Heute widme ich einem Frauenthema.
Das ist nichts für schwache Nerven, darum bitte ich diejenigen, die schwache Nerven haben, für den Rest des Textes, der hoffentlich nicht sehr lang werden wird, etwas anderes zu tun. Ein wenig Trivialliteratur zu lesen, Süßigkeiten zu essen oder einen Spaziergang zu machen. Und erst dann wieder weiter zu lesen, wenn ich mit dem Thema durch bin.

Unfassbar, was ein Körper am anderen Ende der Pubertät für Geschütze auffährt. Eben noch, es ist erst vor Kurzem gewesen, hatte sich meine Gebärmutter entschieden, einmal alle achtundzwanzig bis vierunddreißig Tage abzubluten. Beim ersten Mal, dieses herbeigesehnte erste Mal, denn alle anderen Danielas, Sabines, Sandras, Petras und Sonjas hatten schon längst im Schwimmunterricht und Sportunterricht dümmlich grinsend am Rand gesessen, nur ich nicht und ich wollte auch endlich am Rand sitzen, bei diesem ersten Mal war der Schreck groß und direkt danach gab es Bauchschmerzen, Pickel, schwarze Haare auf den Beinen, all diese herrlichen Begleiterscheinungen der Geschlechtsreife.

Und heute, nur zweiunddreißig Jahre später, warte ich genauso ungeduldig darauf, dass meine Gebärmutter sich vom Ende der Zyklen überzeugt. Das macht ungefähr dreihundertfünfzig Zyklen, die bisher abgeleistet wurden.
In Schwangerschaft und Stillzeit war eine gewisse Zeit Ruhe. Das war nett. Außerdem war danach auch die Pickelproblematik, das Schmerzproblem und die Zuckersucht in Schranken gewiesen. Nur das mit den schwarzen Haaren wurde im Laufe der Zeit immer unkontrollierbarer.
Aber jetzt, kurz vor dem ultimativen Ende der Zyklen, da kommt alles zurück. Pickel, Zucker, Bauchweh bis an die Kniescheibe, es ist erschütternd. Dazu noch eine regelmäßige Kopfschmerzattacke. Und was soll ich sagen, und jetzt wird es wirklich heikel, ich müsste herumwanken wie ein Opfer des Nosferatu. Blass und blutleer. Denn der rote Inhalt meiner Gefäße fließt heraus, dass ich damit einen Splatterfilm in meiner Wäsche filmen könnte. Meine, meine Güte, ist das unerquicklich.
Ich möchte das nicht mehr. Dieses Gefühl von warmen Quellen, die aus meinem Unterkörper sprudeln. Ständig muss ich unter die Dusche.
Und Schmerzen. Ich hasse Schmerzen. Blut und Schmerzen. Damals, zum Anfang, da hätte man mir ehrlicherweise eine Blut-Tränen-Schmerzen-Rede halten müssen.
Sowas wie: Halte durch, wenn du dich dem halben Jahrhundert näherst, ist es immer noch total für den Arsch.
Menstruation, das kraftvolle Frau sein. Zeichen der weiblichen Macht. Papperlapp. Macht und Kraft, gar nicht. Mittlerweile fühle ich mich wie ein ausgelutschter Kaugummi, wenn es wieder so weit ist. Drei Tage vorher heulen wie ein Schlosshund, wobei das im Moment eh nicht auffällt, weil ich sowieso dauernd heule, zwei Tage vorher das dringende Bedürfnis haben, jemandem Gewalt anzutun, einen Tag vorher eine komplette Kuh auf den Grill werfen und verspeisen wollen, wahlweise eine fünf Kilo schwere Tafel Schokolade. Als Zwischenmahlzeit. Und dann der Blutsturz.
Das halte ich nicht mehr aus.
Die sich immer mehr ansammelnden Speckmengen, die dicken Füße, die Müdigkeit.

Ich möchte jetzt nicht mehr.
Es reicht. Wenn das noch drei Jahre weitergeht, dann sind das noch sechsunddreißig weitere Male das Vergnügen der machtvollen-Frausein-Sache.
Völlig überflüssig. Ich verweigere ja die weitere Fortpflanzung, da habe ich mehr als genug geleistet. Ich habe das Recht, jetzt aufzuhören. Muss es denn bis zum völligen Verdörren der Eierstöcke weitergehen? Muss auch noch das letzte Ei gelegt werden?
Das ist nicht notwendig.
Darum meditiere ich mir das jetzt weg.
Ich denke einfach so lange: Ich hab nix! bis ich nix mehr hab.

Das ist wie mit dem riesigen Wasserhahn am Spülbecken in der Küche. Als ich das Ding installiert hatte, erschrak ich schrecklich. Die Küche wurde beherrscht vom Wasserhahn.
Das guckt sich weg, wurde das Küchenmotto.
Und so mache ich das jetzt auch.
Ich guck das weg. Ich meditiere es weg. Ich negiere die Existenz des Zyklus.
Dann habe ich auch die Chance, wieder etwas frischeren Teint zu bekommen.

(Und gerade erzählt im Fernsehen jemand etwas über eine Blutspur, die sich durchs Land zieht. Meine, meine Güte… Sowas kann man doch nicht schreiben.)