Manchmal komme ich jetzt im Dunkeln nach Hause. Oder im Dämmerlicht. Das ist zur Zeit nicht sehr schwer und lässt nicht auf einen ausschweifenden Lebenswandel schließen, bei dem man bis tief in die Nacht herumlebt und trinkt und feiert. Es reicht, die Zeit zu verbummeln und erst um sechzehn Uhr vierzig zusammenzuzucken und zu denken: Oha, der Hund war noch nicht draußen. Und weil just dann auch kein anderer Zeit hat, zwiebelt man sich ein, geht in den Wald und gleich auch wieder raus, weil es eben schon langsam dunkel wird, um diese Zeit. Und in der Dämmerung sind gern die Wildsauen unterwegs.
Die Begegnung mit einer ganzen Rotte in den frühen Stunden des Spätsommers steckt mir noch heute in den Knochen. Der Hund wollte sehr gern mit ihnen spielen, die Schweinchen waren aber nicht in Spiellaune. Der Hund rief ihnen noch „Langweiler“ hinterher, aber dann folgte er mir doch auf meinem zügigen Rückweg.

Dämmerig bis dunkel also, wenn ich nach Hause kommen.
Und dann stehe ich vorm Haus und schaue. Helle Fenster, warmes Licht, es sieht wirklich sehr gemütlich aus, das Haus, wenn man im Dustern davor steht.
Durch das Küchenfenster sieht man den alten Küchenschrank, auf dem alte holländische Blechbüchsen und eine hölzerne Kaffeemühle stehen. Sehr hübsch. Durch das Wohnzimmerfenster sieht man die große Bogenstehlampe. Gut, groß ist eine Übertreibung, aber in Anbetracht der Raumgröße ist die kleine Lampe eine ganz Große.
Daneben das Klavier, darüber das Ölbild mit den Fischerbooten (warum keine Berge? Fragt mal den Gutfrisierten nach seiner Herkunft!), es wirkt sehr heimelig, wenn man von außen schaut.
Auch weil die Dunkelheit die etwas schäbige Fassade versteckt. Und das umliegende Gerümpel.

An der Haustür befindet sich ein alte Lampe. Sie wurde bei der Enstehung schon dort hingehängt, glaube ich. Es ist also eine altehrwürdige Lampe aus den frühen Fünfzigern. Auf Betreiben des Gutfrisierten wurde eine Energiesparlampe eingeschraubt, die nun auch schon seit bald zwölf Jahren dort die Dunkelheit vertreibt. Das ist für eine Lampe eine lange Zeit. Aber ich glaube nicht, dass es der Lampe geschuldet ist.
Warum hat man eine Lampe an der Tür? Damit man, wenn man in der Dunkelheit nach Hause kommt und niemand darin ist, der schon einmal die gemütliche Beleuchtung angeschaltet hat und den man herbeiklingeln könnte, das verdammte Schlüsselloch findet und nicht rumstochert wie ein XXXXXXXXX in einer XXXXXXXXX (zensiert wegen Untauglichkeit) und herumtasten muss, um den Schlüssel in die dafür vorgesehene Öffnung zu versenken, was sowieso recht schwierig ist, weil bei unserem Schloss der Schlüssel falsch herum reingehört und es dann noch klemmt, man also ruckelt und zuckelt, bis endlich die Türe aufgeht.
Wie gut, wenn dann das Licht, das Eingangslicht der optischen Orientierung behilflich ist. Außerdem ist dieses Licht immer auch das Zeichen, da fehlt noch einer. Es sind noch nicht alle im Haus, wir warten noch, bis die kleine Familienherde vollzählig ist und dann knipsen wir aus.

Nicht so der Gutfrisierte. Er knipst aus. Egal wie, wer, was, wo. Das Eingangslicht wird gelöscht, sobald er bemerkt, dass es brennt.
Ob ich nun gerade durch die Dunkelheit wanke, den Hund an meiner Seite, ob ich von einem Abend mit Freundinnen fettgefressen durch den Vorgarten walze und den Schlüssel schon in der Hand habe, ob ein Bursche trunken von einer Veranstaltung den Weg nach Hause findet, alles egal. Licht aus.

Wofür hängt denn diese Lampe da, wenn nicht zur Verkündung: Wir warten auf dich! Wir freuen uns, wenn du wieder kommst!
Ich bin sicher, es bringt Unglück, das Licht auszumachen, solange nicht alle da sind.
Das ist dem Gutfrisierten wurscht und er knipst. Aus.
Aber ich knipse auch. An.
Somit liefern wir uns ein Knipsgefecht.
Wenn ich nicht gerade diejenige bin, die draußen steht. Wie oft habe ich schon geflucht und neben die Treppe ins Beet gespuckt vor Wut, weil ich rumgestochert habe wieXXXXX. Manchmal hilft das Licht der Nachbarin, die hat auch eins, das viel heller ist. Da kann man schon profitieren.
Aber die macht eben auch aus, wenn ihr Laden voll ist.
Es wurde extra eine Energiesparlampe genommen, weil man ja die Außenbeleuchtung „… auch mal etwas länger…“ brennen lässt, hat er gesagt, als ich mich beschwerte, es würde funzeln. „Die braucht eben ein bisschen länger, bis sie hell ist.“
Nur hat sie hier überhaupt keine Chance, etwas heller zu werden, weil sie nicht lange genug leuchten darf. Es sei denn… ja, es sei denn, ich warte, bis der Lampenheld sich ins Bett gelegt hat und dort seinem Job, der Schnarcherei, nachgeht. Dann schleiche ich zum Lichtschalter, einen Knips, erst Gefunzel und später Beleuchtung, damit meine großen Kinderchen wissen, ich warte auf sie. Auch wenn ich heutzutage in der Regel einfach schon schlafe, weil immer und ewig auf die zu warten, jahrelang, das packe ich nicht mehr.
Wird schon gut gehen, die werden es schon immer nach Hause schaffen.

WENN DIESE VERDAMMTE LAMPE BRENNT!