Möglicherweise werde ich in zwei Stunden fertig sein, wenn ich nicht allzu viel Zeit am Computer vertrödele.
Dann wird das Heim aussehen wie ein Heim und nicht mehr wie ein Schuttabladeplatz für Durchgedrehte.
Das Schlafzimmer ist auf jeden Fall schon wieder aufgeräumt und die Küche ist wieder eingeräumt. Es fehlen nur noch ein paar kleine Schmankerl wie das Putzen der Fenster. Wobei, gerade fängt es an zu regnen. Na, so was aber auch. Und es donnert.

Am Morgen nach dem Farbfleckdesaster ging ich in die Küche und dachte, so schlimm wird es schon nicht sein, aber es war schlimm. Sehr. Und darum entschied ich spontan, das ganze noch einmal zu streichen. Nur da nicht, wo der große Schrank steht. Man kann es nämlich auch übertreiben. Darum habe ich rasch den Schrank vor die Wand geschoben und den Rest der Wände ein weiteres Mal mit meiner Rolle und der Farbe behandelt.
Mein Körper winselte leise vor sich hin, ich ermahnte ihn jedoch, sich bedeckt zu halten, da er sonst die Kündigung bekommen würde.
Kann auch nicht sein, dass eine Frau von Mitte vierzig (ich darf nicht darüber nachdenken, weil ich vor fünf Minuten noch achtzehn oder fünfundzwanzig war und dann auf die abenteuerliche Idee kommen könnte, jemand habe mich in einer Zeitmaschine weit in meine Zukunft geschickt, damit ich die Küche streiche Welt rette!) nicht im Stande sein soll, ihre Küche selbst zu streichen.
Der Fürst und das Schnucki haben geholfen, aber die Farbe habe ich allein auf die Wand gebracht. Da lasse ich keinen anderen ran. Das sieht ja auch nicht aus, wenn zwei verschiedene Streichstile in einem Raum aufeinander treffen.

Nachdem ich also alles ein weiteres Mal in ein hübsches Grün getaucht hatte, legte ich mich einfach auf mein Bett und schaute zwei Stunden Fernseher. Das sollte ich vielleicht häufiger machen, am hellichten Tage fernsehen. Sehr entspannend. Nach den zwei Stunden wollte ich in die Küche gehen und nachschauen, was dort so los war. Ich kämpfte gegen mich, gegen den Schweinehund, gegen die Schwerkraft, gegen meine Muskeln und schleppte mich in die Küche wie einstmals der Messner sich ohne Sauerstoff auf den Gipfel des Mount Everest.
Und siehe da, es war erträglich geworden. Nicht perfekt, weit weg von Profi, aber auch nicht mehr wie ein Schimmelkäse bei dreißig Grad in praller Sonne.

Sodann begann die Aufräumzeit. Und das Putzen. Und wenn jetzt die Spurensicherung kommen müsste, sie würde sich wundern, warum so wenig Spuren in der Küche sind. Aber da müssten sie einfach nur einmal den Backofen aufmachen, dann hätten sie Spuren von jahrelangem Leben. Bah.

Es hat aufgehört zu regnen. Darum werde ich jetzt flott die Farbspritzer von den Fenstern rubbeln und danach ein bisschen herumsitzen und mir überlegen, ob nicht doch gelb die bessere Farbe ist, für diese hübsche Küche. Und ob ich die einfach verglasten Fenster behalte, weil sie so hübsch anzusehen sind.

Dazu ein Müsli in einer Schale, farblich abgestimmt auf die Wand.

(Ob meine Hände jemals wieder abschwellen?)