Da saß ich schon in Positur um in die Tastatur zu hauen, aber ich musste noch eine kleine Aktion dazwischenschieben. Es spielten ein Regenguss, ein Kopfkissen auf dem Balkon und ein hysterischer Killerdog entscheidende Rollen bei dem Drama. Dank meiner überlegenden und ruhigen Art und Weise dreht sich jetzt ein Kissen in der Waschmaschine und wird anschließend in den Trockner wandern, auf dass Killerdog sein Köpfchen später wieder glückselig darauf absenken kann.
Das kommt davon, wenn man sein Kopfkissen auslüften will, was lobenswert ist, dabei aber das Wetter nicht im Blick behält. Da hat er wieder etwas gelernt.
Aber eigentlich war ich ja aus einem ganz anderen Grund hergekommen.

Heute schien die Sonne am frühen Mittag. Sie lachte in meinen Garten hinein und beleuchtete eine Situation, die mir seit ungefähr fast zwei Jahren regelmäßig in die Augen sticht.
Betong

Dieser Vorgarten unter meinem Küchenfenster ist ein steter Quell der Freude. Vor einiger Zeit wurde dort gebuddelt, weil die Hauswand darunter nicht ganz dicht war. Der Kellerschacht hatte ein Bruchproblem. Und die Überreste davon liegen in Form eines großen Betonkloppses seit langem herum. Fiddibumm.
Damals, als die Buddelei begann, gab es Wolkenbrüche, die mich in sehr ungute Situationen brachten. Ich buddelte zwar nicht, aber zum Zeitpunkt der Flut war ich allein zuhause und musste zusehen, wie mein Keller ertrank. Und das ausgeschachtete Stück rutschte und sackte. Und bei meinem Versuch, das Unglück in den Griff zu bekommen, fiel mir eine vier Meter lange Holzbohle auf den rechten Fuß. Das hat einen bleibenden Abdruck hinterlassen. Und ein mehrtätiges Humpeln. Weil ich mich aber tags darauf auf den Weg zur Kur machte, ignorierte ich das und fuhr mit blauem, fettem Füßle ins Allgäu. Ging. Geht halt immer viel, wenn man will.

Nun, der Keller ist gerettet worden, alle Schächte wurden wieder zugeschüttet und ein neuer Kellerschacht wurde bei einer House-Party zum achtzehnten Geburtstag des Fürsten mit der Kotze eines angeschlagenen Partygastes verziert.
Davon sieht man heute nichts mehr.
Aber der Betonklopps, der ist übriggeblieben.
„Da machen wir eine Bank drauß!“, so hieß es. Darum lag sie da. Und auch, weil sie so schwer war, dass sie nicht bewegt werden konnte, die Betonkloppsbank.
Die Monate gingen ins Land und es passierte genau das, was man von vorneherein schon vermuten konnte. Nix.
Im Laufe dieser Woche wuchs in mir ein Gefühl. Ein Gefühl von Nix muss weg. Ich wollte zwingend dieses Betondingen weghaben.
Kurze Überlegungen, dann die schnelle Lösung.
Buddeln.

Buddel ein Loch und wirf Müll hinein.

Schnell ist bekanntlich relativ und darum habe ich vier Tage genörgelt. Und heute war es dann soweit. Es wurde gebuddelt. Und die Bank dann über die Seite in das Loch gekippt.
Ich hatte mich aus dem Küchenfenster gelehnt und gute Ratschläge erteilt. Daraufhin wurde mir mitgeteilt, dass das Loch auch für meinen Körper genutzt werden könne. Darum hielt ich mich bedeckt und schüttelte nur mild und wohltätig den Kopf, als die Betonkloppsbank gekippt wurde und natürlich die Füße oben herausschauten.
Hätte man auf mich gehört, hätte Mann sich ein bisschen Graberei gespart. Aber jeder muss seine Erfahrungen selbst machen. Dabei lernt man eben mehr.

Nach vielen Flüchen, Gemecker, Gemotze, Gezeter, waas es halt alles gibt, um seinem Unmut Raum zu geben, war es soweit, der Betonklopps war unter Erde verschwunden. Ich huschte daraufhin noch schnell los und erstand einige Säcke Erde, denn merkwürdigerweise war nach dem Verbuddeln viel weniger Erde in dem Vorgartenbereich als davor.
Und wenn man erst einmal angefangen hat, dann überkommt es einen und man rupft, zupft, reißt und rodet, als gäbe es kein Morgen mehr.

Es wurden dann Azaleen ausgegraben und anderweitig wieder eingegraben.
Und Giersch vernichtet. Und Efeu gekillt.
Und allerhand Getier verscheucht.
Große Spinnen auch. Die nun umgezogen sind. Hoffentlich nicht ins Haus, sonst muss ich die wieder alle jagen und töten. Ich bin hier nämlich diejenige, die den Job als Spiderkiller übernommen hat.
Ich biete übrigens auch Telefonsupport oder Skype-Unterstützung an, wenn jemand von Spinnen terrorisiert wird. Regelmäßig habe ich da mit Wolkenköpfchen Spinnensachen laufen.

Ordentlich

Nun sieht mein Beet recht ordentlich aus. Die Azaleen sind ziemlich verreckt, weil sie alle geknubbelt unter einer großen Azalee standen. Ich hoffe, sie sind jetzt glücklich über Platz und Licht und erlauben sich ein munteres Wachstum im nächsten Jahr.

Es gibt jetzt ein gewaltiges Problem.
Weil es dort so ordentlich aussieht, kann ich meiner Angewohnheit nicht mehr nachgeben.
Ich gehöre nämlich zu den Menschen, die gern einmal etwas, nun, wie soll ich es sagen, ohne dass ich wie die letzte Asoziale wirke, also… ich werfe gern Sachen aus dem Fenster.
Meine Güte, so schlimm ist das jetzt auch nicht.
Wenn in der Obstschale eine gammelige Orange liegt, werfe ich sie eben aus dem Küchenfenster. Zack, raus, weg. Das ist besonders hübsch, wenn Schnee liegt. Die farblichen Kontraste sind großartig.
Auch Kürbis ist schon geflogen.
Und Äpfel. Ein abgeernteter Basilikum. Eine leere Spüliflasche. Was so kommt.
Und am Besten ist, meist ist der Kram am nächsten Tag weg.
Der Gutfrisierte räumt den Kram, wenn er von der Arbeit kommt in den entsprechenden Mülleimer. Was ich gut finde, weil es sonst vor meinem Küchenfenster noch viel beschissener ausgesehen hätte.
Jetzt werde ich das in Zukunft nicht mehr machen. Weil es so ordentlich ist, fällt es doch sofort auf, wenn Unrat im Beet liegt. Das ist bedauerlich.
Mit etwas Schwung hätte ich den Müll auch ein Beet weiter werfen können. Da hatten wir aber die Azaleen ausgegraben und auch dort gleich weitergerupft und gereinigt.
Also noch ein ordentliches Beet.
aufgeräumt

Da kann ich auch nichts mehr hinwerfen.

unordentlich

Hier könnte ich. Aber das treffe ich nicht, da müsste ich mich total anstrengen. Und so könnte ich Energie sparen, indem ich den Müll direkt ordnungsgemäß wegwerfe, anstatt ihn aus dem Fenster zu feuern.

Jedenfalls gibt es jetzt viel weniger Unkraut im Garten und das finde ich natürlich wunderbar.
Überhaupt, was gibt es herrlicheres als ein ordentliches Haus, einen wundervollen Garten, eine glückliche Familie?

Nichts.