„Ich habe ein Problem. Ich mache mich mal eben aus und dann wieder an, warte so lange.“
Das hat es zu mir gesagt, das Laptop. Oder der? Wer weiß das schon so genau. Also habe ich mich zurückgelehnt und zugeschaut, wie es sich ausmachte, das Gerät. Und anschließend wieder anmachte. Um sich dann nach einigen Minuten wieder zu Wort zumelden.
„Ich habe ein Problem. Ich mache mich mal eben aus und dann wieder an, warte so lange.“
Gut, ich habe ein bisschen Zeit, ich warte weiter, dachte ich. Und es machte sich aus. Und es machte sich an. Und es sagte:
„Ich habe ein Problem. Ich mache mich mal eben aus und dann wieder an, warte so lange.“
Aus. An. „Ich habe ein Problem. Ich mache mich mal eben aus und dann wieder an, warte so lange.“
Aus, an, Problem.

Nach einer Stunde erlöste ich es von seinem Problem, indem ich es mit einer gewagten Tastenkombination schlafen schickte.
Es scheint, ein Hardwareproblem hat mein hübsches, kleines Gerät in die Knie gezwungen. Wobei man sagen muss, es funktionierte seit einem Jahr sowieso nur durch massive Eingriffe in seinem Inneren. Ich habe einen Freund, der kann so etwas. Im Gegensatz zu mir. Und immer, wenn ein Tastengerät sagt: „Ich habe ein Problem. Ich mache mich mal eben aus und dann wieder an, warte so lange.“, hänge ich kurze Zeit später am Telefon und lasse mich retten.
Ich lasse mich sehr gern retten.
Vor allem von ihm. Er hat mich schon gerettet, da war ich noch sehr jung. Und wenn ich heutzutage von ihm gerettet werde, fühle ich mich wieder rank, schlank, hübsch, faltenfrei, ein bisschen durchgeknallt und frei. Dann möchte ich mich auf sein Motorrad setzen, mit ihm durch laue Sommerabende fahren, auf dem Standstreifen stehen bleiben, eine selbstgedrehte Zigarette rauchen, über gelbe Weizenfelder schauen, die aussehen, wie ein gelbes Meer.
Jetzt verliere ich mich in den Erinnerungen. Sehe es genau vor mir, spüre den leichten Wind, der Wellen in die Felder bringt, die Halme biegen sich, es zirpen Grillen und ich kann den Tabak riechen, kann fühlen, wie meine Lunge sich auf den nächsten Zug vorbereitet. Meine Nase weiß noch genau, wie es sich anfühlt, den Rauch langsam herausfließen zu lassen, ohne Hast.
Wir stehen aneinander gelehnt da. Sein Arm über meine Schultern, mein Arm um seine Hüfte. Schweigend.
Habe ich eben noch gearbeitet? Habe ich mich über den Gutfrisierten geärgert?
Wird morgen ein harter Tag?
Stehen, rauchen, nicht allein, das leise Knistern fühlen, im Arm und an den Schultern. Wissen, das es nicht geht. Aber das Jetzt genießen. Es genau so wollen. Nicht weniger. Vielleicht ein bisschen mehr. Ein Ziehen der Sehnsucht.
Hinter den Feldern die Stadt, in der Stadt die Wohnung, in der Wohnung mein Leben.
Noch nicht. Nicht zurück.
Hinter meinen Träumen mein Leben. Noch nicht. Nicht zurück.

Ich habe ein Problem. Ich mache mich mal eben aus und dann wieder an, wartet so lange.