Sonntagmorgen, ich liege auf meinem Bett. Es ist schon jetzt sehr warm und die Sonne scheint in mein Gesicht. Darum kann ich auch nicht weiterschlafen. Müde genug wäre ich schon, um noch eine Mütze Schlaf zu nehmen, aber der Schlaf von heute ist nicht mehr der Schlaf von früher. Er verändert sich, wird launisch, unberechenbar. Kommt nicht mehr verlässlich daher sondern ist wie ein Besucher, der nicht pünktlich ist. Man weiß sicher, irgendwann erscheint er. An Absprachen und Uhrzeiten hält er sich jedoch nicht. Und wenn er erst einmal da ist, heißt das nicht, dass er auch bleibt.
Durch Sonnenstrahlen lässt er sich vertreiben.
Helligkeit ist sein Feind. Früher war ihm das egal, heute gibt er die Mimose.

Gestern Abend war ich jung und spontan und machte mich auf zu einer musikalischen Darbietung. Zum ersten Mal konnte ich eine Freundin und ihre Band bei einem Auftritt sehen. Und ich muss schon sagen, ich war sehr froh, nicht zur Qualität des Auftritts befragt worden zu sein. Ich hätte gesagt: „Doch, das war klasse. Ich wusste gar nicht, dass du so gut singen kannst…“ und das hätte auch der Wahrheit entsprochen. Aber die Auswahl der gecoverten Lieder, die ließ mich eher ratlos zurück. Brian Adams, Adele, Queen, Beatles und viele mehr und dann zum Schluss noch Marius Müller Westernhagen. Das hat mich vollkommen überfordert. Und weil ich mit einem muskalischen Mann verheiratet bin, der in seiner Musikauswahl gnadenlos ist und allen Mainstream verdammenswert findet, ich darum immer und drei Tage mit Musik beschallt werde, die für ungeübte Ohren mitunter anstrengend ist, in der Gewöhnung früher oder später aber doch zum Mitträllern führen kann, fiel es mir schwer, mich emotional in das musikalische Erleben hineinzuwerfen.

Letztlich egal, denn trotzdem fühlte ich mich wild, weil ich Samstagabend auf der Piste war. Mit erwachsenen Menschen. Die geraucht haben und Alkohol tranken.
Ich war erst um ein Uhr nachts im Bett. Dann kam der Schlaf zügig vorbei, verschwand bedauerlicherweise mit der Morgensonne wieder und so lag ich im Bett herum und las in meinem Buch. Dabei lauschte ich den Geräuschkaskaden neben meinem rechten Ohr, rhythmisch und sonor. Ich verschickte diesen Sound sogar als Schnarchnachricht Sprachnachricht an den Erzeuger und warte jetzt, dass er mal auf sein Handy schaut.

Nacheinander wurden auch die anderen Mitbewohner von der Sonne wachgekitzelt und irgendwann lag das Wolkenköpfchen dann neben mir und wir plauderten. Ich erzählte von dem gestrigen Abend und dass meine Freundinnen gern im Oktober mitkommen möchten, wenn der Gutfrisierte mit seiner Band auch ein Konzert haben wird. Und wir überlegten, ob es eine gute Idee wäre, die Freundinnen ungewarnt in das Konzert stolpern zu lassen oder ob ein Wort der Warnung angebracht sei. Der Gutfrisierte meinte dazu: „Kostet fünfzehn Euro Eintritt.“, woraufhin ich einwarf: „Gibt`s keine Gästeliste?“
„Weiß ich noch nicht. Muss ich mal fragen.“
Das Wolkenköpfchen sagte: „Fünfzehn Euro? Papa, wir sind doch deine Verwandten, da wollen wir nix bezahlen!“
Dann fuchtelte und zählte sie an ihren Fingern herum.
„Also fünfzehn Euro, da könnte ich… in der Eisdiele… warte,…. zweiviersechsachtzehn… ich könnte dreizehn oder vierzehn Kugeln Eis dafür kaufen!“
„Wolkenköpfchen?“
Ich schaute sie erstaunt an.
„Ja?“
Du weißt schon, dass in der Eisdiele eine Kugel einen Euro kostet. Oder?“
„Ja.“
„Und wieviele Kugeln Eis bekommt man dann für fünnfzehn Euro?“
Schweigen, klackern im Kopf und dann:
„Oh Mama, mach doch was!!! Bitte!“
Das Kind hat eine offizielle anerkannte Diskalkulie. Und wenn sie es merkt, schlägt sie sich vor den Kopf und wundert sich.
Nachdem ich mich fünf Minuten später beruhigt hatte und nicht mehr lachen musste, strich ich ihr tröstend über das wirre Haar und sagte:
„Hauptsache, du kannst tanzen.“

Und jetzt bleibe ich noch ein bisschen auf dem Bett liegen, fühle weiter meine schweren Augenlider und vielleicht kommt er doch noch auf ein Stündchen vorbei, der Schlaf. Dann träume ich von tanzenden Zahlen, die sich zu schlechter Musik mit Eiswaffeln in der Hand in den Hüften wiegen und laute Geräusche in den Sommerhimmel pusten.