Glasfaserkabel werden im Kaff verlegt. Wie adrett. Mir persönlich ist das eher wurscht, denn das macht die Telekom und bei dem Verein bin ich längst ausgetreten. Und die haben erst einmal das alleinige Nutzungsrecht. Oder irgendwie so. Erklärte mir der Anbieter, der mich jetzt mit Medien versorgt. Oder vielmehr mit dem Zugang zu dem, was es braucht, um die Medien in Betrieb zu nehmen.
Auf jeden Fall wird jede Straße aufgehebelt, lange, orangefarbene Schnüre in den Untergrund geklöppelt, alles wieder zugeschüttet und dann hübsch zugedeckt mit Steinchen und Asphalt. Je nach dem, ob es schon einen Bürgersteig gibt oder auch nicht.
Straße für Straße wird das gemacht, wobei es zu einem Verkehrschaos führt, denn aus dem Kaff führen nicht sehr vielen Straßen rein oder raus. Es ist kein Straßendorf, wo eine Straße durchführt und rechts und links gibt es ein paar Abzweigungen. Nein, das ist ein Kaffsack. Da führt eine Straße rein und raus und zwei nur raus. Und dahinter beult sich ein Ort wie ein Sack in den Wald rein.
Wenn eine Reinrausstraße zu ist, bricht der Bevölkerung der Schweiß aus und man hofft, nicht gerade jetzt einen Hausbrand zu haben. Die Feuerwehr wird es nicht packen, vorbei zu kommen. Und die ortseigene freiwillige Feuerwehr hat sich schon einmal in einer spektakulären Aktion bei einem Einsatz im Kaff verfahren.
Hier wohnen immerhin tausend Leute. Und noch siebenhundert dazu. Die Straßen kann man an zwei Händen abzählen.
Wenn eine Straße dicht ist, Chaos. Wie Rushhour in New York. Oder Köln-Dellbronxbrück.

Das trutzige Bewohnervölkchen war so glücklich, als die Straßen wieder zugeklebt waren und alles in seinen gewohnten Rhythmus überging. Hin und wieder ließen sie noch, wenn sie sich beim Fahren auf der Straße trafen, die Fenster ihrer dicken, fetten Autos runter und unterhielten sich über die Unbillen, die das Straßeaufreißen mit sich gebracht hatte. Und das Glück, alles wieder versiegelt zu sehen.

Bis heute. Heute kamen Truppen. Mit Laster, Bagger und Schippchen. In Orange und Gelb und Blau. Und rissen den ganzen Kram wieder auf. Ließen Wasser aus Hydranten laufen. Schoben Schläuche in Löcher. Rumorten und rumpelten. Und buddelten und gruben.
Nichts genaues weiß man nicht. Aber ich stelle jetzt eine Hypothese auf.

Der erste Trupp hat bei seiner Arbeit im Untergrund irgendetwas touchiert, was nicht touchiert werden sollte. Und man weiß nicht genau, wo es touchiert worden sein könnte. Darum muss allerhand geöffnet werden, um die entsprechende Stelle zu finden. Eine Wasserleitung vielleicht?

Und wieder kurven die Einwohner hysterisch durch das Kaff, fluchend und zeternd, weil sie kaum rauskommen.
Was aber die Bauarbeiter völlig kalt lässt. Die trifft man beim Hundespaziergang im Unterholz, wo sie Frühstück und Kaffee nach der körpereigenen Synthese und Metamorphose der Welt zurückgeben. Es ist immer ein bisschen erschreckend, wenn man über einen pieselnden, orangegewandeten Arbeitsmann stolpert, der sich vor dem Hund erschreckt und darum auf die eigenen Füße strullt. Aber besser das, als den Hund anzupüschern.
Wie der so da stand, breitbeinig, das Becken gekippt, damit der Strahl auch weit genug weg von den Schuhen landet, dann der Hund, ein kurzes Knurren, weil dieser die Situation sehr unbekannt fand und husch, nasse Füße.
Den Hingehockten sah ich nur von Ferne und ergriff die Flucht. Mitsamt dem Hundele. Ich wollte nicht, dass der Hund das tut, was er in seinem Revier eben gern tut. Auf die Ausscheidungen anderer draufstrullern. Dann hätte er nämlich vermutlich dem Arbeitsmann an den Hintern gepinkelt. Und der wäre vermutlich vor Schreck umgekippt.

Es ist schon sehr aufregend in Zeiten des Verkehrschaos im Kaff. Und ein klein bisschen widerlich.