Nordrhein Westfalen hat jetzt Ferien. Alles ist leergefegt, wahrscheinlich. Denn in den letzten Tagen sind dermaßen viele Flugzeuge hier herumgebrettert, man könnte meinen, alle sind weggeflogen.
Ich mache gleich den Wahrheitstest, ob sie wirklich weg sind. Ich fahre zu dem Geschäft, wo es Möbel gibt. Und Teelichter. Schon klar, welches ich meine.
Dort zeigt sich dann, ob außer mir noch jemand übrig ist.
Ich habe aber den Verdacht, dass die meisten abgedampft sind und die anderen fahren  ins Möbelhaus. Könnte voll werden.
Darum fahre ich auch gleich, wenn die ihre Pforten öffnen. Reinstürzen, durchrennen, fertig. Ich will sogar ernsthaft etwas kaufen. Nicht nur Schnickschnack und Geld ausgeben. Ich hatte vor einiger Zeit eine Zumutung von Lattenrost dort erstanden und habe das nach einem Jahr zurückgegeben. Obwohl ich keinen Kassenbon mehr hatte. Den kann man sich aber nachdrucken lassen. Das dauert nur ein wenig.
Und mit dem Nachdruck bin ich hin und habe gesagt, dass die Latten am Rost schon nach so kurzer Zeit duchhingen, dass selbst ein siebzehnjähriger Bursche morgens aufsteht wie eine Oma, ach nein, wie ein Opa, und stöhnt vor Schmerz.
Das Frollein an der Reklamation war ein kleines bisschen ungehalten und meinte, das wäre ja schon ein Jahr her und darum…

Ich sagte ihr, das wäre mir wurscht und wenn sie es nicht zurücknehmen würden, wäre es mir auch wurscht, dann würde ich es ihr einfach hier liegen lassen. Auf dem Boden. Sie hat es genommen und ich habe eine Gutschrift bekommen. Die muss ich langsam einmal einlösen. Darum bietet es sich an, einen zweiten Balkonstuhl zu kaufen. So senke ich das Streitaufkommen an den Wochenenden enorm, wenn es wieder heißt: „Nimm deinen Arsch von meinem Stuhl…!“.
Ja, derart vornehm drücken sich kleine Ballerinas aus.

Das Lattenrost war wirklich ein Phänomen. Es hat ganz schnell die Latten in die entgegengesetzte Richtung gedingst. Mir fällt kein Wort dafür ein. Wie heißt das nur? Gewölbt? Vielleicht.
Dann habe ich ein bisschen experimentiert und dies und das drunter geschoben. Half aber nicht.
Das neue Lattenrost ist viel besser. Gelernt habe ich: Ein mittelpreisiges Lattenrost ist für den Eimer, kannst Du echt vergessen. Ein sehr billiges dagegen ist perfekt. Ein bisschen hart, aber für junge Leute durchaus machbar.

Und im Geschäft, wo sie Lebensmittel lieben, da haben sie vielleicht versucht, mich zu verarschen. Meine Herren. Mein Vater und ich haben in unserern gemeinsamen Jahren schon viele glückliche Stunden in Supermärkten rund um den Erdball und in nahster Umgebung verbracht. Ein schöne Tradition. Er schiebt den Wagen, ich mache ihn voll. Ich räume die Waren auf das Band, er beobachtet die Umstehenden. Ich räume alles zurück in den Wagen, er zückt das Portemonnaie.
Auf diese Weise komme ich zu einem entspannten Luxuseinkauf ohne jedes Bedürfnis, auch nur eine Zahl in meinem Kopf umzudrehen, geschweige denn einen Pfennig oder einen Cent in meiner Hand.

An der Käsetheke gibt es einen kleinen Selbstbedienungsbereich mit abgepacktem Käse. Und dort lag einer, den ich kürzlich schon einmal gekauft hatte und der sehr gut schmeckte. Ich wies meinen Vater darauf hin und er nahm sich auch gleich einen zur Hand. Und drehte und wendete das gute Stück. Mein Vater ist nämlich ein Mindesthaltbarkeits- und Verfallsdatumsfetischist. Darum schaut er immer zuerst auf das Datum. Und er nimmt nie die erste Packung, die vorne steht. Lieber die zweite oder dritte. Immer. Die haben noch nicht soviele Leute angefasst.
„Warum steht hier kein Datum drauf?“, fragte er mich. Ich nahm mir das Käsestück, drehte und wendete es. Aber kein Datum. Gibt es doch gar nicht, dachte ich. Und löste vorsichtig ein Klebchen mit Strichcode an einer Ecke ab. Und darunter kam ein hübsches Verfallsdatum zum Vorschein. War schon ein paar Tage her.

Ja, und dann legte der angry old man erst einmal los. Er suchte sich gleich einen in die Lebensmittel Verliebten und erklärte ihm die Welt. Ich hielt mich dezent im Hintergrund und grinste mir eins.
Ab einem gewissen Alter darf man wohl eine Menge. Das ist wie früher, da wollte ich auch achtzehn werden, weil man dann ja alles darf. Jetzt glaube ich, der sechzigste Geburtstag ist noch einmal so eine magische Grenze.
Denn obwohl mein Vater zeterte, wurde er höflich behandelt. Und es wurde sich entschuldigt. Es war sehr amüsant.
Ein bisschen ärgerlich war mein Väterchen, dass ihm in diesem Moment die verschimmelte Paprika an der Gemüsetheke entfallen war. Aber da, meinte er, würde er einfach beim nächsten Mal ein bisschen suchen. „Irgendwas findeste immer!“, ist sein Credo. „Du musst nur wollen!“

An der Kasse räumte ich dann einen Berg an Lebensmitteln auf und ab. Und Väterchen zückte die Karte.
Und schon zum dritten Mal, bei drei Einkäufen, wusste er nicht mehr, wie er die Karte einstecken musste… .