Nach all meinem Gemecker möchte ich an dieser Stelle doch das Wetter lobend erwähnen.
Wie hübsch, wie angenehm, wie herrlich kommt es heute morgen doch daher. Angenehme zwanzig Grad, ein blauer Himmel, eine lachende Sonne und ein kühlender Wind haben mir den Spaziergang durch den Wald versüßt.
Es war wunderschön und so möchte ich den Sommer haben. So und nicht anders.

Ich erwähne das, weil ich nicht in den Ruf geraten möchte, eine olle Meckerziege zu sein, die man mit nichts zufrieden stellen kann. Das entspricht nämlich keinesfalls der Wirklichkeit. Ich bin sehr leicht zufrieden zu stellen. Was das Wetter angeht. Nur gibt sich selbiges oft keine Mühe. Es ist ihm vermutlich scheißegal, womit ich glücklich bin und macht sich lieber selbst glücklich, in dem es stets tut, wonach ihm der Sinn steht. Hier einmal eine Hitzewelle, da einmal einen Wasservonobenrekord, Kälterekorde, Stürmchen, wie es gerade gelaunt ist. Meine Laune juckt das Wetter nicht. Ich bin nicht einmal eine nervige Fliege am Arsch des Wetters. Ich existiere für das Wetter gar nicht. Ich bin vollkommen unbedeutend, irrelevant, wurscht.

Sofort aufhören mit diesem Gedankengang. Sonst lande ich wieder bei der Größe des Alls und des Universums und werde ganz schwindelig von meiner eigenen Bedeutungslosigkeit.

Schnell, ein neuer Gedanke muss her. Etwas Positives mit Freude, Spaß und guter Laune. Musikantenstadel? Raus hier, du hast hier nichts zu suchen, elender Gedanke! Verschwinde! Nein, nimm Helene Fischer gleich mit!!!
Mein Hörbuch, ja, ich denke an mein Hörbuch. Ich höre gerade Jane Eyre. Sehr romantisch und vorgelesen von Sophie Rois, deren Stimme und Sprachmelodie ich sehr gern mag. Es ist auch wunderbar zum Einschlafen. Wenn einen die Sorgen plagen, die Gedanken am Reck herumturnen, als wären sie für Olympia qualifiziert, dann einfach einen kleinen Ohrhörer eingeschoben und Charlotte Brontë genießen. Keine fünf Minuten später selig schlummernd sein.

Ich könnte auch darüber nachdenken, warum diese fremde Töle ihre Schnodderschnüss an meiner Hose, einer herrlich gelbgrünen Sommerhose, abgewischt hat. Aber das ist nicht gut, ich würde mich nur ein bisschen echauffieren. Darum wird auch das aussortiert.

Ein paar Gedanken an die Kinder vergeben. Hauptgedanke ist da ganz seniorenmäßig: Wo soll das nur alles hinführen? Werde ich sie jemals los? Gleich die Antwort mitgeliefert: Nein. Niemals. Wegen der Liebe. Es ist einfach wegen der Liebe. Sich seinen Kindern zu entlieben, das ist fast unmöglich. So gut wie. Gut. Es gibt Momente, da funktioniert es. Aber nur kurzfristig. Und nach einigen Wimpernschlägen ist das Herz auch schon wieder weichgeklopft. So ist das nämlich. Wenn der Sohn oder die Tochter, das Kind eben, verloren geht, dann wird, sobald das Blag wieder vor der Türe steht, erst einmal ein Hammel geschlachtet und Party gemacht.
Da bin ich ganz bei der Bibel. Ehrlich. Sonst eher nicht.

Nein, Gedanken über die Bibel möchte ich mir jetzt doch nicht machen. Auch keine über Religion. Oder Gott. Oder Götter. Welche auch immer.
Politik bleibt auch draußen. Heute nicht, ich bin zu erschöpft von den Verhandlungen der vergangenen Wochen und auch die Lage der Welt und der Menschheit  muss leider sofort zum Ausgang geschoben werden, weil sonst eine Depression in Kooperation mit Wut und Hass hochfährt.

Ich brauche etwas unverfängliches, über das ich denken kann. Etwas, das möglichst wenig Gefühlsausschläge produziert. Musik? Da muss ich bei entsprechenden Liedern spontan weinen, das geht also nicht.
Bücher? Ja, ich kann über Bücher nachdenken. Über Bücher, die ich gelesen habe, die ich lesen möchte, die ich lesen musste, die ich nie lesen wollte, die ich nicht lesen werde.

Ich würde gern in der Bücherei arbeiten. Dann säße ich da, würde die Bücher abdüten scannen und den Menschen aushändigen. Ich würde mich mit ihnen über die Bücher unterhalten, ich würde immer Bücher zur Hand haben, und ich würde gegenüber der weltbesten Eisdiele arbeiten.
Wäre das schön.

Böse Falle, der Gedanke. Denn dann geht wieder die Rotation los: Quo vadis, Frau Lavendel? Kinder immer größer, beruflich unorientiert, viel gelernt, viel gemacht und beruflich im herkömmlichen Sinne nichts erreicht. Keine erfolgreiche Selbständigkeit zu Wege gebracht, keine finanzielle Absicherung für das Alter hinbekom…… HALT, falsche Abzweigung!!
Da habe ich doch gerade Lust bekommen, ein bisschen Schokolade zu essen. In meinem Kühlschrank befindet sich noch Schokolade, die ich vor dem Hitzetod bewahrt habe. Eigentlich mag ich Schokolade ja nicht so gern, wenn sie total kalt aus dem Kühlschrank kommt, aber jetzt ist das egal. Schokoladeschokoladeschokolade…..

Geht wieder. Gut.
All das denken nützt doch nichts.

Lalalalalalala….

Ich gehe mal das Klo putzen. Bis später.