Killerdog hat einen neuen Namen. Zumindest bei mir. Er heißt jetzt Hoppelhase Nicknick. Zumindest so lange er beim Anfahren und Abbremsen meines Autos dafür sorgt, dass ich fast ein Schleudertrauma erleide.

(Es tut so weh, an andere Dinge zu denken.)

Hoppelhase Nicknick Killerdog hat nämlich jetzt einen Führerschein. Und weil er noch nicht ganz das Alter zum alleinigen Herumfahren erreicht hat, darf ich immer neben ihm sitzen und seine Fahrkünste bewundern.

(Warum werden manche Menschen sechsundneunzig Jahre alt und andere eben nicht? Warum sind manche Menschen immer gesund und andere so gequält?)

Und weil ich sonst diejenige bin, die immer und in jeder Lebenslage fährt, eine der besten Autofahrerinnen dieses Planeten, die Position teile ich mir gern mit meiner Schwester und mit Annika, fällt es mir ein bisschen schwer, meinen Fahrersitz zu räumen für so ein kleines, die Kupplung nicht ganz beherrschendes Bürschlein.

(Dann stehe ich am Küchenfenster, starre hinaus ohne etwas zu sehen und mein Gehirn macht Kapriolen, spielt mir Beerdigungen vor, die noch gar nicht stattgefunden haben, malt mir Qualen, die noch nicht passieren, zeichnet eine Trauer, die zu früh ist. Und ich schreie mein Hirn an, es soll diese Scheiße lassen. Es soll mich in der Gegenwart lassen. Ich will nicht an diese Dinge denken. Ich will Hühnersüppchen kochen, Apfelpfannkuchen, Kartoffelbrei und Möhren, ich will an Käsekuchen denken und an Gummibärchen.)

Und wie es hoppelt und galoppelt und wie der Motor ruckt und zuckt. Erinnerungen werden wach an meine erste Fahrt außerhalb eines Fahrschulautos. Ich allein in einem Saab auf dem Weg zum Supermarkt. An meiner Seite meine tapfere kleine Schwester, die auf Grund ihres jugendlichen Alters die Gefahr, die von mir ausging, gar nicht richtig einschätzen konnte. Abfahrt Richtung Supermarkt, eintausendfünfhundert Meter von daheim entfernt. Anfahren, schalten und abgewürgt. Anfahren, schalten und abgewürgt. Anfahren, nicht schalten und im ersten Gang die ganze Strecke mit einem laut um Hilfe röhrenden Motor hinter sich bringen. Dabei noch geschwind den Bürgersteig touchieren und hier und da die Reifen quietschen lassen. Eine unvergessliche Fahrt.
Was für einen (tapferen Vater haben wir, der seine Töchter direkt nach Erhalt des Führerscheins ganz allein in seinem Auto fahren ließ. Und der nun darum ringt, noch bei uns zu bleiben. Der in einem schlimmen Moment doch laut und klar sagte, er will leben.)

Wäre alles nur so gut zu lernen wie das Autofahren.