Jetzt ist die halbe Stunde, in der ich das Bein kühle und hochlege. In dreißig Minuten ist die halbe Stunde, in der ich ein bisschen aufräume und versuche, die liegengebliebenen Hitzedefizite auszugleichen.
Tendenziell finde ich die Kühl- und Hochleghalbestunde auch sehr schön. Der Anlass ist es weniger.
Und das kam so:

Ich ging im Röckchen in den Wald. Mit, natürlich, dem Hund. Es war früh am Morgen und ich traf Frau Schnaddelschnüss, die mit mir ein Schwätzchen halten wollte, weswegen ich die mittlere Runde ging, anstatt der anvisierten kleinen Friedhofsrunde (am Friedhof vorbei, nicht den Hund auf den Friedhof lassen!! Ich weiß, dass das verboten ist!).
So weit, so unauffällig. Aber als ich nach Hause kam, knurrte der miesgelaunte Gutfrisierte: „Was haste da am Bein?“
Ich schaute an meinen Beinen herunter und an der rechten Wade hing braune Plörre. Eklig. Ich dachte, herrjeh, wer mag mir da schon wieder hinexkrementiert haben? Aber bei genauerer Untersuchung zeigte sich, es handelte sich um mein Blut. Mein eigenes, wertvolles Blut, von dem ich eigentlich keinen Tropfen verschwenden darf, weil doch die durchgeknallten Hormone im Moment schon dafür sorgen, dass ich etwas blutleer durch mein Leben irre.
Ich wischte das Blut von dannen, betrachtete das kleine Loch mitten in einem kleinen Bluterguss und sagte, dass mich wohl etwas gebissen haben muss. Nun sind meine Beine nicht sehr empfindlich, darum habe ich es nicht bemerkt.

Der Tag ging weiter und es tat latent weh in der Wade. Ich kühlte und bekam ein bisschen Salbe von meiner Mutter draufgeschmiert.
Und am nächsten Tag bin ich dann mal zum Notdienst gefahren, weil die rote Beule aus dem Riesenpflaster, das ich am frühen Morgen mit ordentlich rotbrauner Salbe versehen draufgekleistert hatte, herausgewachsen kam.
Oha, sagte der Herr Doktor, das sähe aber fies aus. Wäre sicher eine Bremse gewesen und nun würden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein paar Keime in meiner Wade eine kleine Housewarming-Party geben.

Mein Bein, zierlich wie vom Elefäntchen, tat so weh und war so heiß und irgendwie war mir insgesamt auch nicht sehr wohl, so dass ich die angebotenen Riesentabletten gern in Empfang nahm.
Und am Abend war ich dann auch so weit, die erste zu nehmen. Denn ich befürchtete den Verlust des Unterschenkels in naher Zukunft, wenn ich das nicht tun würde.
Jetzt also fünf Tage lang zweimal Dinger schlucken, die von der Größe her angelehnt sind an Torpedos. Und ja, sie sind zum Schlucken, ich habe extra noch einmal nachgelesen.

Was lernt mich das?
Gehe nicht im Röckchen in den Wald, wenn die Bremsen los sind.

Was lernt mich das noch?
Antibiotika sind ein geiles Zeug. Wusste ich aber auch schon vorher.

Und weiter?
Anitbiose immer bis zum bitteren Ende nehmen. Das gilt für alle. Resistenzen züchten ist unsozial. Also rein damit, auch wenn es schon viel besser ist.
Ist es aber nicht.

So. Habe ich das auch mal erzählt.