Jetzt erwarte ich mit Spannung die Erklärung dafür, wie es kommt, dass der Scheißföhn, der auf der Scheißtreppe liegt und mir dabei mit seinem Scheißkabel zu einem Rittberger verhilft, klebt.
Der Scheißföhn klebt.
Fass ihn an und er bleibt kleben. Fass ihn an und du hast nur noch einen Wunsch.
Händewaschen.
Der Scheißföhn ist scheißeklig.

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Ja, ich beschimpfe einen Föhn. Einen Föhn, der auf der Treppe liegt, klebt und keinesfalls daran Schuld ist, dass dem so ist.
Nicht, dass ich mich föhnen wollte. Nein, ich hatte nach dem Duschen meine Haare einfach mit einem Haarband zusammengeschwurbelt. Ich hatte bedauerlicherweise keine Zeit, mir das Haar zu bürsten, denn ich hatte es sehr eilig. Wo ich hin musste, das weiß ich nicht mehr genau. Ich bin im Augenblick eher unterbelichtet im Erinnern. Solche Nebensächlichkeiten wie Wohin, Warum, Wieso sind schlecht ausgeleuchtet.
Und ebenfalls im Dunkeln lag das Haarebürsten.
Am Abend versuchte ich dann, mein Haar zu durchkämmen. Ich sah aus, als wäre mir etwas sehr Schlimmes widerfahren. Als hätte ich einen Föhn benutzt, der nicht nur auf der Treppe lag, der nicht nur klebte, als hätte ich einen Föhn benutzt, der seine elektrischen Impulse nicht für sich behalten konnte.
Ein elektrischer Schlag kann unter Umständen eine solche Frisur zur Folge haben.

Angefangen mit der Föhnbeschimpfung habe ich in dem Moment, als ich die Treppe aus den fürstlichen Gefilden herunterkam. In der einen Hand einen Wäschekorb, in der anderen eine Lage Wäsche, konnte ich sehr schlecht die Treppe einsehen. Dummerweise kam mir eben das Kabel ins Gehege. Ich verwünschte den Föhn, weil ich erst einmal dachte, ich hätte mir die Hüfte verrenkt. Und etwas gezerrt. Und das Knie verdreht. Zum „Scheißföhn, du blöder! Arschlochsföhn!“ kam ich, als ich den Föhn aufheben und zur Seite legen wollte, dabei aber meine Hand an dem Pfund Haargeglibber festbabbte. Ekelig. Widerlich. Pfui. Klebe mit solchen kleinen Gelwürmchen in der Handfläche zu haben ist einfach abartig. Vor allem, wenn man nicht damit rechnet.
Nach weiteren Föhnbeschimpfungen schwante mir jedoch, dass der Föhn ja nicht von allein das Kleben anfing. Oh nein, mitnichten. Bevor ein Föhn klebt, muss eine Hand geklebt haben. Und nach sehr kurzer Überlegung hat der kleine dicke Poirot in mir lauthals gebrüllt, er wisse, wer der Täter ist. Wer verantwortlich ist für diese Ferkelei. Ich brüllte zurück, dass er seine Klappe halten solle, weil ich auch schon drauf gekommen wäre, wer die Rübensau nun ist.

Killerdog? Föhnt sich nicht. Der Popperschnitt wird luftgetrocknet.
Der Gutfrisierte? Bewahre! Kein Föhn ans lichte Haupthaar. Könnte ja Volumen reinkommen. Das ist uncool und unjugendlich.
Wolkenköpfchen? Nicht da.
Der Hund? Kriegt mit seinen Klumppfoten den Föhn nicht mal hochgehoben.
Die Frau Lavendel herself? Wie gesagt. Nasse Haare verknoten ist mein Hobby. Oder mit nassen Haaren ins Bett gehen. Meine Haare und ich sind sowieso ein eigenes Thema.
Wer bleibt übrig, wenn sich nicht heimlich ein Nachbar eingeschlichen hat, um den Föhn einzusauen und in meine Flugbahn zu legen?
Der Fürst. Der Typ, der hier die kürzesten Haare hat und umgekehrt proportional die längste Stylingzeit. Mit viel, viel, sehr viel Schmier. Damit die Haare auch gut liegen.
Und es ist auch bekannt, dass er seit frühester Jugend dem Händewaschen gegenüber nicht sehr aufgeschlossen ist.
Er hätte gut in die Zeit des Barock gepasst, als man Wasser für schrecklich ungesund hielt und darum nur hin und wieder mit einem Läppchen drüberrubbelte und ansonsten Duftwasser auftrug.
Der Fürst hat also den Föhn mit Patina versehen und mir in den Weg gelegt.
Ja. Danke.

Demnächst schmiere ich ihm Zahnpasta auf die Türklinke. Ich freue mich schon. Und lege ihm einen künstlichen Hundehaufen aufs Kopfkissen. Und eine Kotze aus der Witzkiste neben das Bett. Oder in sein neues Auto.

Nur zum Spaß. Bis es soweit ist, beschimpfe ich den Föhn.