Es ist später Abend, frühe Nacht auf einem Parkplatz nahe der Straßenbahn. Ein paar junge Männer gehen zu einem großen, dunkelblauen Wagen. Es ist ein Familienauto, das sieht man. Ein Auto, mit dem Mütter Kinder zur Schule, zum Ballett oder manchmal sonntagsmorgens um sechs zur Arbeit bringen. Schmucklos, funktional, mit viel Platz für riesige Einkauf.

Später Abend und die jungen Männer albern herum, benehmen sich wie kleine Flachlandgorillas, schlagen sich auf ihre unbehaarten Brüste und vergleichen im übertragenen Sinn ihren Hoseninhalt.
Einer der Kerle setzt sich hinter das Lenkrad des Wagens. Er muss das Auto nach Hause bringen. Sein Auftrag lautet: Um Punkt zwölf steht es vor der heimischen Haustür, sonst verwandelt er sich in einen Kürbis. Der Bursche, nicht das Auto. Darum hat es Cinderella ein kleines bisschen eilig. Es eilig zu haben passt natürlich nicht gut zu einem Flachlandgorilla, die haben alle Zeit der Welt. Aber ein sportlicher Abgang mit dem Auto, der passt auf jeden Fall zu seinem postpubertären Status.

Reingesetzt, noch einmal zu den anderen Gorillas rübergegröhlt, Tür zugeschlagen, die laut piepende Einparkhilfe ausgeschaltet, die lügt doch sowieso mit ihrem hysterischen Gepiepe, da ist doch nichts hinter dem Auto, mit Schwung, Verve und Elan aus der Parklücke herausgeschossen und dann kam es, wie es kommen musste. Man ahnt es schon.
Mit einem hässlichen Knirschen und einem Klirren fährt der junge Mann die Rückseite des Autos irgendwo gegen.
Was war das?, fragt er sich. Und was wird die Mutter sagen?
Seine Kollegen werfen sich auf dem Parkplatz zu Boden, als der Kerl aus dem Auto springt, um es herumrennt und den Schaden begutachtet, den er angerichtet hat. Ach, da war ein Baum? Wirklich? Der war aber vorhin beim Einparken noch nicht da! Wie ist der denn da hingekommen? Der muss doch spontan dort gewachsen sein, der Baum.

Zeitsprung:
Am nächsten Morgen schleicht der Bursche, bevor er auf die Arbeit muss, zu seiner Mutter. Mea culpa, mea maxima culpa murmelt er und hält den Kopf schief. Dann berichtet er von siehe oben.
Die Mutter denkt sich ihren Teil.
Niemand ist verletzt. Außer dem Auto. Das hat eine Blechquetschung, die auf erhöhte Schrittgeschwindigkeit beim Rückwärtsfahren schließen lässt. Und dummerweise ein zerstörtes Rücklicht.
Im Schlafanzug steht die Mutter vor ihrem Auto, denkt an damals, als sie beim Rückwärtsfahren der Einparkhilfe nicht glaubte und gegen das flache, sportliche Auto ihres Herrn Vater fuhr, was sie diesem nie gestand, weil ja auch nichts passiert ist, damals.
Und an Jungs, die sich gegenseitig zum Blödsein anstacheln, weil sie auch mit über achtzehn immer noch hormonverwirrt durch das Leben stolpern.
Der große Bruder, von dem Aufruhr erwacht, kommt herunter, beschaut sich den Schaden, hört sich die Geschichte an und bricht, wie es sich mit zwanzig gehört, vor Lachen zusammen.
Die Mutter schimpft ein bisschen herum. Der Unfallverursacher regt sich ein bisschen auf, dass sein erstes Gehalt für die Reparatur eines Rücklichts draufgehen wird,
Aber ach, was solls.
Der Opa väterlicherseits kommt heute ins Hospiz.
Kein Grund zur Aufregung, das alles.

(Ich plane, das Ordnungsamt zu kontaktieren. Die müssen etwas gegen die marodieren Bäume auf dem Park-and-ride-Parkplatz unternehmen. Geht doch nicht, dass Bäume des Nächtens wehrlose Autos anfallen! Empörend.)