Nachdem ich die Frage, wo all die Bücher hin sollen, für mich sehr zufriedenstellend geklärt habe, stellt sich das nächste Problem an die Tür und klopft wie bekloppt.

Die Bücher sind weg. Sie liegen nicht mehr in einem großen Haufen in der Mitte meines Wohnzimmers, was ich begrüße. Es war schwierig, ständig daran vorbei zu balancieren.
Ich habe mir all die Vorschläge von Euch gut durchgelesen, ein bisschen hin und her gegoogelt und nachgedacht, zwei Emails verschickt und dann habe ich als erstes ein paar Bücher meiner Geburtstagsfreundin untergejubelt. Aber nicht als Geburtstagsgeschenk, das hätte ich schäbig gefunden. Da habe ich ihr lieber nichts geschenkt. Die Bücher habe ich ihr aufgeschwätzt. Ich habe behauptet, dass sie laut lachen werden würde, wenn sie die Bücher demnächst lesen werden wird.
So ähnlich.
Sie hat vier Stück mitgenommen.
Die einhundertundsechundneunzig anderen Bücher habe ich in Kartons gepackt und in den Kofferraum geschafft. Dann wagte ich mich in die große Stadt.
Jetzt, im leicht erhöhten Alter, wird mir das Autofahren im Innenstadtbereich immer lästiger. Ich mache es zwar, aber ungern. Zumal das Auto einem Schiff gleicht. Keiner Nussschale sondern einem mittleren Schlachtschiff. Ich war damit ja schon einmal in einem Mannheimer Parkhaus eingeklemmt, was sich als glückliche Begebenheit herausstellte, weil durch den folgenden Blogpost eine schöne Geschichte entstand, bei der ich nette Menschen kennenlernen konnte.
Ich fuhr also mit dem Schiff in die Stadt, um ein modernes Antiquariat heimzusuchen. Jetzt ist das in Köln mit dem Parken so eine Sache und vor dem Antiquariat gab es keine Parkmöglichkeit. Überhaupt gar keine. Darum habe ich daneben in einer Tiefgarage geparkt. Mannheim war enger. Trotzdem ist auch diese Tiefgarage eine kurze Beschreibung wert. Man fährt hinein und es gibt zwei Etagen in der Tiefe. Die Anzahl der Plätze ist gering. Die Plätze sind eng. Und wenn man den Pfeilen folgt, steht man plötzlich vor einer Wand und es geht nicht weiter. Dann kommt ein dicker, alter Herr mit kölschem Zungenschlag, der die dappische Mutti Hausfrau Tusnelda nette Frau mit allerlei Handzeichen zu einem Wendemanöver motiviert und zum Rückwärtseinparken in einer Lücke verführt, die an Kamele und Nähutensilien denken lässt.

Nachdem ich also in der Lücke stand, wollte ich die Kofferraumklappe öffnen, die mit Schmackes an die Decke knallte. All das war untermalt von Klängen klassischer Musik, die wohl zur Beruhigung der Nerven in der Tiefgarage abgespielt wird. Die weiße Decke hat nun dunkelblaue Lackspuren und die Kofferraumklappe ein bisschen weiße Farbe am Rand. Ich schnappte mir den ersten Karton, das mitgereiste Wolkenköpfchen griff sich einen halben zweiten, dann nahmen wir dort noch ein paar Bücher heraus und taten sie in meinen hinein und dann gingen wir leichtfüßig die zwei Etagen über eine Treppe hinauf. Aufzug gab es nicht, hätte ich auch gar nicht benutzt, denn ich bin ein Freund der Treppe. Rolltreppe noch lieber, aber im Zweifel geht auch die normale.
Oben angekommen musste ich ein bisschen mit dem internetfähigen Smartphone herumspielen, um den Laden zu finden, in dem ich die Bücher abgeben wollte. Dazu war das Wolkenköpfchen von Vorteil, weil sie mir das mit den Ortungsdiensten geregelt hat.
Von der Tiefgarage zum Antiquariat waren es achtundfünfzig Meter. Als ich die richtige Richtung gefunden hatte.
Der Herr Antiquariatsbesitzer freute sich, mich zu sehen. Er hatte so schnell nicht mit mir gerechnet. Ich erklärte ihm, dass ich gern in meinem Wohnzimmer umhergehe und dabei nicht gern über Bücherberge steigen mochte, er nickte verständnisvoll. Guter Mann. Leider war er allein im Laden, weshalb er nicht tatkräftig mitschleppen konnte. Darum lief ich mit dem Wolkenköpfchen noch drei weitere Male zwischen Auto und Laden hin und her. Anschließend sah ich aus, als hätte ich die mörderischste Hitzewallung aller Zeiten und mir lief die Brühe den Rücken runter. Das Wolkenköpfchen meinte, sich ohne zu bücken an den Füßen kratzen zu können, weil ihre Arme ausgeleiert worden wären von dem Geschleppe.

