Gestern saßen wir am Küchentisch.
Der Tisch, den wir vor über achtzehn Jahren kauften. Einen Tisch zum Ausziehen, damit auch alle Platz haben an Geburtstagen. Direkt an seinem zweiten Tag in unserer Mitte bekam er die ersten Macken. Der Fürst übte rhythmisches Klopfen mit einem Hubschrauber-Rotor-Blatt. Jeder Klopf eine Macke. Und es hat etwas gedauert, bis ich merkte, das sein herrliches Rhythmusgefühl mit der Unversehrtheit der Tischplatte nicht in Einklang stand.
Heute sind viele Macken mehr zu sehen. Und Kratzer. Auch Schnitte von Experten, die Brot ohne Brett schneiden können. Der Tisch hat Geschichte und Patina.
Der Fürst, Killerdog und ich hockten also am Tisch, aßen dies und das, quatschten dummes Zeug und mir schossen, wie so oft in letzter Zeit, die Tränen in die Augen. Es braucht ja nicht viel, heutzutage, um mich zum Heulen zu bringen.

Es war der Gedanke daran, wie klein sie waren. Wie winzig ihre Nasen, wie patschige ihre Hände, wie weich ihre Füße. Wie sie dufteten am Kopf, hinter den Marzipanohren. Wie sie spielten, als sie klein waren. Wie sie aus vollem Herzen, aus ganzer Seele, alles vergessend lachen konnten.
Wie schön es war, mit ihnen. Ihre Freude an diesen winzigen Dingen. Ein gefundenes Schneckenhaus, ein bisschen Fernsehen zu dürfen, gemeinsam spazieren zu gehen.
Eine vorgelesene Geschichte, eine gemeinsam erfundene Geschichte. Glücklich zu sein.

Und war es nicht leicht, sie zu trösten? Ein Kuss, ein Atemhauch, ein Streicheln, ein Festhalten. Ein Blick, der sagte: Ich bin da und ich verstehe dich.
Oder eine kleine Ablenkung.
Schon ging es besser in ihrer Welt. Der Schmerz und die Freude lagen so nah beieinander und wechselten sich schnell ab.

Jetzt sitzen sie am Tisch und ich sehe, dass sie traurig sind. So traurig wie ich. Und alle Küsse und Blicke können die Trauer nicht beseitigen. Sie wissen es und ich weiß es. Das Trösten ist so viel schwerer, heute.