Osterferien. Wie schön, nicht nur, weil diese verfluchte, zuckerarme Zeit bald ein Ende hat. Wobei ich gestehen muss, es nicht so konsequent durchgestanden habe, wie ich es eigentlich wollte. Aber wen kümmert`s?
Nach dem Anblick meiner ersten Leiche musste ich eben ein dickes Eis am Stil, eine Tafel Schweizer Schokolade, eine Schachtel Kekse und eine dreiviertel Tüte Veilchenpastillen in mich reinschieben. Es ging nicht anders. Zur Verarbeitung des Moments und des Anblicks war es unerlässlich mir einen gepflegten Zuckerschock zu verpassen.
Wenn man den Bestatterjungs zuschaut, wie jemand von ihnen, der durch eine entstandene Starre Weltmeister im Planking hätte werden können, eingetütet wird, entbehrt dies einerseits nicht einer gewissen Komik, andererseits hängt einem dieses Bild doch nach, wie sich neunzig Grad Winkel nur schwer aus den Muskeln wippen lassen.
Und das erforderte ein sofortiges (zuckerintensives) Handeln, sonst hätte es vielleicht zu Albträumen kommen können. Das wollte ich nicht riskieren.

Und wenn Ostern ist, dann kann ich Zucker wieder einfahren, auch ohne Leichen, die meinen Weg pflastern. Aber ich muss nicht wenn ich nicht möchte. Wenn ich möchte, dann tue ich es. Oder nicht.
Wie mir danach ist.

Wonach mir auf jeden Fall ist, das ist ein kleines Jubellied. Denn seit heute am späten Nachmittag habe ich endlich wieder Mädchengekicher im Haus. Ich hatte ganz vergessen, wie nett das ist, Mädchen zu hören, die gewissenhaft ihren Mädchenjob erledigen. Kichern, zwitschern, flüstern und wieder kichern.
Das Wolkenköpfchen ist in Town und hat gleich noch eine liebe, neue Freundin mitgebracht, für ein paar Tage. Das ist herrlich, wunderbar und ganz großes Kino. Das muffelige Schweigen am Esstisch hat ein Ende, es wird mädchenmäßig herumgealbert und gelacht, geschwätzt und palavert.
Austausch über Kommunikation ist das Zauberwort. Und mir fällt auf, wie sehr es fehlt, wenn das Wolkenköpfchen nicht da ist.
Gut, auch junge Männer reden.
Über… über… über… Fußball? Ja. Und über Trainer. Fußballtrainer. Und über Spieler. Fußballspieler. Und über… über… über… Ligasachen. Bundesliga, Kreisliga, Champignonliga und so weiter.

Die Mädchen erzählen von Mira, Melina, Sarah und Mathilde, und, noch besser, über Benni, Sebastian, Paolo, Luis, Lorenz und, und, und.
Wer was wann gesagt, getan und gelassen hat. Und wer warum wie ist. Wer hat sich daneben benommen und wer ist in der Spur gelaufen. Wo verläuft die Spur und wer hat Probleme. Überhaupt. Probleme. Es gibt so unsagbar viele Probleme, die man besprechen, durchsprechen, durchkauen, ausspucken und gleich noch einmal durchnudeln kann. Herrlich.
Und immer wieder wird gekichert, dieser hohe, perlende Ton aus jungen Mädchenhälsen, ein Gluckern und Glucksen, gemischt mit dem leisen Zwitschern kleiner Vögel. Es ist wunderschön, diese Töne durch das Haus hallen zu hören.

Jedes Mädchen hat schon so gelacht. Bei manchen ist es schon sehr lange her und ganz sicher hat auch Frau Lotti auch diese Töne aus sich herausgelockt.
Darauf eine Veilchenpastille. Zur Sicherheit.