Das ist so:

Ich nehme mir einen Stapel gefaltete Handtücher. Dann gehe ich zur Treppe, um sie nach oben in den Schrank zu bringen. Da könnte ich doch noch zwei Rollen Klopapier mitnehmen, die werden im Bad gebraucht. Also klemme ich mir die Rollen unter den Arm. Wenn ich schon auf dem Weg bin, kann ich auch noch die vier Bücher mitnehmen, die in das Regal im Flur gehören und die schon seit Wochen auf der Treppe liegen. Ob ich denn die Tasche noch auf den oberen Treppenabsatz legen kann? Ja, kann ich, her mit der Tasche. Die Jacke? Die Pantoffeln? Duschgel?
Der Stapel ist mittlerweile so hoch, ich kann nicht mehr darüber blicken.
Bring doch einen Schraubenzieher mit. Und einen Hammer. Das mache ich. Der Stapel beginnt zu schwanken.
Aus dem Augenwinkel sehe ich ein Huschen und ein Windstoß trifft den Berg in meinen Händen. Er beginnt zu wanken und alles gerät ins Schwanken und fällt. Und gleich geht es von vorn los. Wieder alles einsammeln, stapeln, hoch und höher. Und es wankt und fällt.

So ist das nämlich, mein Leben. Genau so. Und wenn mir jetzt mein eigenes Hirn sagt: Meine Güte, dann gehst du eben zweimal!, weil ich das so gelernt habe, weil es sinnvoll ist, zweimal zu gehen, weil dann der Berg nur halb so groß und leichter zu tragen ist, dann möchte ich meinem Hirn eine aufs Maul hauen und es fragen:
Wie soll ich mein Leben denn in zwei Berge aufteilen? Wo kann ich denn anmerken, dass es langsam mal genug ist und alles bitte etwas besser verteilt werden sollte?

Geh zweimal. Also ehrlich. So, mein liebes Leben, wir hätten jetzt in den vergangenen Jahren eine Menge an Krankheit, Tod und Verderben gehabt, das hätte locker für das ganze Leben von achtzig Jahren gereicht. Wie wäre es denn gewesen, die eine Hälfte in den ersten vierzig, die zweite in den zweiten vierzig Jahren? Nein, nicht? Ging nicht? Warum denn nicht?
Nun, beruhigend ist das nicht. Wenn das so weitergeht…

Und dann ruft das innere Stimmchen:
Halt, halt, halt!!! Meine Liebe, kapriziere dich doch bitte nicht nur auf die Katastrophen, die das Leben bereit hält. Sieh dir die schönen Sachen an. Das Glück, das du hast. Setze dich in Relation zu dem, was noch viel schlimmer ist, denn schlimmer geht es immer, das weißt du doch.
Ja, danke, das weiß ich.
Und all die hungernden Kinder und die fliehenden Menschen und der Krieg und Elend und Armut und Krankheit und Umweltzerstörung und Klimakatastrophe und Umweltgifte und da fängst du an zu heulen, weil das Auto schon wieder zicken macht? Und das Konto eher schwächlich daherkommt? Und du immer müde bist?
Jetzt reiß dich aber mal Riemen. Und nimm noch den Staubsauger mit die Treppe hoch, oben liegen Hundehaare.

Kurzentschlossen stecke ich meiner inneren Stimme einen von den siebenundzwanzig einzelnen Strümpfen aus der Schublade in den Mund und klebe einen Streifen Gaffatape mit Blütendesin drüber. Ich kann dieses Relativierungsgequatsche von mir selbst nicht mehr ertragen.
Da fällt mir auf, dass ich mal wieder duschen könnte. Oder vielmehr sollte.

Erschöpfungsdepression. So klingt das viel hübscher.
Ich arbeite dran.