Auerhähne hacken sich bei ihrem Balzkampf in die roten Pöppel über den Augen. Und das Huhn schaut zu und wartet ab, wer sich am Besten schlägt und Vater ihrer Küken werden könnte. Es sei denn, die Burschen hacken zu lange, dann verliert sie die Geduld und macht sich vom Acker.
Die Moschus-Ochsen knallen mit ihren Kopfplatten aneinander um zu klären, wer sich vermehren darf und wer nicht. Mit fünfzig Stundenkilometern rennen sie gegeneinander und wer nicht mehr kann, entschwindet. Bei Bären läuft das auch nicht viel anders. Die Bären stellen sich auf die Hinterbeine, schubsen sich hin und her, langen ordentlich zu und wollen sich interessant machen bei der Bärendame.

Und warum tun die das?
Testorsteron.
Elche, Hirsche, Wölfe, egal wer, die entsprechenden Männchen bekommen eine Testosteronvermehrung und schon geht sie los, die wilde Balz.

Ja, ich bin immer noch sehr kränklich und zu nichts zu gebrauchen, außer auf einen Bildschirm zu schauen. Und mittlerweile ist es sogar so weit, dass ich mir fast ausschließlich Dokumentationen reinziehe. Gern auch über Tiere in Europa. Oder die Nordsee von oben. Was mir im Gedächtnis bleibt, neben sexualisierten Rotbauchunken und der Tatsache, dass Elchmänner sich jedes Jahre ein neues und möglichst imposantes Geweih wachsen lassen um zu zeigen, dass sie den Größten haben der Tollste sind, ist eben das männliche Prinzip in der Natur. Und wie von selbst läuft in meinem Kopf die Übertragung auf menschlich-männliche Verhaltensweisen.
Da kommt mir mitunter der Gedanke: Ist doch alles kein Wunder.
Hormone. Darum ist das so schwer für Jungs, heutzutage. Die dürfen ja gar nicht machen, was ihnen die Hormone eigentlich eingeben. Nämlich anderen so richtig eins auf die Fresse geben. Das ist nicht mehr salonfähig. Ich persönlich finde das auch nicht gut, wenn archaisch aufeinander eingedroschen wird. Aber ich frage mich schon, was macht das aus männlichen Menschen, wenn sie immer entgegen ihren hormonellen Befehlen leben müssen.
Ist ja alles nicht so einfach.
Wobei in der Tierwelt ja nicht das ganze Jahr über randaliert wird, sondern in der Brunftzeit.
Und jetzt komme ich an den Kern meiner Überlegung. Vielleicht sollten die Vereinigten Staaten mal über die Terminplanung ihrer Präsidentenwahl nachdenken. Kann ja sein, dass die Wahl genau in der Brunftzeit stattfindet. Würde mir einiges erklären.

 

Vielleicht sollte man diese ganz ursprünglichen Dinge auch im Kopf haben, wenn man sich über Verhaltensweisen der männlichen Mitbewohner und Lebenspartner echauffiert. Wenn man es nüchtern betrachtet: Die Balz ist gelaufen, die Brut ist großgezogen, warum sollte sich das Männchen noch ins Zeug legen? Aufwändige Tänze? Umgarnen und interessant machen? Wofür? Ist doch völlig sinnlos, jetzt. Heute muss man froh sein, wenn man nicht einfach sterben gelassen wird, sondern hin und wieder jemand gucken kommt, ob man noch atmet.

Und im Juni blüht die Glockenheide.

 

(Edit:
Nur fünf Minuten nach Fertigstellung dieses Posts erreicht mich ein Foto vom Wolkenköpfchen aus dem Zug, dazu die Frage, warum manche Männer solche Schuhe tragen:

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Und? Warum wohl? Genau.)