Ein Wochenende liegt hinter mir. Wieviele jetzt noch übrig sind, das kann mir niemand sagen. Aber dieses habe ich auf jeden Fall geschafft.
Und es war ein volles Wochenende. Voll mit Menschen. Ich habe so viele Menschen um mich herum gehabt. Man kann wohl sagen, wie schön. Das lenkt ab. Da bleibt nicht viel Zeit um zu denken.
Aber bei im Schnitt sieben Personen in einem Haus mit fünf Zimmern, knapp über neunzig  Quadratmetern (andere Menschen haben allein in ihrem Wohnzimmer mehr Platz als wir im ganzen Haus), hält sich der Wieschönfaktor in überschaubaren Grenzen.
Person Nummer acht und neun blieben erfreulicher Weise nur kurz. Als sie da waren, habe ich Auster gespielt. Schale zu, auf dem Sessel hocken und mit leerem Blick ins Nichts starren. Damit kann man noch jede Unterhaltung sabotieren.

Platz ist in der kleinsten Hütte, das ist wahr. Aber nicht im kleinsten Bad. Und bekanntlich ist das Bad ein großer Schwachpunkt in unserer Wohn- und Lebenssituation. Für den Fall, dass ich es noch nicht erwähnte, es gibt ein Badezimmer im Haus. Dieses Badezimmer hat exakt, und ich übertreibe nicht und untertreibe auch nicht, zwei Komma fünf Quadratmeter. Man kann auf dem Klo sitzen, die Hände am Waschbecken ausruhen und gleichzeitig die Füße in der Dusche kühl abspülen. Wobei die Dusche ein Sondermaß hat. Siebzig mal siebzig, vorne abgerundet. Und aus der Ecke der Gaube mussten wir ein Stück heraussägen, damit die Tür der Duschkabine überhaupt zu öffnen war.
(An dieser Stelle wollte ich Bildmaterial einsetzen, aber das Handy mit der Kamera hat sich verabschiedet und die echte Kamera weiß wieder nicht, wo ihr Ladekabel ist und außerdem ist das Badezimmer noch keiner Reinigung anheim gefallen, wäre also nicht vorzeigbar.)
Im Grunde bin ich sehr glücklich mit diesem Bad. Es lässt sich zügig putzen, schon wegen seiner Kleine. Es sieht niedlich aus, in seinem Schweinchenrosalook (damals, bei der Kernsanierung, sagte ein lieber Freund, er habe Vorhautassoziationen, die ich aber entschieden zurückwies und ihn des sexualisierten Denkens bezichtigte).
Es ist für mich, mit seinem halbdunklen Beleuchtungskonzept, mitunter wunderbar; ich sehe meine Falten nicht und finde mich immer sehr nett im Spiegel. Andererseits sehe ich die langen. dunklen Haaren am Kinn nicht und bin auf freundliche Hinweise angewiesen.

Es ist jedenfalls der zweitkleinste Raum im Haus. Kleiner ist nur das kleine Klo mit seinen null Komma acht Quadratmetern. Große Menschen zertrümmern sich dort die Kniescheiben beim Schließen der Tür.
Lustigerweise scheint es aber in diesem Badezimmer eine echte Partyszene zu geben.
Mir scheint, dort wird gefeiert, dass die Schwarte kracht. Es werden Klopapierhäppchen gereicht (und gerne genommen, wie der hohe Verbrauch der Papierrollen zeigt), es gibt für jeden Freishampoo und Spülung und zu später Stunde, als Absacker sozusagen, noch den ein oder anderen Liter Duschgel.
Wenn dann alle voll sind, werden noch ein paar Handtücher umeinander geworfen, wie sich das gehört für eine wilde Party. Und der Müll stehen gelassen. Vielleicht gibt es auch Raufereien, bei denen sich die Gäste gegenseitig die Haare ausreißen und in den Abfluss stecken. Genau weiß ich das nicht, ich war noch nie auf einer dieser Partys eingeladen. Ich darf hinterher nur immer sehen, wie es ausschaut. Nach der Party. Wenn ich eine kleine, eigene Privatparty feiern möchte. Unter der Dusche. Und dummerweise nicht vorher durchgecheckt habe, wie der Füllstand der Flaschen an der Bar aussieht. Dann steht man schön nass unter dem fließenden Wasserstrahl und drückt auf eine Shampooflasche. Und außer einem kleinen Furzgeräusch kommt nichts. Beim Duschgel sieht es nicht besser aus. Und die Spülung möchte ich gar nicht zur Sprache bringen.

Ich hatte mir schon kleine Depots angelegt, heimliche Verstecke, wie ein Alkoholiker. Aber die werden immer gefunden. Einziger Vorteil dabei ist, dass ich schon bevor ich unter dem Wasser stehe bemerke, dass die Waschutensilien ausgesoffen sind, wenn ich mir das Waschzeug aus dem Versteck hole.
Es ist ein Kreuz mit diesen Partypeople.

Heute steht somit auf dem Plan:

In den Drogeriemarkt meines Vertrauens fahren, Nachschub besorgen, diesen gut verstecken (auch die Damenhygieneartikel, es scheint, auch damit wird Schindluder getrieben), ein wenig für die allgemeine Reinlichkeit sorgen und zum krönenden Abschluss das U des Abflusses abschrauben und die Seifenhaarkeimbakterienekelpekelschweinerei herauspulen.

Dann ein Erschöpfungsschlaf.