Momente im Leben, in denen man sich wünscht, eine alleinstehende Dame in einem Zweizimmerappartement zu sein. Alleinstehend.
Genau dann muss man sich nämlich das entsetzliche Liebesgeturtel in der Küche nicht anhören. Gut. Sie müssen essen. Das verstehe ich.
So wie sie schlafen müssen. Und trinken. Und auf die Toilette gehen, das müssen sie auch.

ABER: Sie müssen nicht sprechen. Nein. Und gackern auch nicht. Ich sehe schon immer noch ein gewisses Maß an Verantwortung bei mir. Dass sie nicht verhungern, verdursten oder sich sonst irgendwie umbringen. Das ist halt so drin. Gelernt in den vergangenen einundzwanzig Jahren.
Diesen spätpubertären Redeschwall auszuhalten gehört definitiv nicht zu dem, was ich noch im Programm habe. Darum sitze ich auf der Couch, die nun einmal nicht so weit von der Küche entfernt ist, weshalb ich auch jedes Wort dieser völlig sinnentleerten Äußerungen mithören muss und ramme mir meine Fingernägel in die Handflächen, bis es fast blutet, nur, damit ich mit dem Schmerz die auditiven Reize überlagern kann.
Leider klappt es nicht. Und darum möchte ich etwas zerstören.

War ich auch so?
Habe ich jemals so ein Verhalten und solche Verbalausschüttungen an den Tag gelegt?
Ich erinnere mich nicht daran. Zum Glück.
Sollte ich so gewesen sein, bitte ich hiermit das Universum um Vergebung und Verzeihung.
Wenn ich nicht so war, dann:
Die Jugend von heute, grauenhaft.
Dialoge zum Weinen und Kreischen.

(Frau Lavendel im Alter von gefühlt achtundachzig Komma acht)

EDIT:

ALS NACHSCHLAG GAB ES VOM GUTFRISIERTEN EINE SCHALLPLATTE MIT KLANGCOLLAGEN.
DIALOG:
ICH: SOLANGSAMNERVTESSEHR, MEIN SCHATZ
ER: SO WAS HÖRT MAN VIEL ZU SELTEN.
ICH: SO WAS KANN MAN NICHT SELTEN GENUG HÖREN…

JETZT WEITER GEGEN MORDGELÜSTE ANKÄMPFEN… UND VON GETRENNTEN WOHNZIMMERN TRÄUMEN.

(Und komm mir keiner mit Kopfhörern, alles schon versucht, Kopfhörer klingen nicht schön genug.)