Waren das noch Zeiten, als mir dauernd kalt war. Ich habe gefröstelt und gefroren. Ich trug ab September zwei Paar Socken gleichzeitig und übereinander, ich war ganzjährig in Schals gewickelt.
Wolljacken, Wollsocken, Heizung auf fünf und bitte zwei Wärmflaschen für das Schlafengehen, damit es auch wirklich warm werden konnte im Bett, unter einer doppelten Bettdecke und ab Oktober eine Wolldecke gratis oben drüber.

Waren das noch Zeiten, als ich meine eiseskalten Hände in Fäustlinge steckte, ab November, oder anderen Menschen den Auftrag erteilte, meine Finger zu wärmen und aufzutauen, wenn sie fast steifgefroren waren.

Welch ein Glück erlebte ich, als Schritt für Schritt die Fenster ausgetauscht wurden. Als wir das Haus zum ersten Mal sahen, war ich erstaunt darüber, dass es in diesem Jahrtausend noch einfach verglaste Fenster gab. In den ersten Jahren bin ich im Dezember, Januar und Februar morgens mit dem Eiskratzer aus dem Auto durch das Haus gelaufen und habe wundervolle Eisblumen gepflückt von den Fenstern abgeschabt.
Ich habe Moltodingenskirchen in jede Fensterritze geklebt und ausrangierte Stillkissen vor klaffende Spalten an Türen gelegt. Trotzdem zog gern ein kühler Wind durch die Räume. Von Vorteil war, dass man nicht lüften musste. Das Haus lüftete sich selbst.
Aber als mir das Wasser auf dem Nachttisch zufror und ich mich die ganze Nacht nicht bewegen konnte, weil mir im Falle eines unter Decke hervorlugenden Fußes selbiger abgefroren wäre, da wollte ich doppelte Scheiben. Und weniger Durchzug. Und so kam es zu neuen Fenstern. Hier mal eines, da mal eines.

Und dann kam der Kamin. Er heizte das Wohnzimmer in null Komma nichts auf schlappe sechsundzwanzig Grad auf und ich fühlte mich wohlig warm.
Waren das schöne Zeiten. Ich genoß es, ein klein wenig weniger zu schlottern und zu bibbern.

Heute fragte mich der Gutfrisierte:
„Ist dir auch so frisch? Ich glaube, ich mache den Kamin an.“
Und ich wollte sofort das Fenster aufreißen und laut schreien.
„Ach, es ist doch gar nicht so kalt. Guck mal, draußen scheint doch sogar die Sonne, alles ist gut.“
„Mir ist kalt. Fühl mal.“
Ich nahm seine klammen Fingerchen in meine und donnernd brach sich die Erkenntnis Bahn.

Ich brauche kaum noch eine Wärmflasche, ich brauche keine Wolldecke, ich brauche nur ein Paar Strümpfe, ich habe keine kalten Hände mehr und mein Hintern, der früher selbst im August kühl war, ist gut gewärmt.
Ein Wohnzimmer mit sechsundzwanzig Grad macht mich wild. Dann winde ich mich auf dem Teppich und zerfließe.
Mir ist warm. Warm, warm, warm.
Ich laufe mit dem Hund durch den Wald und reiße mir die Jacke vom Leib.
Ich sitze auf der Couch, profühlaktisch prophylaktisch eine Wolldecke auf den Beinen, nach zwei Minuten liegt die Wolldecke am Boden.
Heißer Tee? Warmer Kakao? Wintersuppen?
Lieber ein Eis.

Waren das noch Zeiten. Wollsocken im Juli. Vorbei.
Im Moment befinde ich mich in der Phase des inneren Ofens. Die Hexe hat ihn in mir angefacht und da bollert er nun. Meine Hände sind warm bis heiß, ich kann im November ohne Socken herumlaufen und wenn ich mich bewege, dann wird es noch viel wärmer.

Interessante Sache. Gewöhnungsbedürftig.
Die Klimaerwärmung bei mir? Läuft.