Jetzt isser fuffzich.
Der Gutfrisierte hatte gestern Geburtstag und das ist doch der richtige Moment, kurz inne zu halten und ein bisschen zu sinnieren. In trauter Runde, alle noch ein bisschen bleichgesichtig von den Viren der vergangenen vier Wochen, bekannte er, dass er sich nun mit fuffzich auch nicht anders fühlen würde, als damals. Mit dreißig.
Woraufhin der Fürst ihm sagte, dass man so einen schleichenden Verfall nicht unbedingt wahrnehmen würde. Daraufhin musste ich ein heftiges Kichern unter den Tisch fegen, wollte ich doch dem Gutfrisierten diesen Tag nicht anstrengender machen, als er eh schon war.
Ich gab dann frei von der Leber weg zu, dass ich mich in den Dreißigern doch deutlich besser gefühlt habe als heutzutage. Wobei heutzutage dem Virus geschuldet grundsätzlich nicht gut ist und tendenziell ein großes Potential an „Das wird wieder“ beinhaltet.
Gut, in den Dreißigern war ich oft krank. Alles, was der Kindergarten im Programm hatte, warf mich in die Kissen. MagenDarm, grippale Infekte, Scharlach und als absolutes Highlight eine richtig fetzige Pneumonie, die mich für drei Monate aus der Kurve warf. Da hätte ich fast ins Krankenhaus gemusst. Fast. Aber ich wollte lieber zuhause sterben. Außerdem hatten die Kinder die Pneumonie auch, kamen nur besser klar damit. Der Gutfrisierte lief dreimal täglich mit der Schlangensaftflasche an den Krankenbetten vorbei und jeder bekam ein Löffelchen. Und ich bekam auch noch Senfmehlwickel und Wärmflaschen als Extraprogramm.
Der Gutfrisierte war und ist wirklich von erstaunlicher Gesundheit. Darauf bin ich manchmal neidisch.
Und er hat das Fuffzich-Ding jetzt hinter sich. Er hat es mit ruhiger Gelassenheit hingenommen. Das dicke Prinz Pilsken, wo jetzt König von Holland ist, hat gesagt, fuffzig ist wie dreißig, in dieser Zeit. Weil er auch demnächst Geburtstag hat und fuffzich wird.
Von seinen fuffzich Jahren hat der Gutfrisierte bald dreißig mit mir verbracht, mal mehr, mal weniger. Zarte Zwanzig war er, als wir das erste Mal geknutscht haben. Seine Haare haben in der Zeit die Farbe gewechselt, das Gesicht einige Fältchen und Falten bekommen, sein Körper ein wenig Spannkraft eingebüßt, aber irgendwie ist er doch der, der er immer war.
Und wenn wir uns gegenüber sitzen am Tisch, dann gibt es Momente, in denen denke ich: Wer ist der Typ? Nur um Minuten später festzustellen, dass auch ohne Worte kommuniziert wird. Ich denke: Ich bräuchte Butter und schon reicht er sie rüber. Ich reiche ihm den Saft rüber, weil ich weiß, dass er ihn jetzt gern hätte.
Man kennt sich. Und manchmal eben nicht.

Also, wie geht man um mit einem Gutfrisierten, der jetzt fuffzich ist?
Wie immer. Ist ja nur der kalendarische Fuffzigeranfang.
Meterologisch ist da noch Luft für zwanzig Jahre.