Eigentlich putze ich gerade. Habe den Teppich gekämmt. Der Staubsauger schafft das Aufkommen der Hundehaare nicht, es bedarf der manuellen Nachbereitung, wenn man nicht irgendwann einen Hundehaarteppich haben möchte.
Wenn der Hund einmal nicht mehr ist, geht der Teppich mit ihm. Denn, seien wir ehrlich, Haushalte, in denen sich ein Hund befindet, sind immer ein bisschen eklig. Denn Hunde fressen auch das, was andere Tiere aus ihren Körperöffnungen herauslassen. Vorn wie hinten. Oder sie legen sich rein. Und sie riechen. Ein Hundehaushalt ist sicher kein Hort der Reinlichkeit. Zumindest dieser hier hat deutliche Probleme mit Haaren, Sand und Unausprechlichkeiten.

Und wenn die Burschen bald aus dem Haus sind, dann brechen hier sowieso Zeiten der Sauberkeit an. Dann wird das Bad ein tägliches Erfreunis für mich sein, es wird nach meinem Verlassen ordentlich sein und bei meinem erneuten Betreten wird es immer noch ordentlich sein.
Sogar der Gutfrisierte empörte sich gestern Abend über die Gepflogenheiten, die in diesem Badezimmer praktiziert werden.
Handtücher liegen überall. Hängen haben sie verlernt. Handtuchhaken dienen nur dem Staubfang.
Und mittlerweile ist es ja so, dass sich drei Personen Haare aus dem Gesicht rasieren müssen. Manch einer rasiert sich auch dies und das vom Kopf. Auch beim männlichen Geschlecht geht der Trend zur haarlosen Achsel.
(Wobei ich heute vermutlich den Allgemeinmediziner beim Checkup mit haariger Achsel erschreckte, hatte ich doch nicht damit gerechnet, dass er auch dort nach Leberflecken sucht und ihm so einen feinen Blick auf die Herbstbehaarung ermöglicht.)
Wer kann sich schon vorstellen, wie ein Bad aussieht, dass von drei Rasurpflichtigen benutzt wird?
Ich möchte mir das nicht vorstellen, weil ich es ständig in der Realität sehen muss. Ich möchte meine Phantasie frei halten von solchem Greuel.

Warum schreibe ich das?
Weil ich schlicht und ergreifend keinen Bock mehr habe zu putzen. Lieber möchte ich schreiben. Und zwar täglich. Das wäre fein. Nicht nur hier und da ein gestohlenes Viertelstündchen, nein, ich möchte einmal so lange schreiben, wie ich schreiben möchte, ohne dass mir etwas oder jemand im Nacken sitzt.
Aber vielleicht ist es nicht nur all das, was in meinem Nacken hockt und leise flüstert und an meinen Synapsen zieht. Vielleicht ist es auch Traurigkeit.
Was ich ganz sicher weiß, das ist meine Sehnsucht.
Die Sehnsucht weiß ich.

Die Sehnsucht nach dem warmen Sommertag. Ich trage ein leichtes Kleid, der Wind spielt auf meiner Haut und mit meinem Haar. Mein Mund klebt von Eis und ich fahre mit meinem gelben Klapprad schnell. Und schneller. Die Sonne scheint für immer und ich lasse den Lenker los. Kurz nur, wenige Meter. Das erste Mal fahren ohne die Hände. Und ein unbändiges Lachen steigt auf. Was für ein Glück. Unendliches Glück. Über diesen Moment.