Ich spüre ihn wieder in mir. Diesen unltimativen Zorn. Diese Wut. Das Rauschen in den Ohren, den Druck im Magen, die Unruhe in den Beinen, die so gern gegen etwas treten möchten. Es darf auch ein Lebewesen sein. Warum denn nicht?
Es gibt Lebewesen, die haben es verdient, getreten zu werden. Bevorzugt in weiche Teile.

Weil ich aber in meiner Kindheit und Jugend immer wieder unterschwellig die Information getrichtert bekam, offensive Gewalt ist nicht in Ordnung, Schlagen, Kratzen, Beißen, Treten, Bomben, Krieg und Pistolen sind nicht comme il faut, dafür darf aber emotional erpresst, Liebe entzogen und seelisch gequält werden, bin ich eben nicht so der Prügeltyp. Leider.

Sonst hätte man, nachdem doch einige Zeit in relativer Harmonie verlief, heute einer wahren Gewaltorgie im Hause Lavendel beiwohnen können. Wenn ich ein Schläger wäre. Ein Kinderschläger.
Stattdessen habe ich im ganzen Haus diese Zettel aufgehängt. Weil ich es leid bin, in diesem, meinem wunderbaren und reinlichen Haus versiffte Messi-Buden beherbergen zu müssen.

In den Zimmer der nun nicht mehr Buben zu nennenden heranwachsenden Männer sieht es aus, dass es die Sau graust.
Es ist unfassbar.
Und just heute war mir nicht nach Deeskalation sondern mir war nach reintreten. Und darum sprach ich die widerwärtigen Verhältnisse an.
Was ich da zu hören bekam, war wirklich interessant und führte innerlich bei mir zur spontanen Verwandtschaftskündigung.
Ich möchte nicht mehr die Mutter sein von solchen Arschlöchern, die nicht einmal in der Lage sind, ihre angefurzte Unterwäsche dahin zu entsorgen, wo sie unauffällig bleibt. Nein, sie muss dekorativ mitten im Zimmer liegen. Direkt neben der Bananenschale, dem ketchupverschmierten Teller, den Gläsern, leeren Joghurtbechern, dem Leergut, den Überresten des Fastfood-Restaurants, unter den Schulsachen, den Gehaltsabrechnungen, dem mutmaßlich gebrauchten Kondom und dem durchgekauten Kaugummi.

Ja, es macht fassungslos.
Und so stinksauer, dass ich nicht weiß, ob ich vor Ekel oder Wut kotze.
Alles wäre gut bei einem leicht verschämten: „Ich räume auf.“
Oder einem: „Es tut mir leid, wirklich.“
Nichts ist gut, wenn ich dann als krönender Abschluss angebrüllt werde, was es für eine Unverschämtheit ist, jetzt eine Reinigung einzufordern, denn:
Man sei schließlich erschöpft von Arbeit/Schule.

Ich weiß wirklich nicht wohin mit mir.
Vor meinen Augen liegt ein tiefroter Schleier und in mir wütet ein Sturm. Und ich habe das dringende Bedürfnis, den ein oder anderen umgehend vor die Tür zu setzen.

Jetzt.

(Heute ist mir nach rot!)