Sind Jahrestage für irgendetwas gut?
Wenn man sich an schöne Dinge erinnert, dann bestimmt. Es gibt aber auch Jahrestage, die haben es kräftig in sich. Ende Juni also. Letztes Jahr starb mein Onkel und hinterließ mir damit einen Jahrestag, der bis heute wirkt. Immer, wenn ich an Limburg vorbeifahre, und ich fahre verdammt oft an Limburg vorbei, werfe ich ihm eine Kusshand aus dem Auto. Dort hat er gewohnt.
Und ein paar Kilometer davor oder dahinter, je nach dem, aus welcher Richtung ich komme, werfe ich noch eine, denn dann ist seine Asche das Ziel.
Die Erschütterungen, die damals entstanden, sind nicht folgenlos geblieben. Und ich kaue immer noch daran.

Und zwei Jahre davor war es der Fürst, der mein Leben erschütterte, indem er fast von der Schippe gesprungen wäre.
Weil es nötig ist, musste er für die Anwältin die Geschehnisse aus seiner Sicht schildern. Und ich las es Korrektur. Gerade jetzt, wo es auf den Jahrestag zugeht.
Und diese Erschütterungen wirken ebenfalls nach. Weil sie so immens waren, dass sich das ganze Leben dadurch verändert hat. Die Hinwendung, die erneute Auseinandersetzung damit, was damals alles passierte und was es mit uns allen machte, wieviel Angst es in das Leben brachte und wie nahe der Tod sich an uns herangeschlichen hatte, lassen mich an solchen Tagen immer noch zittern.

Wenn man jetzt aber noch einen Jahrestag dazubekommen hat, in den Juni, einen Geburtstag von der niedlichsten, wunderbarsten, entzückendsten Nichte, die die Welt je gesehen hat, die bei ihrer ersten Party genausoviel geheult hat, wie es dringend erforderlich ist, wenn man Geburtstag hat, dann sollte man doch meinen, die anderen Jahrestage ein bisschen damit bedecken zu können.

Oder?