, das ließ sich nach der Wäsche auch nicht nachvollziehen.
Die ganze Kacke klebte nach wie vor an der Scheibe herum. Ich nahm mir dann den obligatorischen Scheibenwischeimer mit Schwamm und Abzieher und fing an, die Kacke auf der Scheibe zu bearbeiten. Dann nahm ich den Eiskratzer und kratzte.
Dann fuhr ich nach Hause, holte mir einen großen Eimer heißen Wassers und wischte und tat und waschte und machte. Diese Vogelkacke klebte auf den Wischern, in allen Ritzen, auf der Scheibe und das mit einer mysteriösen Kraft und Hartnäckigkeit.

Und während ich fluchend vor mich hin schrubbte, hörte ich ein Rauschen in den Wipfeln des Tannengehölzes und kurz darauf ließ sich lautes Krächzen vernehmen.

Da saßen sie, drei fette Krähen, schauten auf mich herunter und lachten sich einen weg.

Diese Mistviehcher. Ich weiß ganz genau, was sie sich zuriefen.

„Hahaha, schau mal da, die doofe Nuss! Das kommt davon, wenn man sein Auto in unserem Revier parkt.“
„Heee, Bitch, diese Seite der Straße gehört uns….“
„Habt ihr gesehen? Habt ihr? Ich habe ihr drei mal auf den Schweibenwischer gekackt, direkt nebeneinander…“

„Haltet die Fresse, ihr verkackten Arschlöcher!!!“, brüllte ich zu den Wipfeln hinauf.
Bedauerlicherweise fuhr gerade eine ältere Dame auf ihrem Fahrrad vorbei. Empört schaute sie mich an und murmelte etwas wie: „Wir sind alle Geschöpfe Gottes…“

Ich besorge mir ein Luftgewehr. Nur so. Zum Spaß.