„Das ist ja alles Plastik…“, murmelte die alte Dame vor dem Regal im Supermarkt. Ich ging gerade an ihr vorbei.
„Wie bitte?“, fragte ich, dachte ich doch, sie habe mich etwas gefragt.
„Das ist alles Plastik. Synthetik. Keine Naturfasern.“
Sie befühlte die Mütze, die Schals und die Strümpfe, die ordentlich aufgereiht an Schienen hingen.
„Da haben Sie wohl recht.“, sagte ich und schaute mir die Mütze genauer an.
„Ich trage so etwas nicht. Wissen Sie, ich bestelle mir die Sachen nach Hause. Wenn ich mir die Fahrt mit dem Bus in die Stadt spare, kann ich das Geld doch für den Versand investieren. Und da achte ich immer darauf, dass kein Plastik in meiner Kleidung ist. Ich vertrage das nicht. Ich hatte ein einziges Mal Schuhe, da war Plastik drin. Und das Ende vom Lied war, ich hatte dicke Blasen an den Füßen. Meine Haut verträgt einfach kein Plastik.
Aber heute ist ja überall Plastik drin. Und davon kommt auch dieses komische Wetter. Von der Plastikherstellung. Ganz sicher.
Früher habe ich in Köln gewohnt, in der Innenstadt. Und an Allerheiligen bin ich immer, Sie müssen wissen, mein Vater, der war katholisch, ich aber evangelisch, jedenfalls bin ich an Allerheiligen immer zum Friedhof gegangen. Und ich weiß es noch ganz genau. Oft war es sehr kalt. Einmal sogar minus zehn Grad. Ich habe da sogar in meinem Pelz gefroren. Aber heute? Heute kann man im Pullover draußen herumlaufen.
Wo wird das nur hinführen? Ich meine, bei mir ist das ja egal, so lange geht das nicht mehr, mit mir, aber die nächste Generation, die wird das viel deutlicher merken, das da etwas schief läuft. Wenn man nicht einmal im November den Pelz tragen kann.
Wissen Sie? Verstehen Sie?“
„Ja.“, sagte ich und lächelte die alte Dame an.
„Ich verstehe.“
„Dann ist es ja gut. Dann wünsche ich Ihnen noch ein schönes Wochenende. Machen Sie es gut.“
„Vielen Dank. Sie auch.“

Ich schob meinen Einkaufswagen weiter. Als ich später die Einkäufe in das Auto verräumt hatte und losfuhr, sah ich sie noch einmal. Klein und mit flinken Schritte ging sie, einen grünen Einkaufstrolley hinter sich her ziehend, über die Straße.
Dabei redete sie. Vielleicht mit sich. Oder mit jemandem, der nicht da ist.