Es wäre absolut entzückend, wenn jetzt jemand käme und die Kartoffeln aus dem Keller holen würde. Und den großen Topf.
Dann ein paar Zwiebeln schälen und schneiden. Käse reiben.
Gleich noch einmal in den Keller stiefeln und die Auflaufform heraufholen würde.

In der Zwischenzeit würde ich genüsslich auf dem Sofa liegen bleiben. Meinem schönen, orangefarbenen Herumliegemöbel mit den Kissen und der warmen Wolldecke. Dabei täte ich ein paar Seiten lesen.
Und hin und wieder würde ich darum bitten, dass mir ein Stück Mozzarella vorbeigebracht würde. Oder eine Scheibe Tomate. Nein, am Besten beides zusammen.

Außerdem würde derjenige auch für Ruhe sorgen und ich würde mir diese Musik nicht mehr anhören müssen, dieses mumpfegstampfte, nichtssagende Geschepper.
Wie schön das wäre.

In der Wirklichkeit liege ich auf dem Sofa, es scheppert und stampft und ich lese nichts, ich diskutiere mit mir herum, dass ich jetzt eigentlich in den Keller gehen müsste, um all die Utensilien heraufzuholen, mit deren Hilfe ich eine schmackhafte Mahlzeit zubereiten sollte.
Und es kommt niemand. Das heißt, ich muss es selbst tun, wenn ich einen Kartoffelauflauf haben möchte. Wie ernüchternd.
Immer wieder schleicht sich der Gedanke in meinen Kopf, den ich früher, vor ein paar Jahren noch, niemals hatte, dafür heutzutage im fünf Minuten Rhythmus.

„Lass doch sein. Ist eh egal.“

Ich finde das nicht gut von mir. Ich meine, damals, da gab es gar keine Diskussion. Da habe ich gekocht und war mit mir im Einklang. Was ist passiert, dass ich das Kochen genauso verabscheuungswürdig finde, wie Staub zu saugen? Oder Fenster zu putzen? Oder Wäsche zu waschen?
War es lange Zeit genau das, was ich tun wollte, hasse ich es jetzt. Wirklich. Es ist nicht so, dass ich es nicht leiden kann, dieses ganze Gehausfraue. Nein. Ich hasse es regelrecht.
Vielleicht liegt es daran, dass es endlos ist. Dass man niemals fertig ist. Dass man immer wieder von vorn anfängt. Und wieder und wieder und wieder.
Gerade ist alles blank und reinlich, man fällt erschöpft von all der Arbeit des Reinlichkeitherbeiführens erschöpft danieder und kaum hat man sich versehen, sind im Klo schon wieder unappetitliche Streifen. Mitten in die Hausarbeit, die Putzarbeit, hineingeschissen.
Vielleicht ist es die Tatsache, dass ein Großteil der Arbeit nicht durch mein Leben sondern durch das Leben anderer verursacht wird.
Ich weiß nämlich durchaus eine Klobürste zu verwenden. Würde ich nur meinen eigenen Dreck entsorgen, meinen eigenen Hunger stillen, dann wäre es anders.

Aber möglicherweise, ganz eventuell, vielleicht, wäre es auch anders, wenn hier, in diesem Haus, in meinem Umfeld endlich einmal jemand
DANKE
sagen würde, verdammte Scheiße nochmal.
DANKE, dass du gekocht hast, DANKE, dass du aufgeräumt hast, DANKE, dass du aufgeräumt hast, DANKEDANKEDANKE.

Bitte.

Ich meine, auf der Arbeit geht das doch auch. Meine Chefin hat heute, als ich die Jacke anzog und ich mich auf den Weg nach Hause machte, einfach gesagt: Danke. Für deine Arbeit.
Und die bezahlt mich noch dazu für selbige.

Aber hier? Zuhause? Danke sagen?
Never.
Für was denn? Es erscheint doch so, als wäre es meine verfluchte Pflicht, den ganzen Scheiß zu managen.
Dafür darf man keinen Dank erwarten. Und von den eigenen Kindern schon gar nicht. Die haben schließlich nicht darum gebeten, geboren zu werden. Kinder müssen nicht dankbar sein. Nein. Ich muss dankbar sein, dass sie mich mit ihrer Anwesenheit beehren. Dass sie sich in mein Leben gezeckt haben und mir mitunter den letzten Energietropfen aussaugen.
DANKE, MEINE LIEBEN, DANKE DAFÜR!!

Hui, ganz schlechte Laune heute. Ganz schlechte Laune.