Gestern hatte Killerdog seinen Auftritt auf den großen Bühnen dieser Welt. Er spielte in einem Theaterstück ein …
Ich weiß nicht recht, was er genau war. Aber er war gut. Ganz silbrig grau, mit ernstem Gesicht, sagte er mit drei anderen, die auch so etwas waren wie er, nur in anderen Farben, ein Gedicht, in den restlichen zweieinhalb Stunden tauchte er auf und ab. Höhepunkt war ein mit der Goldenen getanzter Walzer. Ich war begeistert.
Als er einmal ganz still und ernst und bedrohlich hinter einem Sessel stehen musste, da glitt sein Blick über die erste Reihe des Publikums und er erblickte all seine Lieben. Mutter, Vater, Schwester, Bruder, Freundin des Bruders, Freund, alle da. Und seine Gesichtszüge zuckten. Er kämpfte einen heldenhaften Kampf, nicht loszulachen. Und er gewann diesen Kampf. Es war herrlich.
Beim Schlussapplaus ließ ich es mir nicht nehmen, vor Begeisterung auf den Fingern zu pfeifen. Ich pfeife sehr laut. Extrem laut. Wenn ich mit meiner Freundin im Wald spazieren gehe und der Hund gerät auf Abwege, schimpft sie mit mir, wenn ich das Pfeifen nicht ankündige. Sie möchte Zeit haben, sich die Ohren zuzuhalten, weil ihr sonst wieder die Ohren klingeln. Früher bin ich, wenn das Abendessen fertig war, einfach vor die Tür gegangen und habe gepfiffen. Fünf Minuten später waren die Burschen vom Bolzplatz daheim. So ein Pfeifen also.
Als Killerdog dann von der Bühne kam, schaute er mich an, runzelte die Stirn und sagte: „Ich hab`s gehört. Du hast gepfiffen. Da hab ich gedacht, das is meine Muddi…“
Ja, die Muddi. Und es war ihm nicht peinlich. Er wird erwachsen.