Es ist so herrlich, wenn man einen Grund hat, sich aufzuregen.
Es muss eigentlich kein guter Grund sein. Aber wenn es ein guter Grund ist, dann macht es doppelt so viel Spaß.

Und ich hatte gerade sehr viel Spaß. Die im Hause befindlichen Herren sind ein steter Quell der Freude des Aufregens.
Ich finde es zum Beispiel großartig, wenn ich den Hundespaziergang deligiere, dann elfengleich der Fürst mitsamt Schnucki die Treppe heruntergetrampelt kommt und Sekunden später die Eingangstür knallt.
Allein, der Hund saß noch in seinem Körbchen. Mit einem ähnlich beknackten Gesichtsausdruck wie ich.
Ich schickte dem holden Liebespaar sogleich eine Nachricht hinterher und nur kurz danach kam eine Sprachnachricht zurück.
„Ich höre mir deinen Mist nicht an!“ schrieb ich grantig zurück und das tat ich auch nicht. Es gibt vermutlich wieder Millionmilliarden Ausreden, warum er gerade nicht mit dem Hund rausgehen konnte.
Der Schuh war zu klein, das Schnucki zu müde, Termine in der Stadt, Entführung durch Außerirdische und so weiter und so fort.
Und ich möchte dieses alberne Lügengekasper nicht mehr hören. Also höre ich nicht.

Der Gutfrisierte leerte den letzten Liter Milch und auf meine Frage, ob man denn heute noch etwas einkaufen müsse, sagt er knochentrocken „Nein.“.
Gut. Ich trinke keinen Kaffee mit Milch, weil ich von Kaffee nervöse Zuckungen bekomme. Aber ich darf mir morgen das Genörgel anhören darüber, dass keine Milch da ist.
Ja, ich weiß, dass keine Milch da ist. Und ja, ich könnte nett sein. Entweder könnte ich darauf hinweisen, dass das Tetrapack im Kühlschrank mit Traubensaft gefüllt ist und zum Einkauf auffordern. Oder ich könnte höchstselbst einkaufen gehen. Und die abgegrasten Vorräte aufstocken.
Aber warum sollte ich nett sein? Zu mir ist auch keiner nett.

Ach so. Wie man in den Wald hineinbrüllt und ähnliches? Gehe gut gelaunt durch das Leben und die gute Laune scheint zurück? Immer ein Lächeln am Arsch auf den Lippen und die Leute lächeln zurück?

Hallo? Nein! Neinneinneinnein! Ich habe Hormone und ich wünsche nicht zu lächeln. Ich wünsche zu töten. Tut mir leid, ist so. Mein Aggressionspotenzial ist in ungeahnten Höhen. Ich fühle mich wie Captain Kirk. In Aggressionen dringe ich vor, die nie zuvor ein Mensch gesehen hat.
Ach Quatsch. Ich muss einfach mehr Schokolade essen.
Und doch das Saufen anfangen.
Wenn das nur nicht so schwer wäre.
Eigentlich ist es nicht so schwer. Ein volles Glas nehmen, austrinken, nachschenken und von vorn. Bis man voll ist. Aber ich bin sehr schnell voll und es geht mir nie so wie versprochen. Ich werde nicht heiter und locker und lustig.
Ich werde ängstlich und redselig und habe die Tendenz zu ersticken. Und meine Beine schlafen ein.
Darum ist Alkoholismus keine Option.

Aber vor Jahren war ich in einem Krankenhaus und musste mich einem kleinen Eingriff unterziehen. Im OP waren nur Frauen, was ich sehr schön fand Angesichts des Grundes meiner Anwesenheit. Und eine sagte zu mir, ich hätte aber ein schnelles Herzchen. Ich wäre wohl aufgeregt. Ja, sagte ich, ich wäre sehr verdammt aufgeregt, man ließe sich ja nicht alle Tage… , egal.
„Gleich wird es ganz schön.“, sagte sie mit einem wissenden Lächeln. Und ich dachte noch, die hat gut reden, die muss ja nicht…. , egal.
Und dann war es auf einmal sooooo sehr arg wunderschön. Was ging es mir gut. Und schwupp wurde ich auch schon gerufen und es war immer noch schön und ich hatte von grünen Bohnen geträumt, war sehr hungrig und wollte gleich noch einen Rauschzustand erbetteln.

Aber solche Sachen gibt es nicht rezeptfrei. Schade.
Sehr schade. Damit käme ich runter.

Stattdessen muss ich wohl oder übel durch den Wald rennen. Aber das bringt einen auch runter.