Da klaffen manchmal tiefe Schluchten zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Weil man bestimmte Dinge nicht darf. Sie sind nicht konform mit dem Normalverhalten.
Trotzdem juckt es mich mitunter. Dann möchte ich auf die böse Seite wechseln. Auf die dunkle Seite der Macht.
Dann möchte ich dem Nachbarsmädchen, fünf Jahre alt und immer gut zu hören, gern sagen:
„Hör zu, kleine Dumpfbrumme. Konzentriere dich. Der Hund heißt seit deiner Geburt so. Mit deinen ersten Worten hast du mich gefragt, wie er heißt. Ich habe es dir gesagt. Wieder. Und wieder. Und wieder. Seit sechs Jahren sage ich es dir. Regelmäßig. Was ist los mit dir? Bist du das dämlichste Kind auf dem Planeten? Nicht nur, dass du kreischst, Menschen tyrannisierst, andere Kinder bis zum Heulen kuschonierst, nein, die Frequenz deiner Stimme gleicht einer Kreißsäge auf Speed. Und du bist eine Petze, eine Spielverderberin und frisst zuviele Gummibärchen, weshalb du aussiehst, als wärst du selber eines.
Zum letzen Mal: Der Hund heißt Amy. Merk es dir oder lass es, aber frage mich nie wieder danach. Nie mehr. Sonst nehme ich die Hundeleine, fessle dich im Wald damit an einen Baum und lasse dich da verschimmeln.“
Aber macht man nicht. Die dunkle Seite ist nicht stark genug für echte Taten und Worte.
Darum sage ich meinem Schwiegervater auch nicht:
„Du liegst im Sterben und denkst über dein Geld nach? Ob du tausend Euro mehr oder weniger hast? Und das macht dir Spaß? Jahrelange Abwesenheit im Leben deines ältesten Sohnes? Reaktionäre Sicht auf die Welt? Beziehungskompetenz gleich nullnicht vorhanden? Egal, oder? Hauptsache ist doch, du hast tausend Euro mehr, Dagobert.
Ich finde dich unsympathisch und ja, ich finde dich doof. Weil du doof bist. Und jetzt mach hinne, ich habe keine Zeit mehr.“
Böse. Böseböseböse.

Aber ich bin ja ein Yedi. Darum sage ich nächste Woche wieder, wie der Hund heißt und darum fahre ich ins Hospiz und besuche den Emotionslegastheniker.
Und noch viele andere Dinge.
Aber die dunkle Seite, sie nagt an meinem Herzen.