Es kam, wie es kommen musste. Die Freunde aus der Fahrpreisnacherhebungszentrale reagierten einfach nicht. Und die Frist für die Zahlung der sechzig Euro näherte sich mit Riesenschritten ihrem Ende.
Als es soweit war, dass ich hätte zahlen müssen, um nicht anschließend Moskau-Inkasso vor der Tür zu haben oder aber ein Anschreiben der Polizeidienststelle Irgendwo im Nirgendwo, in welchem mir mitgeteilt wird, dass ein Ermittlungsverfahren wegen Erschleichens von Leistungen eingeleitet wird (ja, ich kenne mich aus, alles schon gehabt, es gab Leute hier, die fanden Schwarzfahren nicht so tragisch und die Zahlung der Fahrpeisnacherhebung überflüssig, was dann eben solche Anschreiben auf den Plan rief), tat ich, was eine Frau eben tun muss, wenn sie gerade ein neues Fenster in die Wand hat kloppen, den Balkon sanieren und das Auto reparieren lassen, eine Frau, die einen Kontostand zum Steinerweichen hat, ich nahm mir die Post des Fahrpreisnacherhebungszentralkomitees und suchte. Oben, unten, vorne, hinten, ich suchte sie und wer suchet, der findet. Eine Telefonnummer.
Und diese wählte ich.
Blablabla, willkommen bei der Bahn, blabla, geben Sie die Fahrpreisnacherhebungsnummer mit ihrer Tastatur ein, blablabla, säuselte die sexy Computerstimme. Und dass ich gleich noch aufgenommen würde. Also das Gespräch. Es sei denn, ich würde nicht wollen. Mir erst einmal egal, ob die das Gespräch aufnehmen, wenn es doch nur bald zustande kommen wollen würde.
Während ich wartete, putzte ich mir die Zähne, bürstete mein Haar, wusch mein Gesicht, cremte es ein und wartete auf einen Gesprächspartner. Als endlich einer zur Verfügung stand, verschluckte ich mich vor Schreck und hustete erst einmal prächtig in den Hörer.
Dann beschrieb ich kurzatmig die ganze Situation und formulierte meine Frage, ob ich jetzt allen Ernstes diese sechzig Euro würde zahlen müssen, wo doch die Frist ablaufen täte.
Ha. Ich muss nicht. Solange der Vorgang durch meinen Einspruch noch bearbeitet werden muss, ist die Frist ausgesetzt. Ruht.
Ich solle jetzt mal die Füße still halten und abwarten.
Dann mache ich das. Wo es doch von der kompetenten Sachbearbeitung empfohlen wurde. Ich hoffe inständig, es wurde aufgezeichnet, das Gespräch, auch wenn es mir kurz vorher noch wurscht war, damit ich einen Beweis habe, wenn nächste Woche die Freunde in den schwarzen Bomberjacken vor der Türe stehen und mir Prügel androhen oder aber die Polizei vorbeikommt und Killerdog abführen möchte, um ihn wegen der Leistungserschleichung seiner gerechten Strafe zuzuführen. Zum Beispiel vollgekotzte Rettungswagen putzen oder ähnliches.

Und weil die Bahn kein Ende nimmt, möchte ich auch nicht unterschlagen, dass auch die Sache mit dem Auto nicht abschließend erledigt war.
Denn in diesem herrlichen November, der kürzlich noch zu einem Freibadbesuch einlud, vorvorgestern aber die erste geschlossene Schneedecke für zwei Stunden brachte, musste das Auto zum TÜV. Und der Herr in der Werkstatt hatte mich daran erinnert, wobei ich es nicht einmal vergessen hatte.
Bedenklich schwang er den Kopf hin und her, schaute wie ein krankes Kalb, atmete tief und informierte mich darüber, dass ich mit den Reifen keinen TÜV bekäme und an der Hinterachse die Schnuddelbuddels mit Gedönsknödeln verschlissen seien und auf jeden Fall ausgetauscht werden müssten, weil es damit überhaupt gar keinen TÜV geben würde. Und beides zusammen könnte ich bei ihm machen lassen. Das wäre kein Problem. Das alles erzählte er mir schon während der Reparaturvorgänge und ich formulierte den Auftrag, erst nur reparieren, alles andere diskutieren wir später.
Weil ich kein gutgläubiger Mensch bin und gern auch das Schlechte im Menschen sehe, selbst wenn er ausschaut wie die Ehrlichkeit in Person, dachte ich: Mit mir nicht!
Und ging zum TÜV. Mit dem reparierten und angeblich nicht TÜV-abnahmefähigen Auto.
Und was war? Nix.
TÜV-Plakette klebt. Ein kleiner Mangel. Eine kleine Leuchte am Rücklicht ist defekt. Alles andere ist in Ordung, sagte der Ingenieur.
Und ich hatte schlappe weitere achthundert Euro gespart.

Ob ich den Glauben an die Menschheit verliere? Nein.
Die Menschheit hat auch ihre schönen Seiten. Aber nicht im Autoladen. Und nicht bei der Bahn.

Und bevor das jetzt in Langeweile ausartet mit den Verkehrsmitteln, wird das Thema an dieser Stelle beendet.
Wenden wir uns doch den schönen Dingen des Lebens zu.
Was steht denn an, in der nächsten Zeit?

Ach Du Scheiße.
WEIHNACHTEN.

Es bleibt mir auch nichts erspart.