Im Zuge meines gestrigen Wutanfalls über dies und das, den Haushalt betreffend, kam es heute früh zu einer Überfüllung des Fasses. Das ist ja manchmal so. Man kompensiert und kompensiert und ganz plötzlich tut es einen Knall und alle Kompensation schert sich zum Teufel.
Dann entfällt jede Hemmung und das entstehende Reiz-Reaktions-Schema lässt sich ausgiebig bewundern.

So geschehen, als ich heute morgen das Badezimmer betrat. Und leider brannte mir genau zwei hundertstel Sekunden später die Sicherung durch.
Es lagen wieder einmal Handtücher auf dem Boden und im Waschbecken klebte Zahnpasta und der Klodeckel war sperrangelweit geöffnet.

Mein Blick nahm all das zur Kenntnis und schon war es geschehen. Ich eskalierte. Ich schäumte. Ich randalierte. Ich putzte. Meine Zähne. Dabei spuckte ich die Zahnpasta-Spucke-Suppe quer durch das Waschbecken. Danach verteilte ich flüssige Seife. Auch auf dem Wasserhahn. Ich warf alle anderen im Bad befindlichen Handtücher zu Boden (Purche) und trampelte wutschnaubend darauf herum. Ich zeterte und blökte. Es hörte niemand, denn ich war allein zuhaus.
Ich warf mit Bürsten herum, wickelte die Klopapierrolle ab und warf damit um mich. Ich verteilte Rasierschaumdosen und Haarklebemittel, ich bürstete mein Haar und ließ die ausgefallenen im Waschbecken liegen.

Kurz, ich veranstaltete unter lautem Geschrei ein furchterregendes Chaos.

Dann spuckte ich noch an den Spiegel, ging hinunter in die Küche, nahm einen Zettel, ein Stück Klebeband und einen dicken, schwarzen Stift.
Den Zettel pappte ich an die Badezimmertür, mit dem Stift schrieb ich darauf die Worte:
JETZT IST ES ERST RICHTIG GEMÜTLICH.

Anschließend zog ich mir die Schuhe an, ging mit dem Hund in den Wald, kam, wieder zurück, ging einkaufen und legte mich auf mein Sofa, mit dem Laptop und verfiel in stupides Glotzen einer völlig hirn- und sinnlosen Serie.

Nach und nach trudelten die Mitbewohner ein. Ich ignorierte. Und schaute. Und mein Reiz-Reaktions-Schema war bei null Komma nichts angekommen.
Ich ging, wenn ich musste, nicht ins Bad sondern in das Zwergenklo im Flur.

Aber vor ein paar Minuten interessierte es mich doch, wie es wohl im Bad aussehen mochte.

Nun.
Es lagen nur noch zwei Handtücher am Boden. Das Waschbecken war sauber und das Klo geschlossen. Das Klopapier war aufgerollt, Bürsten und andere Utensilien lagen an dafür vorgesehenen Orten. Der Zettel lag auf der Treppe.

Freue ich mich jetzt darüber?
Nicht richtig, ich bin viel zu erschöpft von meinem kreativen Akt der Zerstörung vom Morgen. Vielleicht kommt die große Freude am nächsten Tag…