Killerdog ist neunzehn. Und ich muss schon sagen, seine Geburt war der Hit unter den erlebten Geburten. Das lief wie geschmiert. Und obwohl er der kleine Dicke mit dem großen Kopf war, ist er am Besten in die Welt gekommen. Zügig, zielstrebig und mit einem ordentlichen Schwung.
Seine Zornesfalte auf der Stirn hat sich im Laufe der Jahre auch geglättet und er muss mittags nach dem Schlafen nicht mehr lauthals schreien.
Als der Schlaf am Mittag nämlich noch Mittagsschlaf war und nicht der in den Tag verschobene Nachtschlaf, da wurde er gegen drei Uhr wach und brüllte. Jeden Tag. Augen auf, Luft holen, loskreischen. Und zwar so ein Geschrei, dass man dachte, irgendetwas ganz entsetzliches muss ihm gerade passieren. Am Anfang erschreckte er mich damit zutiefst. Nach einiger Zeit begriff ich aber, dass Essen die Situation sehr verbesserte. Also stand ich in dem Moment, wenn er die Augen aufschlug, bereits mit einer geschälten Banane an seinem Bett und noch bevor er den ersten Schrei unter Dach und Fach bringen konnte, hatte er die Banane drin. Eine halbe.

Seinen neunzehnten Geburtstag wird er hoffentlich in den Tiefen seiner Erinnerung versenken und nicht mehr oft daran denken. Denn irgendwie war er nur mäßig gelungen. Ja, auch das gibt es. Das Geburtstage komplett für den Arsch sind und daneben gehen.
Ich gestehe, sehr habe ich mich nicht bemüht, war ich doch im Vorfeld nicht die Belastbarkeit in Person. Dann kamen noch ein paar Komplikationen dazu, ein nicht mehr existierender Bekleidungsladen zum Beispiel, eine träge arbeitende Packetverschickung, eine körperlich verreiste Großmutter, eine seelisch verreiste Großmutter, die Großväter, die nun wirklich nicht kommen konnten (wären sie vorbei gekommen…, ich weiß auch nicht, das wäre wirklich nicht gut gewesen für meine psychische Gesundheit…), selbst noch angeschlagen von der Grippe und von den trotzdem stattgefundenen Aktivitäten zu Karneval, er hatte wirklich nicht den besten aller Geburtstage. Und als ihm dann am Abend noch der ein oder andere Freund absprang, weil sich neunzehnjährige Bürschlein mitunter aufführen wie Prinzessin Lilifee („Ich hab den K. eingeladen, da hat der L. gesagt, er kommt nicht, weil er Beef mit K. hat und der B. kommt dann auch nicht, weil er auf der Seite von L. sein muss und der P. kommt vielleicht auch nicht, weil er bei K. mitfahren wollte und der jetzt auch nicht kommen will, weil seine Freundin mit ihm Schluss gemacht hat und der M. weiß noch nicht genau, wann er kommt und…“), da war es um seine Fassung geschehen und mein Bursche, der längste von uns allen, stand da und hatte Tränen, die ihm kullerten.
Da wünschte ich mir dringend, ich hätte ihm ein goldenes Märchenschloss geschenkt. Und eine Spielkonsole. Zum Beispiel.
Ich nahm ihn fest in meine mütterlichen Arme, drückte ihn an die mütterliche Brust und strich ihm über sein seidenweiches Haar. Und irgendwie war es… einfach… schön. Der Bursche ließ sich von mir trösten und liebhalten. Er weinte seine Tränen in meinen Pulli und ich fand das schön. 
Vielleicht bin ich irgendwie gestört. Oder pervers. 

Der nächste Geburtstag wird sicher besser. Hier sind die Festspielwochen erst einmal vorbei und hoffentlich kehrt jetzt so etwas wie Alltag zurück. Ein Alltag, in dem alle gesund sind und leidlich gut gelaunt.
Bitte.
Danke.

(Ja, heute ist mir nach blau. Das ist einfach so.)