Ich sag es, wie es ist. Es ist totaler Mist. Blöder Mist. Scheißmist.
Der Ringfinger meiner rechten Hand hat ein Problem. Und der kleine Finger gleich dazu. Den kleinen Finger habe ich mir eingeklemmt in einer Schranktür. Die kleine, spacke Fingerbeere war drin geblieben, als ich dagegen drückte und darum habe ich eine Blutblase auf der Kuppe. Das tut jetzt nicht mehr dolle weh, aber ständig denke ich, ich hätte irgendeinen Driss am Finger. Das irritiert mich. Und nicht nur mich. Meine Umwelt sagt andauernd: „Du hast da was am Finger…“

Ja, ich habe da was am Finger. Aber da kann ich die Hände waschen bis zur Ohnmacht, das bleibt da. Meine Güte. Und dieses alberne Gekicher, wenn man vom Klo kommt und gesagt bekommt, man habe was am Finger. Das ist doch lächerlich!
Gut, wenn der Gutfrisierte soetwas am Finger hätte, ich wäre auch nicht um den einen oder anderen Scherz verlegen, aber irgendwann ist es gut. Dann ist der Scherz gelaufen.

Und am Ringfinger? Da habe ich mir vermutlich vor vielen Wochen einmal einen Splitter reingerammt. Ich habe keine Erinnerung daran, aber anders kann ich es mir nicht erklären, dass in der Fingerkuppe eine Beule ist und sich irgendwo in der Tiefe ein fester Kern befindet, der mitunter druckempfindlich reagiert. Es ist leicht bläulich verfärbt, mit Nuancen von Rot und hin und wieder weißlich, wie ein schlummernder Pickelvulkan.

Nun habe ich den Finger aufgeweicht und mit Hilfe einer Kanüle, Desinfektionsmittel und sterilen Kompressen versucht, das was auch immer aus meinem Finger herauszuoperieren.

Operationsequipment
Aber nein. Ich sage es gleich, es hat nicht funktioniert. Meine Bohrung war wohl knapp daneben. Bedauerlicherweise habe ich ein Gefäß getroffen, weshalb der Finger blutete, als wolle er…., ach, egal. Es blutete. Und ich konnte nichts mehr sehen, weil ständig das Blut nachfloss, wenn ich es gerade weggewischt hatte. Außerdem, und das ist entscheidend, tat es auch noch scheißeweh.
Was soll das denn? Ich hatte es mir so schön vorgestellt. Aufpuhlen, draufdrücken, Fremdkörper entfernen, ein bisschen Kompression anschließend, dann ein feines Salbenpflaster und gut ist. Neinneinnein, nichts davon klappt. Kurz habe ich überlegt, ob ich mit vielleicht die Blutblase aufstechen soll, um wenigstens etwas in den Griff zu kriegen. Aber da hallten mir wieder die Worte des Gutfrisierten im Ohr, niemals nie und nimmer nicht Blasen zu öffnen, wegen der Infektionsgefahr.
Man soll vielleicht auch nicht in der Fingerkuppe rumbohren, um einen vermeintlichen Splitter herauszuprokeln, auch da herrscht Infektionsgefahr. Ich habe aber alles desinfiziert. Kann eigentlich nichts passiert sein. Es pocht ein bisschen im Finger, das schon. Aber es ist auch erst zwanzig Minuten her, dass ich das gemacht habe. Und wie gesagt, es tat weh. Vermutlich habe ich nicht nur ein Blutgefäß angestochen sondern auch einen Nerv angepiekt.
Ich Idiot.

Aber was wirklich schlimm ist, in meinem Leben, ich meine richtig schlimm, nicht nur so ein bisschen, das ist diese Verstimmung. Wegen Twix. Ich bin Twix-verstimmt.
Ich habe mir nämlich Twix gekauft. Ich sage es, wie es ist, ich nenne es beim Namen. Twix. Mit Cappucinogeschmack. Ich dachte mir, wie fein, wie lecker.

Und ich nahm mir einen Riegel aus der Packung, riss die Folie drumherum auf, schob den linken Riegel heraus und………

Wie klein ist der denn geworden? Früher waren die groß!! Richtig groß!!! Und man hatte zwei davon!!!
Jetzt sind das mickrige kleine Würmchen mit Schokolade drum und mit Cappucinogeschmack schmeckt das auch noch dermaßen widerlich, dass man schon nach dem ersten Bissen den zweiten Riegel hasst.
Sechsundvierzig Gramm wiegen zwei Wurmriegel. Und mit ein wenig Internetrecherche kam heraus: Zweitausendzwölf waren es noch fünfzig Gramm. Achtundfünfzig Gramm waren es davor.
Und jetzt? Das ist doch ätzend. Denn, wenn sie nicht so scheiße schmecken würden, dass man das eigentlich nicht macht, eigentlich ist man mit einer Packung Twix doch nicht glücklich, da fehlen glatte zwölf Gramm zum Glück. Also muss man zwei essen. Und zack, hat man zweiundneunzig Gramm von dem Mist in sich hineingeschoben, weil man einen Riegel nicht allein liegen lassen kann. Der heult einem dann nämlich in der Folge die Ohren voll, jammert, weil er allein rumliegt und man kann sich auf nichts mehr konzentrieren, weil man nur noch auf den übrig gebliebenen Riegel glotzt und mit der Frage hadert: Jetzt oder später? Übelkeit oder Sodbrennen? Selbstbeherrschung oder Triebbefriedigung? Wie auch immer.

Ich wollte mich doch damit trösten. Ich wollte Wohlbefinden in mir erwecken. Damit ich die vereitelten Eisfreuden verschmerzen kann. Und die Fingerkuppenaffäre auch. Ekelhafter Schokoladenwurm. Schokowurst. Ihr Mars-Inhaber, Ihr könnt mal schön diesen Cappucinowurm selber essen. Ich nicht. Ich verschenke die restlichen Riegel an eine gemeinnützige Einrichtung die verfressenen Pubertisten und bitte sie, doch davon abzusehen, meine Sachen wegzuklauen, wo ich doch so nett bin und ihnen so etwas Feines wie diese Scheißschokocappucinowürmer Schokoladenriegel mitbringe vom Einkaufen.

Nein. Ansonsten habe ich keine Probleme. Überhaupt keine. Mir geht es gut. Blendend. Allerbester Dinge. Daumen hoch, möchte ich sagen. Doch, alles im grünen Bereich. Nein, keine besonderen Vorkommnisse. Wie sieht denn das Wort aus? Vorkommnisse.
Nicht sehr hübsch. Da gibt es wirklich schönere Worte.
Hyazinthe zum Beispiel. Vorkommnisse sieht aus, als hätte es früher eigenhändig einen Acker umgegraben. Das hat so viele Beine. Aber vermutlich kann kein Sturm dieses Wort aus den Latschen blasen. Wohingegen Hyzinthe ganz sicher jeden Schnupfen einfängt. Ein bisschen empfindlich kommt es rüber.

Nein. Wirklich. Es ist alles Bestens.
Ich sollte vermutlich mehr Obst essen.

Obst

 

(Und jetzt sind wir alle mal erleichtert, dass ich meine Finger nicht fotografiert habe und keine ekligen Bilder hier eingestellt habe. Da schmeckt dann die Schokolade deutlich besser.)