Eine heitere Gelassenheit hat mich ergriffen, nachdem ich letzte Nacht unter meine flauschige Sommerbettdecke schlüpfte. Ein kühler Luftzug streifte mein Gesicht und ich konnte nur noch wohlig seufzen.
Auch heute Morgen versetzte mich der Blick auf das Thermometer in angenehme Hochstimmung. Nur vierzehn Grad, die sich bis jetzt, also ungefähr nachmittags, auch nur auf neunzehn Grad hochschraubten. Dazu ein bedeckter Himmel und ein dezentes Grau. Grau ist doch die neue Trendfarbe, habe ich in irgendeiner Zeitschrift über hübsches Wohnen in einem der vielfältigen Wartezimmer der vergangenen Tage gelesen. Darum genieße ich das Grau.
Der leichte Fisselregen sorgte zwar für das hektische Abhängen der Wäsche. Aber das deligierte ich an Killerdog, der fröhlich in den Garten galoppierte und seine Arbeit tat. Zwar behauptete er, die Wäsche sei trocken, was sich als Fehleinschätzung herausstellte, aber was will man schon von einem Pubertisten im Ferienmodus erwarten? Ganz genau, nichts. Denn vor sechzehn Uhr ist das Hirn nicht bereit zu Tätigkeiten jeglicher Art. Vor sechzehn Uhr kann das Hirn von Killerdog nur eines. Schimmeln. Und gammeln. Und schlafen. Und daddeln. Aber nicht denken.

Insgesamt bin ich ein bisschen erschöpft von den vergangenen Tagen. Auch wenn ich immer wieder versucht habe, mich positiv zu motivieren. Mir vor Augen geführt habe, wie es noch vor drei Jahren im Winter war, als mir auf dem Nachttisch das Glas mit Wasser eingefroren war.
Nein, es war nicht das Glas Wasser, das früher schon bei meinen Großeltern auf dem Nachttisch stand und in dem sich lustige Zähne befanden, die ich niemals anfassen durfte und auch nicht anprobieren, obwohl ich es so gern gewollt hätte. Heute finde ich das ein kleines bisschen eklig, aber damals war ich ja noch jung und vor nichts fies. Nun, ich durfte es nie. Weder die Zähne der Großmutter noch die des Großvaters. Sie waren Tabu.
Mein Glas Wasser auf dem Nachttisch steht nicht für Zähne da. Meine Zähne sind noch fest im Mund, ich kann sie nicht herausholen. Das Wasser brauche ich, falls es zu einem nächtlichen Verdurstungsanfall kommt. Was bisher nicht passiert ist. Aber es könnte passieren und da möchte ich gewappnet sein.
Und in diesem schlimmen Winter, damals, als die Schlafzimmerfenster noch einfach verglast, das Dach noch nicht gedämmt und die Glasbausteinwand noch nicht ausgetauscht war, gefror das Wasser. Einfach so. Und ich ging mit drei Wärmflaschen ins Bett. Waren das noch Zeiten.
Was war das kalt.
Aber was war das im Gegensatz dazu auch warm, am Wochenende.

Jetzt mühe ich mich ein bisschen mit all dem Liegengebliebenen ab. Die riesigen Wollmäuse in den Ecken, ach, was sage ich, Wollratten, versuchen zwar zu fliehen, aber ich verfolge sie unerbittlich.
Das Badezimmer verlangte nach einer Reinigung, alleweile überall Dinge klebten. Ich werde es nicht weiter beschreiben. Aber bei einem Haushalt mit drei feschen Kerlen brauche ich das auch nicht, da weiß ein jeder, was gemeint ist.
Wenn übrigens noch einmal jemand meinen Beinrasierer benutzt, um sich im Gesicht freizuschaben und ich mich wundere, warum die Klinge nach einer einzigen Benutzung nur noch so scharf ist wie ein Plastiklineal (Wer hat schon einmal versucht, sich mit einem Plastiklineal die Beine zu rasieren?), dann wird man mein Gezeter von hier bis zum Bodensee, bis zur Nordsee und bis in die Bundeshauptstadt hören.
Wenn es nämlich so heiß ist und ich meine preussischen Stampferle im Rock zeigen möchte, soll wenigsten keine eines Herrenbeines würdige Wolle den Anblick schmälern. Und das Entfernen dieser Haare erledige ich lieber mit scharfer Klinge.

Auch das Thema Essen ist jetzt wieder entspannter. Ich muss nicht mehr ununterbrochen an mir arbeiten, um nicht ständig in masochistischer Art und Weise an Linsensuppe, Kohlrouladen und Wirsingeintopf zu denken. Oder warmen Schokoladenkuchen. Ich weiß nicht, warum mir das so ging. Aber ich konnte nur an Winteressen denken. Obwohl mir davon sofort übel wurde und ich noch mehr schwitzen musste. Überhaupt, dieses Geschwitze.
Wie soll das denn gehen, wenn man von erregten Familienmitgliedern dazu gezwungen wird, aluminiumfreie Deodorants zu benutzen? Da kann ich es auch gleich lassen und einfach nur stinken. Die Befürchtung, durch Deo schwer krank zu werden, teile ich bis zu einem gewissen Grad. Celsius.
Ich habe mir heimlich ein Deo gekauft, dass böses Aluminium hat. Und ab dreißig Grad aufwärts schleiche ich zum Schrank und hole es zwischen meinen T-Shirts hervor, schmiere es mir unter den Arm und gut ist. Ich darf mich nur nicht erwischen lassen. Sonst kann ich mir hier wieder was anhören.

Und wie geht der Sommer jetzt weiter?
Ist mir egal. Ich lese erst mal.