(Im folgenden Text kommt es zu unflätigen Wortausbrüchen und der Wiedergabe ungehobelten Verhaltens. Ich bitte keineswegs um Entschuldigung und genieße es in vollen Zügen. Danke.)

Warum liegen in diesem Scheißbadezimmer die Scheißhandtücher auf dem Scheißboden? Ich gehe raus aus dem Bad, gehe die Treppe runter, gehe die Treppe wieder rauf, öffne die Badezimmertür und es liegen mindestens ein aber in der Regel alle Handtücher auf dem Boden.
Wie, zum Teufel noch eins, kann das denn sein?
Ich hebe die Mistdinger auf, mache eine kurze Geruchsprobe, sortierte vermuffte Lappen aus, hänge den Rest dekorativ an die dafür vorgesehenen Halterungen und entferne mich drei Schritte vom Bad. Drehe mich mit Schwung um und schon liegen die Scheißhandtücher wieder auf dem Boden.
Außerdem kam spontan noch Zahnpastarotz im Waschbecken dazu. Desweiteren Abstrusitäten im Toilettenbereich, die ich niemandem in blumiger Beschreibung zumuten kann. Der Abfluss in der Dusche läuft auch schlecht ab. Das merke ich aber nicht sofort, erst wenn ich wieder dusche. Denn anscheinend läuft nur bei mir das Wasser schlecht ab. Bei allen anderen gibt es das Problem nicht.
Kürzlich bin ich fast in die Dusche geschlagen, weil aus völlig unklaren Gründen die Duschtasse (was für ein saublödes Wort, oder heißt es Duschwanne?) bei den ersten Tropfen Wasser, die aus dem Duschkopf (auch nicht besser) kamen, zu einer glitschigen Seifenschleimorgie mutierte.
Der Seifenschleim glibberte um meine Füße, das Wasser stieg an, ich rutschte hin und her, dann öffnete ich den Deckel des Abflusses, der das darunter liegende HaarseifenschleimsonstigeAusscheidungenMonster gnädig versteckte. Im Licht der Badezimmerlampe mutierte es zu einem Sniffknäuel mit gewaltigem Ekelfaktor. Ich zupfte, rupfte, zog und zoppelte das Monster hervor und entsorgte es.
Wie immer schwor ich mir, es irgendwann auf einem Kopfkissen ein Nickerchen machen zu lassen. Auf dem Kopfkissen eines jungen oder nicht mehr ganz jungen Burschen. Dort läge es, das Monster, und es würde sagen: Bursche, Liebster, ich bin es, deine haarig-schleimige Seifen-und-sonstiges-Liebe, küss mich. Dann werde ich eine Klobürste.
Es hört nie auf.
Es ist aussichtslos. Ein verlorener Kampf. Schon vor fünfundzwanzig Jahren, als wir das erste Mal zusammenzogen, war einer der vielen Gründe, wegen derer ich die Flucht ergriff, dass in den gemeinsamen zwei Jahren Südstadt nur eine das Bad putzte.

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Hin und wieder kam es dann in den folgenden Jahrzehnten zur Anwendung von Putzmitteln durch männliche Hand. Aber wenn man es realistisch sieht, dann muss man sich eingestehen, dreimal Kloputzen in bald dreißig Jahren ist wenig.
Ein Jahr hat zweiundfünfzig Wochen, oder? Genau einundfünfzig Komma einsvierzweineun Wochen. Wenn ich mir überlege, dass ich ungefähr einmal in der Woche das Bad putze, dann ist das in fünfundzwanzig Jahren eintausenddreihundert mal. Wie gut, wenn man drei Putzrunden abgeben durfte. Es ist herrlich. So eine Erleichterung.
Ja, komm schon, am besten ich haue mir selbst eine rein, weil ich so ein Vollidiot bin und das Bad putze. Und das Bad putze. Und es putze. Und putze. Putze. Immer noch und immer wieder. Selbst schuld. Nicht gut genug die Aufgaben verteilt. Nicht laut genug für gerechte Aufgabenverteilung gekämpft.
Zu lasch, zu dumm.
Und alleweile putze ich. Und putze.
Mit dem Gedanken, dass ja auf keinen Fall jemand anderes blöd ist, weil es nicht blöd ist, Putz-Aufgaben anderen in die Schuhe zu schieben. Das ist clever. Das ist nicht asozial sondern schlau. Das ist kein Fehlverhalten. Die eine oder andere Diskussion darüber, ob man jetzt im Haushalt mitarbeitet oder nicht oder doch oder in nicht ausreichendem oder gefühlt völlig ausreichendem Maße, diese Diskussion sitzt man doch auf einer Arschbacke ab, wenn man weiß, putzen wird man trotzdem nicht.

Ach, wie kotzt mich alles an.
Wie kotzt es mich an, wenn ich sage: Es muss gestaubsaugt werden.
Wie kotzt es mich an, wenn genau nichts passiert, bis ich staubsauge, weil ich nicht gesagt habe: So, du kleiner Dämlack, jetzt nimmst du den Staubsauger, Stecker in Dose und nun einmal durch das Haus schieben. Ja, jetzt sofort. Nein, nicht später.
Wir haben einen Hund. Jeder sieht nach einer Woche, dass es komplett versifft ist. Sand, Hundehaare, Unaussprechlichkeiten. Dass es eine Saugung braucht. Doch es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst erbrechen muss vor Glück.
Muss man den Sauger über den Schädel gezogen bekommen?
Und wegen fehlender Energie für Kampf und Forderung sauge ich selbst und erhoffe mir auch noch, dass es bemerkt wird. Dass es ein lobendes Wort gibt. So etwas wie: Schön sauber hier und heute. Und dann möchte ich mich vor Selbstekel höchstpersönlich selbst wegsaugen. Das ist widerlich, wie ich doch nur möchte, dass es bemerkt wird, wenn ich stundenlang das Haus geputzt habe. Obwohl ich keine Zeit dafür habe. Aber dann nutze ich dieses Dingsda, das es Hermine möglich gemacht hat, gleichzeitig mehrere Zauberkurse zu besuchen. Gibt es mich in der Zeit eben drei bis achtfach. Zum Putzen, Vater besuchen, zur Apotheke huschen, Kind abholen, Zehnägel schneiden, Kochen, Einkaufen.
Kann ich alles.

Immer wieder taucht ja die Frage auf, warum ich noch hier bin. Ja, warum wohl? Geht keinen was an.
Ich bin noch hier. Und ich sauge. Und ich hebe die Handtücher auf. Und ich habe wirklich auch andere Sorgen als Scheißhandtücher auf dem Boden.

(Man beachte meine neue Kategorie und betrachte sie unter dem Aspekt der Ehehygiene)