Jetzt sind die Bücher also alle im Antiquariat, der Antiquariatsmann schaut sie durch, kauft mir ein paar ab und den Rest verteilt er an soziale Projekte und ähnliches. Sagt er. Ich glaube ihm das einfach mal. Er sah ehrlich aus.
Ich bin gespannt, was er mir dafür geben mag.
Vorgreifend auf die vermutlich vierzehn Euro, die dabei rausspringen werden, habe ich dem Wolkenköpfchen und mir eine Schachtel Pfefferminzbonbons und zwei schlimme Milchshakes gegönnt.
Warum schlimm? Nie zuvor habe ich so eine überteuerte, überzuckerte, miese Plörre als Milchshake verkauft bekommen. Die zubereitende junge Dame war zwar ausnehmend nett, das Shake war trotzdem, und hier möchte ich es ganz offen beim Namen nennen, für den Arsch. Bah.
Wir haben sie aber ausgetrunken. Danach hatte man Mundgeruch, als hätte man einen Ziegenstall ausgeleckt. Pfui.

Auf der Rückfahrt tat ich, was man in Köln immer tut. Ich verfuhr mich und kurvte ein bisschen herum, bevor ich hinter dem WDR und der Oper entlang den Weg in die Freiheit fand. Weil ich aber einen dermaßen üblen Zuckerflash hatte, kann ich mich daran kaum erinnern. Einigermaßen wieder zu Bewusstsein kam ich im Supermarkt.
Ich brauchte, na, was wohl? Milch. Und Klopapier. Mein Vorrat war unter dreißig Rollen geschrumpft und da werde ich hysterisch. In mir liegt irgendein Problem, welches sich meldet, wenn ich an Klopapier vorbeigehe. Es schreit dann immer: OBACHT! Klopapier könnte leer werden. Und dann muss ich gleich eine neue Packung kaufen. Aber das nur am Rande. Jeder hat eben seine Probleme.
In dem Geschäft begegnete dann er mir:
Weihnachtsmann?

Der Weihnachtsmann kauft im September schon Lebkuchen. Nun gut. Bis Dezember ist der zwar trocken, aber trockener Lebkuchen muss wohl sein. Und Printen. Und Spekulatius.
Aber enttäuscht bin ich schon. Irgendwie. Ich dachte, der macht das Gebäck selbst. Oder die Elfen. Und seine Verkleidung als Schneemann haut im September auch nicht hin. Was hat er sich nur dabei gedacht?
Nachdem ich meine Augen vor den Realitäten verschloss und so tat, als hätte ich nichts gesehen und als wären mir all die Marzipankartoffeln und Blätterkrokantzapfen gar nicht aufgefallen, verließ ich mit mehreren Litern Milch und einigen Rollen feinstem Toilettenpapier den Laden, setzte mich ins Auto, startete die Karre und fuhr los. An der nächsten Ampel setzte es ein ordentliches Alarmgeräusch, das mich heftig zusammenfahren ließ.
In Sekundenschnelle kontrollierte ich alles, was zu kontrollieren war und stolperte schließlich über die Anzeige meines Displays, großkotzig Bordcomputer genannt.
Knappe Sache.

Ja, schöne Scheiße. Nur noch null Kilometer Sprit im Tank und die nächste Zapfsäule war fünf Kilometer entfernt. Da kneift man ordentlich den Hintern zusammen, fährt so energiesparend, dass man eigentlich nur noch rollt, was natürlich den restlichen Verkehr ein kleines bisschen einschränkt, aber das ist einem doch egal.
Mit dem letzten Kraftstoff- und einigen Schweißtropfen rutschten wir in die Tankstelle hinein. Hurra, was für ein glücklicher Tag, ich war nicht liegen geblieben. Ich musste niemandem erklären, wie es kam, dass ich das Tanken vergessen hatte.
Ich musste nicht laufen und auch keinen kleinen Benzinkanister kaufen. Was für ein großartiger Tag.

Wie auch immer, zurück zuhause genoss ich noch dazu das entleerte Wohnzimmer. Und setzte mich an den Computer, weil ich mich einem weiteren Problem stellen wollte, welches, wie anfangs erwähnt, bekloppt klopfte. Dem Problem, dass ich dringen einmal eine neue Hose brauche.
Was mir da durch den Kopf ging, das schreibe ich ein anderes Mal, weil es jetzt schon recht spät ist und ich zu Bett gehen werde. Außerdem muss ich vorher auch noch meinen Wortschatz im Bereich schimpfen und fluchen noch einmal überarbeiten.
Darum gute Nacht.