Himmelsackzementnocheins.
Bei dem wunderbaren Spaziergang vorhin, da passierte folgendes.
Obwohl ich erst erklären möchte, warum ich spazieren ging. Natürlich ist es dem Hund geschuldet. Der muss raus, regelmäßig, weil er immer noch nicht verstanden hat, wie man ein Wassercloset benutzt. Dummerchen, der er ist. Tut sich doch sehr schwer mit Türklinken, Klodeckeln (wobei er da nicht der einzige Hausbewohner ist, den dieses Schicksal trifft, nur, er bekommt ihn nicht auf, andere bekommen den Deckel nicht zu) und Popo abwischen, alles was dazu gehört.
Weil die Begeisterung für Spaziergänge mit dem Hund schon seit geraumer Zeit unterirdisches Niveau erreicht hat und die Bitte darum, dass unter einundzwanzigjährige Mitbewohner den Hund zur Entleerung ausführen sollen, regelmäßig mit einer Scheißdiskussion ausgeufert wird, was wiederum extrem kräftezehrend ist, denke ich mir sehr böse Wörter und gehe selbst. Böse Wörter, die sich zu bösen Sätzen zusammenfügen, aus denen böse Monologe werden. Innerliche und auch äußerliche Monologe, so voll ist es im Wald nicht, dass man nicht einmal vor einem Baum stehen und etwas über verfickte Arschlöcher, die ihre beschissenen Gräten nicht bewegen und schmarotzend alles in sich reinstopfen ohne auch nur ein Körnchen freiwillig zurückzugeben, herausbrüllen könnte.
Kann man machen. Es empfiehlt sich, vorher in die Runde zu schauen. Und dann munter losgehasst.

Ich ging also zu meiner allergrößten Begeisterung im Wald spazieren. Zum ungefähr viertauendsten Mal. Grob gerechnet. Heute war es erst das zweite Mal. Einmal in der Früh, einmal am Mittag, lassen wir uns gemeinsam überraschen, was heute Abend auf mich zukommt.

Der Hund verkniff sich eine Weglaufaktion, weil ich rechtzeitig mit einem sehr bösartigen Knurren auf seine spitzen Ich-geh-schon-mal-vor-und-hole-mir-ein-paar-Römer-Öhrchen reagierte. Er blieb also doch bei mir und wir setzten den Weg durch den Wald fort. Und dann, aber dann… ein Vogel!
Ja, gibt eine Menge Vögel im Wald. Unverschämt viele. Sogar riesige Reiher fliegen mitunter am Bach entlang. Und oben kreisen die Greifvögel. Und die kleinen Meisen huschen hyperaktiv hin und her. Eichelhäher und Krähen, alle unterwegs. Was für ein Gezwitscher und Geflatter. Herrlich.
Und hin und wieder hört man das Knattern der Spechte. Genau so einer flog vor meiner Nase lang, setzte sich oben an einen Stamm und brüllte sehr eindrucksvoll.
Ich bin nun kein Vogelexperte, nie gewesen. Und eigentlich interessieren mich diese auch nicht sehr dringend, es sei denn, ich rette sie vor den Katzenbiestern der Nachbarschaft oder verschaffe ihnen einen Meisenknödel.
Dieser Specht aber, den fand ich toll, weil er mich wirklich fast gestreift hat und mich offensichtlich von etwas ablenken wollte, denn er gebärdete sich wie ein Halbirrer. Es könnte natürlich auch sein, dass es ein Specht in der Pubertät war. Pubertierchen gebärden sich ja nahezu ununterbrochen wie Halbirre. Bis hin zu Ganzirren.

Ich zückte sofort mein Smartphone, um zügig ein Foto zu machen. Flott hatte ich eine Bilderserie gemacht. Ich schaute mir den Specht aus der Ferne noch ein bisschen an, zwitscherte zurück und ging anschließend meiner Wege.

Zuhause angekommen, wollte ich wissen, um welche Art von Specht es sich gehandelt hat. Es war nämlich nicht der klassische Buntspecht, er hatte dafür einen viel zu roten Kopf.
Also Wikipedia geforstet und Spechtstimmchen angehört. Ein Schwarzspecht, würde ich meinen, wenn ich mir die Stimme anhöre. Aber das Bild passte nicht recht, das wäre eher der Mittelspecht.
Da ein Specht vermutlich keine Fremdsprachen lernt, obwohl, wer weiß, wollte ich meine Fotos ansehen, um mir seinen Anblick noch einmal zu verdeutlichen.

Ich lud die Bilder auf den Computer.

IMG_5210

??

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???

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Wo ist das Vieh?
Auf keinem Bild. Was habe ich da fotografiert? Warum nicht den Specht? Bin ich blöd?

Kann doch nicht wahr sein.
Ich habe vergrößert, geschoben, mit der zweier Lesebrille, die ich sonst nur zum Einfädeln benutze, geschaut, aber nichts. Kein Vogel weit und breit. Und in Anbetracht der Tatsache, dass mir heute Morgen meine Hausnummer nicht mehr eingefallen ist, für ungefähr eine Minute, frage ich mich, ob meine kognitiven Fähigkeiten den Bach runtergehen.
Oder, um es in der Art des Waldmonologes zu sagen: Bin ich denn total bekloppt, bescheuert, beschränkt, scheißedoof und trollig?

Egal. Ich habe einen Specht gesehen. Und gehört. Wenn das in meiner Wahrnehmung so war, dann war das so.
Wenn meine Mutter bis heute behaupten kann, sie habe mich nicht in den Hundekackehaufen geschubbst, auf dem Weg zum Kindergarten, dann kann ich auch sagen, ich habe diesen Specht gesehen.
Ganz sicher.