Weihnachten auf der Intensivstation hat ein ganz besonderes Flair.
Da haben nämlich alle genau den gleichen Wunsch. Vor allem die, die nicht dort arbeiten sondern herumliegen, sitzen, warten, schauen.
Diese Blicke, auf Monitore gerichtet, die messen, ob das Herz noch klopft, der Atem noch bis in die Fingerspitzen reicht, das Blut noch durch den Körper läuft.
Alarmtöne sind ständig präsent.

Die Vermutung ist, über die Lüftung gibt es Beruhigungsmittel für alle. Man wird so müde dort. Das kann nur durch Gase erzeugt sein. Aber vielleicht auch durch die Angst.

Silvester auf der chirurgischen Station wird auch besonders. Wir schmuggeln unsere Mutter zu unserem Vater und dann können sie aus dem Fenster schauen und haben einen Logenplatz für das Feuerwerk über Köln. Wenn irgendjemand das verhindern möchte, dann sollte derjenige sich auf erbitterten Widerstand gefasst machen. Wen kümmern denn Besuchszeiten? Genau.

Das mit der Habenseite und der Sollseite, das habe ich mir mal abgeschminkt. Es läuft nach dem Motto: einen Schritt. Noch einen Schritt. Atmen. Wen kümmert Haben und Soll. Wenn es gut ist, dann ist es gut. Appetit auf Wackelpeter ist gut. Der Wunsch nach einem Hühnersüppchen ist gut. Jeder herausgezogene Schlauch ist mehr als gut.
Blumenkohlpüree als Schonkost ist nicht gut. Das kommt den ganzen Tag wieder vorbei. Mit Zwacken und Zwicken.
Und Opiate sind vielleicht ganz lustig für den, der sie bekommt. Die, die denjenigen dann erleben, finden das ebenfalls lustig. Aber auch ein bisschen beunruhigend. Denn wenn da jemand um den Mond fliegt, und noch eine Runde und noch eine Runde, dann hofft man, dass er bald sicher wieder landet.

Wenn Nachtschwester Trötenkopp aber noch einmal nicht freundlich ist, dann wird sie sich wünschen, freundlich gewesen zu sein. Das ist keine Drohung, das ist ein Versprechen.