Wenn die alle fertig sind mit der Schule, dann mache ich…, dann…, ich mache dann…, keine Ahnung, was ich dann mache. Ein Fass auf. Eine Party. Eine Stoßseufzerarie.
Auf jeden Fall werde ich in Jubelschreie ausbrechen.

Schon meine eigene Schulzeit empfand ich als belastend. Ich war nur in den ersten Jahren mit Begeisterung dabei. In der Grundschule fand ich es noch ganz schick. Ich war in Rechnen und Schreiben gut, im Lesen sogar sehr gut. Ja, erfolgreich zu sein war mir da noch nicht fremd. Das kam später, aber dann mit Macht und Gewalt. Misserfolg wurde mein zweiter Vorname. Ich weiß zwar heute, woran es lag, was es jedoch nicht besser macht.
Gedemütigt wurde ich mit der Behauptung, ich sei faul. Und ich wolle nicht. Allein, ich konnte nicht. Die Sachen wollten nicht in meinen Kopf hinein. Oder sie wollten sich nicht auf den Punkt genau wieder hervorbrechen lassen. Hausaufgaben habe ich auch nicht gemacht. Ich war sehr beschäftigt, damals. Mit anderen Dingen. Schulfremde Interessen. Und mit dieser Grundeinstellung und Konstellation habe ich mir immerhin irgendwie ein Fachabitur zusammengeschustert. Mit einem eher mäßigen Schnitt.

In den letzten fünfzehn Jahren dann habe ich mich, was meine schulischen Leistungen angeht, aber enorm verbessert. Ich habe das ein oder andere Referat ergänzend bearbeitet, habe sehr viele Vokabeln aufgefrischt, mich in Mathematik enorm weiter entwickelt, kurz, ich habe meinen Blagen neben dem regulären Schulunterricht mit Homeschooling eine Menge Freude bereitet.
Und mich dabei andauernd gewundert, wieso aus mir überhaupt irgendetwas werden konnte. Warum ich nicht als Totalversager strunzendumm bei Vormittagsfernsehen auf dem Sofa hänge. Offensichtlich ist doch mehr aus meinen Schülertagen im Kopf geblieben als ursprünglich vermutet.
Vieles lässt sich ausgraben. Und ich wundere mich, dass ich wirklich etwas gelernt habe, in der Schule. Nur, ich suche diese Sachen in meinem Hirn allein deshalb heraus, weil meine lieben Kinderchen jetzt, schlappe paarunddreißig Jahre später den gleichen Bullshit Unterrichtsinhalt verinnerlichen sollen. Wäre es nicht nötig, dieses untergetauchte Wissen für sie zu reaktivieren, ich hätte niemals mehr in meinem Leben den Kontakt zum guten alten Pythagoras aufgenommen. Oder den binomischen Formen. Auch das Transferieren von Sätzen:
My mother will give me a Snickers. A Snickers will be given to me by my mother.
wäre mir nimmermehr in den Sinn gekommen.
Oder U gleich R mal I. Und von den kleinen Flitzedingern, die um den Atomkern kreisen und dabei jodelnd ihre Ladung zeigen, möchte ich gar nicht sprechen.
Die hatte ich gut weggeschlossen. Und jetzt weiß endlich, wofür ich den ganzen Scheiß wertvollen Stoff gelernt habe.
Wobei die Aussage: Nicht für die Schule lernt ihr, ihr lernt fürs Leben! von mir so nicht stehengelassen werden kann.

Ich habe nicht fürs Leben gelernt, ich habe auch nicht für mich gelernt. Den Kram, den ich in der Schule gelernt habe, den habe ich gelernt, damit ich heute meinen Kindern helfen kann, ihn zu lernen, damit sie ihren Kindern später helfen können, ihn zu lernen, damit diese ihren Kindern später helfen können, ihn zu  lernen, damit…..

Kommt mir jedenfalls so vor. Oder hat irgendwer heute die Höhe eines Baumes anhand seines Winkels vom Schatten um drei Uhr nachmittags berechnet?
Nein?
Doch? Und? In welche Klasse geht das Kind, das dabei Hilfe brauchte?